Schmerzmittel im Breitensport: Fast 60 Prozent greifen zu Ibuprofen und Co.
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Einnahme von frei verkäuflichen Schmerzmitteln im Breitensport ist weit verbreitet. Wie aus Daten einer bislang unveröffentlichten Umfrage der Universitätsmedizin Rostock hervorgeht, über die der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtete, greift ein erheblicher Teil der Sportler zu entsprechenden Präparaten.
Für die Erhebung wurden knapp 1.240 sportlich aktive Erwachsene befragt, darunter 776 Männer, 460 Frauen und zwei diverse Personen bei einem Durchschnittsalter von 37,3 Jahren.
Fast 60 Prozent der Befragten gaben an, bereits im Zusammenhang mit sportlicher Aktivität Schmerzmittel wie Ibuprofen oder ähnliche Substanzen eingenommen zu haben. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe handelte dabei ohne ärztlichen Rat.
Schmerzlinderung, Leistungsdruck und Wissenslücken
Hinter dem Konsum stehen unterschiedliche Beweggründe. Bei Mehrfachnennungen führten in der Rostocker Umfrage 86 Prozent der Sportler akute Schmerzen als Grund für den Griff zur Tablette an. 53 Prozent nannten akute Erkrankungen. Knapp 17 Prozent griffen vorbeugend zu Schmerzmitteln, ein ebenso großer Anteil tat dies, um hemmungsloser zu spielen. Zudem begründeten 15 Prozent die Einnahme mit Leistungsdruck.
Gleichzeitig offenbaren die Zahlen erhebliche Wissenslücken: Knapp 10 Prozent der befragten Sportler gaben an, überhaupt nichts über mögliche Nebenwirkungen zu wissen. Rund 60 Prozent der Konsumenten stuften ihre eigenen Kenntnisse bezüglich der Risiken als höchstens mittelmäßig ein.
Gesundheitliche Gefahren bei hoher Belastung
Mediziner warnen seit Langem vor den Gefahren von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) unter sportlicher Belastung. Jan-Peter Jansen, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, wies darauf hin, dass die Substanzen die individuelle Belastungsgrenze verschieben und natürliche Warnsignale des Körpers überdecken.
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Die Wirkung setze in der Regel nach 20 bis 30 Minuten ein. Zu den schwerwiegenden Risiken zählen Blutungen, Nierenschäden und Herzinfarkte bei Extrembelastung. Jansen betonte, dass Marathonläufer, die einen Herzinfarkt erleiden, in der Regel zuvor Schmerzmittel eingenommen hätten.
Bereits zwei Tabletten Ibuprofen mit insgesamt 400 mg könnten bei gesunden Menschen Störungen der Homöostase auslösen. Am häufigsten werde Ibuprofen verwendet, gefolgt von Diclofenac und Acetylsalicylsäure. Als besonders gefährlich gilt die Kombination von Ibuprofen mit Blutdrucksenkern wie Sartanen und Diuretika, die das Herz-Kreislauf-Risiko drastisch steigert.
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Auch der Nephrologe Martin Kuhlmann warnte vor Magenblutungen sowie Nierenschäden und verwies darauf, dass nach jedem Berlin-Marathon betroffene Läufer stationär aufgenommen werden müssten. Eine Dauereinnahme von NSAR birgt zudem Risiken wie Schädigungen der Magenschleimhaut bis hin zu Geschwüren sowie medikamenteninduzierte Kopfschmerzen bei Einnahme an zehn bis 15 oder mehr Tagen pro Monat.
Kein sportlicher Nutzen durch vorbeugende Einnahme
Dabei bringt die präventive Einnahme keinen messbaren Vorteil. Studien zeigen, dass vorbeugend verabreichte NSAR weder die sportliche Leistungsfähigkeit steigern noch nachfolgende Beschwerden lindern. In einer Marathonuntersuchung sank der Natriumspiegel in der NSAR-Gruppe um 2,1 mmol/L, während er in der Kontrollgruppe um 2,3 mmol/L anstieg, was auf Störungen im Elektrolythaushalt hindeutet.
Dass die Problematik nicht auf Einzelfälle beschränkt ist, belegen weitere Zahlen: Eine im Journal Research in Sports Medicine untersuchte Gruppe von 167 Ultraausdauer-Läufern ergab, dass 53 Prozent im Training, Wettkampf oder bei beiden Gelegenheiten NSAR nutzten.
Davon handelten 78 Prozent, um ein bestehendes körperliches Problem zu verschleiern, und 56 Prozent zur Vermeidung eines Leistungsabfalls. Wie stark die Nachfrage im Alltag generell ist, zeigt auch der deutsche Markt: Im Jahr 2024 wurden in deutschen Apotheken fast 50 Millionen Packungen Ibuprofen abgesetzt, was rechnerisch rund 1,5 Packungen pro Sekunde entspricht.
