Schmerzmittel, Freizeitsport

Schmerzmittel im Freizeitsport: Fast 60 Prozent greifen zu Präparaten

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Einschätzung vor dem Training ist besonders bei Vorerkrankungen wichtig; Schmerzmittel können zusätzliche Gefahren bergen.
Ein heller, moderner medizinischer Untersuchungsraum mit Blick ins Grüne als Symbol für ärztliche Gesundheitsvorsorge. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Aktivität gilt gemeinhin als zentraler Baustein einer gesunden Lebensweise. Fachleute weisen in Berichten aus dem Oktober 2026 jedoch darauf hin, dass sportliche Belastungen sowie unbedachte Ernährungsgewohnheiten ohne eine vorherige medizinische Bewertung erhebliche Gefahren bergen können.

Vor allem bei bereits bestehenden Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck drohen gefährliche Schwankungen der Vitalwerte, wenn Grenzen missachtet werden.

Belastungsgrenzen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Für Personen ab einem Alter von 50 Jahren sowie für jüngere Menschen mit Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten oder Bewegungsmangel empfiehlt Kardiologe Professor Zhang Yun von der Shandong-Universität und dem Qilu-Krankenhaus zunächst lediglich mittelstarke Belastungen. Bevor Betroffene intensives Krafttraining oder Langstreckenläufe beginnen, sei zwingend ein kardiopulmonaler Belastungstest ratsam.

Als generelle Orientierung für die maximale Herzfrequenz beim Training nennt Dr. Zhang Fan vom Beijing Anzhen Hospital den Richtwert von 180 minus das Lebensalter. Bei schweren Vorerkrankungen von Herz oder Lunge verliere diese Faustformel jedoch ihre Gültigkeit und müsse durch konkrete ärztliche Vorgaben ersetzt werden.

Zur Vermeidung von Ohnmachtsanfällen, die durch Hypotonie, Unterzuckerung oder zu hohe Intensität ausgelöst werden können, rät Dr. Adelia Handoko von der Universität Jember dazu, zwei bis drei Stunden vor dem Sport eine Mahlzeit einzunehmen, ausreichend zu trinken und das Trainingspensum strikt an das eigene Leistungsvermögen anzupassen.

Blutzuckerschwankungen im Sport

Bei einer Diabeteserkrankung hängt die Reaktion des Körpers auf Sport maßgeblich von Dauer, Intensität, Diabetestyp sowie dem Zeitpunkt der Insulingabe ab. Als günstiger Ausgangswert vor Trainingsbeginn gelten sportmedizinisch 120 bis 180 mg/dl, wenngleich dies keine Universallösung darstellt.

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Liegt der Wert bei insulinpflichtigen Patienten unter 100 mg/dl, besteht eine erhöhte Gefahr für Unterzuckerungen; in solchen Fällen sollte nicht gestartet und gegebenenfalls schnell resorbierbare Kohlenhydrate zugeführt werden.

Bei deutlich überhöhten Werten oder dem Nachweis von Ketonen – insbesondere bei Typ-1-Diabetes – ist Training ohne medizinische Rücksprache auszusetzen. Warnzeichen wie Schwindel, Zittern, Schwäche oder Schwitzen verlangen einen sofortigen Abbruch.

Einfluss hat auch die Nahrungsaufnahme: Eine im Journal Clinical Nutrition veröffentlichte Metaanalyse des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf über 18 randomisierte kontrollierte Studien zeigt, dass der Verzehr von Gemüse vor Kohlenhydraten den Blutzucker nach 30 Minuten zwar um etwa 22 mg/dl senkt, dieser nach zwei Stunden jedoch um rund 4 mg/dl über dem der Kontrollgruppen lag. Eine allgemeingültige Praxisempfehlung lasse sich daraus nicht ableiten.

Gefährliche Kombination mit Schmerzmitteln

Besondere Risiken entstehen, wenn körperliche Grenzen medikamentös unterdrückt werden. Jan-Peter Jansen, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, warnt davor, dass Schmerzmittel Belastungsgrenzen verschieben und die Blutgerinnung stören können.

Die gleichzeitige Einnahme von Ibuprofen mit einem Sartan und einem Diuretikum steigere das kardiovaskuläre Risiko bis hin zum Todesfall; Betroffene von Herzinfarkten bei Marathonläufen hätten in der Regel zuvor Schmerzmittel konsumiert.

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Nephrologe Martin Kuhlmann vom Vivantes-Klinikum Friedrichshain berichtet von Klinikaufnahmen nach Großveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon: Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac können Nierenschäden sowie Magenblutungen auslösen, wofür insbesondere Menschen mit Bluthochdruck und Diabetes anfällig seien.

Dessen ungeachtet ist der Schmerzmitteleinsatz im Freizeitsport weit verbreitet. Eine noch unveröffentlichte Erhebung der Universitätsmedizin Rostock unter 1.240 sportlich aktiven Erwachsenen ergab, dass fast 60 Prozent bereits zu rezeptfreien Präparaten griffen, über die Hälfte davon ohne ärztliche Absprache.

Knapp 17 Prozent taten dies vorbeugend ohne Schmerzen und knapp 17 Prozent mit dem Ziel, hemmungsloser antreten zu können. Im Jahr 2024 wurden in deutschen Apotheken fast 50 Millionen Packungen Ibuprofen verkauft. Studien belegen zugleich, dass vorbeugend eingenommene NSAR weder die Leistungsfähigkeit verbessern noch spätere Beschwerden lindern.

Hohe Dunkelziffer bei Hypertonie

Die Gefahren werden dadurch verstärkt, dass viele Vorerkrankungen unbemerkt bleiben. Nach der GEDA-Studie des Robert Koch-Instituts weisen 30,9 Prozent der Frauen und 32,8 Prozent der Männer in Deutschland Bluthochdruck auf. Laut der Deutschen Hochdruckliga ist die Erkrankung bei rund 30 Prozent der Betroffenen undiagnostiziert.

Wie Professor Markus van der Giet von der Charité hervorhebt, können Gefäßschäden über 20 Jahre verborgen bleiben; Probleme treten oft erst im Alter von 60 Jahren auf, wenngleich der Hochdruck schon mit 30 oder 40 Jahren begann.

Nationale VersorgungsLeitlinien verweisen bei unkontrolliertem Bluthochdruck auf Spätfolgen wie Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfälle sowie ein erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen.

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