Schmerzmittelabhängigkeit: In Deutschland sind etwa 1 Million Menschen betroffen
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte thematisieren Anlaufstellen für Betroffene sowie neue Ansätze in der häuslichen Betreuung zur Entlastung von Patienten mit chronischen Leiden.
Viele Menschen mit dauerhaften Erkrankungen sind auf eine verlässliche Begleitung im Alltag angewiesen, um Symptome zu lindern und gesundheitliche Folgeschäden zu vermeiden. Dabei stehen sowohl die Gefahren einer langfristigen Schmerzmitteltherapie als auch die Unterstützung durch ambulante Dienste und Fachstellen im Mittelpunkt.
Risiken von Schmerzmitteln und Wege aus der Abhängigkeit
Ein wesentlicher Aspekt bei der Behandlung chronischer Schmerzen ist der sachgemäße Umgang mit starken Medikamenten. Der Schmerztherapeut Michael Fritz schätzt, dass in Deutschland etwa 1 Million Menschen schmerzmittelabhängig sind. Vor allem bei der Verschreibung von Opiaten rät er dazu, spätestens nach drei Monaten eine gründliche Bestandsaufnahme vorzunehmen.
Auch Mediziner warnen generell vor einer schleichenden Abhängigkeit und schweren Nebenwirkungen durch Opioide, die Patientinnen und Patienten teilweise über Jahre hinweg verordnet werden.
Wie Berichte über Betroffene verdeutlichen, erfordert das Beenden einer solchen Medikation oft viel Zeit und professionelle Hilfe: So kann ein ärztlich begleitetes Ausschleichen hochdosierter Schmerzmittel wie Tilidin in Kombination mit Beruhigungsmitteln mehrere Monate in Anspruch nehmen.
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Fachleute heben hervor, dass neben einer gezielten Klinikbehandlung vor allem eine strukturierte Nachsorge und der Austausch in Selbsthilfegruppen unerlässlich sind, um Rückfälle nach dem Entzug zu verhindern.
Langzeitfolgen und Nachsorge bei Krebserkrankungen
Chronische Beschwerden betreffen auch viele Personen, die eine schwere Erkrankung überstanden haben. Im Bereich der Krebsnachsorge leben in Deutschland rund 5 Millionen Menschen mit oder nach einem Tumorleiden. Bei etwa zwei Dritteln von ihnen liegt der Zeitpunkt der Erstdiagnose mindestens fünf Jahre zurück.
Allerdings leidet mehr als die Hälfte dieser Langzeitüberlebenden unter dauerhaften Spätfolgen. Dazu zählen neben chronischen Schmerzen vor allem ausgeprägte Erschöpfungszustände wie Fatigue, Lymphödeme sowie psychische Belastungen.
Strukturierte Survivorship-Angebote, die auf die langfristige Begleitung der Betroffenen ausgerichtet sind, existieren hierzulande bislang weitgehend nur in Form von Modellprojekten. Dabei kommt auch wohnortnahen Versorgern eine wichtige Funktion zu: So können etwa Apotheken Hilfestellung leisten, indem sie die Therapietreue unterstützen, Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Arzneimitteln prüfen und beim Umgang mit Nebenwirkungen beraten.
Ambulante Pflege und Belastungen im häuslichen Umfeld
Neben der rein medizinischen Betreuung spielt die ambulante Versorgung im häuslichen Umfeld eine zentrale Rolle für chronisch Kranke. Das Spektrum möglicher ambulanter Hilfen reicht von der Grund- und Behandlungspflege über die Medikamentengabe und Wundversorgung bis hin zu hauswirtschaftlicher Unterstützung und Betreuungsangeboten, die pflegende Angehörige entlasten sollen.
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Während medizinische Behandlungspflege in der Regel von Ärzten verordnet wird, richten sich die finanziellen Hilfen der gesetzlichen Pflegeversicherung nach den Pflegegraden 1 bis 5. Pflegegeld und Pflegesachleistungen können dabei je nach individuellem Bedarf beansprucht oder miteinander kombiniert werden.
Gleichzeitig wächst in der Branche die Sorge vor künftigen Einschnitten. Der Verband der Deutschen Alten- und Behindertenhilfe warnt vor Kürzungen bei der ambulanten Pflege im Zuge des geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes, was die Versorgung von Betroffenen in der eigenen Häuslichkeit weiter erschweren könnte.
