Schmerzmittel, Einnahmen

Schmerzmittel: Mehr als 15 Einnahmen im Monat erhöhen Kopfschmerzrisiko

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Häufiger Gebrauch kann Kopfschmerzen verstärken; Paracetamol und NSAR bergen zudem Risiken für Organe, Blutdruck und Herz.
Ein leerer, steriler Untersuchungsraum mit hellem Tageslicht, das sanfte Schatten auf den weißen Fliesenboden wirft. Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitsbehörden und Mediziner warnen eindringlich vor den Folgen einer langfristigen Einnahme oder Überdosierung von Schmerzmitteln. Die dauerhafte Anwendung kann paradoxerweise dazu führen, dass sich die Schmerzsymptomatik weiter verschlimmert. Zudem drohen erhebliche Schäden an lebenswichtigen Organen sowie ein Anstieg des kardiovaskulären Risikos.

Das Paradoxon des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes

Rezeptfreie Schmerzmittel bergen bei zu häufiger Anwendung die Gefahr, medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auszulösen. Nach schwedischen Richtlinien des Portals 1177 sollten Betroffene entsprechende Mittel höchstens an zwei bis drei Tagen pro Woche einnehmen. Annika Svedberg von der Apoteket Hjärtat verweist darauf, dass das Risiko für diesen Dauerkopfschmerz bei mehr als 15 Einnahmen im Monat deutlich ansteigt.

Frauen sowie Migränepatienten sind von dieser Form des Kopfschmerzes besonders häufig betroffen. Zudem erhöhen Faktoren wie ein höheres Alter, Rauchen, hoher Koffeinkonsum sowie psychische Belastungen wie Depressionen und Angstzustände das Erkrankungsrisiko. Etwa jede fünfte Frau greift Schätzungen zufolge bereits vorbeugend zu Schmerzmitteln.

Der italienische Neurologe Michelangelo Buonocore vom Forschungsinstitut Irccs Maugeri Pavia warnt jedoch ausdrücklich davor, Schmerzmittel zur Prävention zu nutzen, da Schmerz als wichtiges Warnsignal des Körpers fungiere. Stattdessen rät er dazu, persönliche Belastungsgrenzen zu erkennen und körperliche Bewegung nicht gänzlich aufzugeben.

Organschäden und Begrenzungen von Paracetamol

Jon Trærup Andersen, Professor an der Universität Kopenhagen und Chefarzt am Bispebjerg Hospital, warnt vor den Gefahren von Paracetamol. Neben dem Risiko eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes könne eine Überdosierung schwere Leberschäden verursachen.

Zudem sei der Wirkstoff bei mehreren gängigen Beschwerden unwirksam: Bei Spannungskopfschmerzen müssen 22 Personen behandelt werden, damit rechnerisch ein Patient nach zwei Stunden eine Linderung erfährt. Bei Menstruationsbeschwerden zeigten Wärmekompressen in Studien bessere Effekte.

Zwar senke Paracetamol Fieber, die Heilung beschleunige es jedoch nicht. Bei Rückenschmerzen sei der Nutzen begrenzt oder fehle ganz, weshalb Behörden zu Bewegung raten. Auch bei Schlafstörungen, Nervosität, Stress oder Angstzuständen besitze der Arzneistoff keine nachgewiesene Wirkung.

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Auch internationale Aufsichtsbehörden sehen die Einnahme kritisch. Die Saudi Food and Drug Authority weist darauf hin, dass eine langfristige oder hoch dosierte Einnahme zu Leberversagen, Nierenversagen, Magengeschwüren, Magenblutungen, Bluthochdruck und Vergiftungen führen kann. Patienten sollten stets den genauen Wirkstoff prüfen sowie Dosis und Behandlungsdauer einhalten.

Experten der chilenischen Red de Salud UC Christus betonen ergänzend, dass Paracetamol die häufigste Ursache für arzneimittelbedingte Vergiftungen darstelle, oft ausgelöst durch die unbemerkte Kombination mehrerer paracetamolhaltiger Präparate. In Italien gilt ein Tageslimit von 3 Gramm Paracetamol, welches auch Anteile in Erkältungs- und Grippemitteln einschließt.

Gefahren nichtsteroidaler Antirheumatika

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen bergen bei dauerhafter Anwendung weitere Gefahren. Dr. Aravinda S N vom indischen Aster RV Hospital in Bengaluru erläutert, dass eine häufige Einnahme Verdauung, Nieren, Leber und Blutdruck beeinträchtige sowie das Risiko für Gastritis, Geschwüre, Blutungen im Verdauungstrakt und Herzprobleme steigere.

Eine im Jahr 2025 über die Plattform NCBI publizierte Untersuchung belegt die Risiken einer täglichen oder langfristigen Einnahme insbesondere für ältere und vorerkrankte Patienten.

Auf kardiovaskuläre Auswirkungen weist eine Untersuchung des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2017 an 444 herzkranken oder gefährdeten Patienten hin: Die Gabe von Ibuprofen in einer Dosierung von dreimal 600 bis 800 Milligramm täglich ließ den Blutdruck nach vier Monaten um 3,7 mmHg steigen.

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Bei zweimal 375 bis 500 Milligramm Naproxen betrug der Anstieg 1,6 mmHg, während zweimal 100 bis 200 Milligramm Celecoxib den Wert um 0,3 mmHg verringerten.

Laut Fachkreisen der Herzmedizin verdoppelt sich das Herzinfarktrisiko bereits bei einer regelmäßigen Einnahme über einen Zeitraum von ein bis sieben Tagen. Die Deutsche Hochdruckliga weist zudem darauf hin, dass auch Paracetamol bei Personen mit Hypertonie den Blutdruck steigern kann.

Nach Einschätzung von Experten wie PGS.TS Nguy?n H?u ??c von der ??i h?c Y D??c TP.HCM in Vietnam können NSAR und Acetylsalicylsäure (ASS) bei Asthmatikern und Allergikern zudem Atemwegsverkrampfungen hervorrufen sowie Wassereinlagerungen und Herzinsuffizienz begünstigen.

Bei stärkeren Analgetika wie Opioiden besteht zudem die Gefahr einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit, weshalb eine Einnahme stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte.

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