Schmerzmittel, Nieren

Schmerzmittel und Nieren: Dreifachkombination erhöht Risiko um 31 Prozent

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ibuprofen kann den Blutdruck erhöhen und in Kombination mit bestimmten Blutdruckmitteln das Risiko für akutes Nierenversagen steigern.
Ein steriler Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit einem Edelstahltisch und einer anatomischen Grafik. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachberichte und Studien warnen vor den Risiken frei verkäuflicher Schmerzmittel bei bestehenden Vorerkrankungen. Insbesondere die Einnahme von Ibuprofen kann bei Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck den arteriellen Druck weiter in die Höhe treiben. Zudem droht in Kombination mit bestimmten Blutdrucksenkern eine erhebliche Belastung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen.

Signifikanter Anstieg des Blutdrucks und kardiovaskuläre Risiken

Ibuprofen gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Diese Wirkstoffe können den Blutdruck signifikant steigern, wobei dieses Risiko keineswegs nur ältere Patienten betrifft, sondern auch bei jüngeren Menschen besteht.

Eine Untersuchung des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2017 an 444 Patienten – davon 408 mit Arthrose und 36 mit rheumatoider Arthritis, die alle eine koronare Herzkrankheit oder ein erhöhtes Risiko aufwiesen – veranschaulicht diese Effekte: Unter einer täglichen Dosis von dreimal 600 bis 800 mg Ibuprofen stieg der Blutdruck nach vier Monaten um 3,7 mmHg.

Im Vergleich dazu führte Naproxen bei zweimal 375 bis 500 mg täglich zu einem Anstieg um 1,6 mmHg, während Celecoxib bei zweimal 100 bis 200 mg den Wert um 0,3 mmHg senkte.

Kardiologische Erhebungen weisen zudem darauf hin, dass bei einer regelmäßigen Einnahme von NSAR über einen Zeitraum von ein bis sieben Tagen eine 100-prozentige Zunahme des Herzinfarktrisikos verzeichnet werden kann.

Auch ein Ausweichen auf andere Schmerzmittel ist nicht zwingend risikofrei: Einer Studie der Hochdruckliga zufolge kann auch Paracetamol bei Hypertonie-Patienten zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen.

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Zudem warnt DailyMed im Zusammenhang mit rezeptfreiem Ibuprofen (200 mg, Packager Famora Inc, NDC 87509-0004-5, ANDA207095, mit Vermarktungsstart vom 27. Oktober 2026), dass NSAIDs mit Ausnahme von Aspirin das Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall teils lebensbedrohlich steigern können.

Nierenschäden durch gefährliche Medikamentenkombinationen

Neben der direkten Gefäßwirkung schwächt Ibuprofen häufig die Wirksamkeit von Antihypertensiva ab. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn NSAR mit gängigen Blutdruckpräparaten zusammentreffen. Interaktionen müssen vor allem bei Diuretika (wie Hydrochlorothiazid oder Furosemid), ACE-Hemmern (wie Enalapril oder Captopril) sowie Angiotensin-Rezeptorblockern (wie Losartan oder Valsartan) beachtet werden.

Der Arzt Mihail Pautov weist in diesem Zusammenhang auf das Phänomen des sogenannten „Triple Whammy“ hin: Trifft ein NSAR gleichzeitig auf ein Diuretikum sowie einen ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker, steigt das Risiko für ein akutes Nierenversagen drastisch.

Eine Studie mit 487.000 Personen belegt, dass Krankenhauseinweisungen wegen Nierenversagens bei dieser Dreifachkombination um 31 Prozent häufiger auftraten. In den ersten 30 Tagen der Anwendung lag die Rate sogar um 82 Prozent höher. Eine spanische Untersuchung bei Patienten mit einem Durchschnittsalter von 79 Jahren zeigte ein vergleichbares Risikoprofil für Metamizol.

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Risikogruppen und Handlungsempfehlungen

Nach Einschätzung des britischen National Health Service (NHS) ist Ibuprofen bei bestimmten Herz- und Nierenerkrankungen nicht geeignet. Die allgemeine NHS-Richtlinie empfiehlt, Ibuprofen maximal zehn Tage lang und stets in der geringsten wirksamen Dosis über den kürzestmöglichen Zeitraum einzunehmen.

Ein erhöhtes Gefahrenpotenzial tragen vor allem Menschen ab einem Alter von 75 Jahren, Personen mit chronischen Nierenleiden, Herzinsuffizienz, schlecht eingestelltem Blutdruck sowie Patienten mit Dehydrierung infolge von Durchfall oder Erbrechen.

Die National Pharmacy Association (NPA) und die Organisation Kidney Care UK mahnen ebenfalls zur Vorsicht beim Gebrauch rezeptfreier Schmerzmittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac, insbesondere bei Diabetikern und Hypertonikern.

Nach Angaben von Kidney Care UK leben im Vereinigten Königreich rund 7,2 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung, eine weitere Million sei bisher nicht diagnostiziert; fast ein Viertel der Nutzer des sogenannten Kidney-Health-Checkers nehme regelmäßig freiverkäufliche Schmerzmittel ein. NPA-Vorsitzender Olivier Picard betonte hierzu, dass Arzneimittel sowohl heilen als auch schaden können.

Als typische Warnzeichen für Nierenprobleme oder Kreislaufüberlastungen gelten anhaltend erhöhter Blutdruck, Ödeme in den Beinen, ein Rückgang der Urinmenge sowie Atemnot und Brustschmerzen.

Bei entsprechenden Beschwerden raten Mediziner dazu, verordnete Blutdruckmedikamente, Diuretika und niedrig dosiertes Aspirin (75 bis 100 mg) weiter einzunehmen, die NSAR jedoch zu pausieren. Bei älteren Personen kann Paracetamol bis zu maximal drei Gramm täglich oder der Einsatz lokal wirkender entzündungshemmender Gele eine Option darstellen.

Für den einzelnen Patienten bleibt das absolute Risiko bei kurzer Exposition zwar meist gering, und die Nierenfunktion erholt sich nach dem Absetzen der Schmerzmittel in der Regel innerhalb von Tagen bis Wochen; dennoch sollte vor der Einnahme stets ärztlicher Rat eingeholt werden.

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