Schmerz im Alter: Der stärkste Anstieg kommt vor dem 55. Lebensjahr
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Auswertungen verdeutlichen, dass das Älterwerden nicht zwangsläufig mit einer stetig zunehmenden Schmerzbelastung einhergehen muss. Parallel dazu untersuchen klinische Studien neue Ansätze zur Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit, darunter die Supplementierung mit Kreatin gegen altersbedingten Muskelverlust.
Schmerzbelastung steigt vor dem 55. Lebensjahr am stärksten
Eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine publizierte Untersuchung wertete über 900 Datenquellen aus den Jahren 1990 bis 2025 aus. Die Datengrundlage umfasst selbstberichtete Schmerzangaben von über 6 Millionen Menschen im Alter von 5 bis über 100 Jahren aus 118 Ländern und Gebieten.
Die Analyse zeigt, dass die Schmerzbelastung im Lebensverlauf nicht linear ansteigt. Bei allen elf untersuchten Körperregionen lag der stärkste relative Anstieg vor dem 55. Lebensjahr.
Die Dynamik variiert je nach Schmerzart: Bauchschmerzen erreichten ihren Häufigkeitsgipfel im statistischen Modell mit 23 Jahren, Kopfschmerzen mit etwa 34 Jahren. Im Gegensatz dazu nahmen schmerzen im Rücken, in den Knien sowie in der Hüfte auch im höheren Alter weiter zu.
Global lag die Prävalenz von Rückenschmerzen bei 40 Prozent. Diese stiegen Anfang 20 besonders rasch an und erreichten Mitte 30 rund 30 Prozent. Im Alter von 100 Jahren berichteten fast 50 Prozent der Frauen von Rückenschmerzen, während der Anteil bei 80-jährigen Männern bei rund 30 Prozent lag.
Frauen berichteten in sämtlichen elf untersuchten Körperregionen häufiger über Beschwerden als Männer. Ihre Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen lag um 74 Prozent, für Bauchschmerzen um 60 Prozent höher als bei männlichen Teilnehmern.
Regionale Unterschiede zeigen sich ebenfalls: In Westeuropa lag der Höchstwert der allgemeinen Schmerzbelastung bei 56 Jahren und ging anschließend zurück, während er in Nordamerika bei 72 Jahren lag. Zudem erklärten drei Risikofaktoren – Rauchen, Adipositas und geringes Einkommen – weltweit 18,3 Prozent der Schmerzlast.
Fachleute weisen darauf hin, dass Selbstberichte methodische Datenlücken aufweisen, da sie akute und chronische Schmerzen oft nicht sicher voneinander trennen.
Kreatin-Supplementierung bei inaktiven Erwachsenen
Gleichzeitig rückt der Erhalt der Muskelmasse im Alter in den Fokus. Eine 12-wöchige Studie der Texas A&M University untersuchte gesunde, inaktive Erwachsene im Alter von 45 bis 65 Jahren. Insgesamt 73 Personen begannen die Erhebung, von denen 64 die Intervention abschlossen und auf vier Gruppen zu je 16 Personen verteilt wurden.
Davon absolvierten 38 Teilnehmende ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, während 26 inaktiv blieben. Alle Teilnehmenden sollten ein Energiedefizit von 300 bis 500 Kilokalorien täglich einhalten.
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Die am 11. August 2026 online im Journal of the International Society of Sports Nutrition veröffentlichten Daten ergaben, dass die tägliche Einnahme von 10 Gramm Kreatinmonohydrat (aufgeteilt in zwei Portionen zu je 5 Gramm) zu Zuwächsen bei Kraft und fettfreier Masse führte.
Ohne Trainingsprogramm stieg die fettfreie Gewebemasse um rund 1,1 Kilogramm (rund 2,4 Pfund). In Kombination mit Training betrug der Zuwachs rund 1,3 Kilogramm (knapp 3 Pfund) bei gleichzeitigem Fettabbau. Die Bankdrück- und Beinpressekraft verbesserte sich ebenfalls.
Einschränkend merken Experten an, dass die kleine Stichprobengröße und die kurze Studiendauer keine Aussagen über Personen über 65 Jahre oder langfristige Effekte erlauben. Fettfreie Masse ist zudem nicht zwingend mit reiner Muskelmasse gleichzusetzen, da Kreatin auch Wassereinlagerungen bewirkt. Zudem berät Studienautor Richard B. Kreider einen Hersteller und weist Verbindungen zur Kreatinindustrie auf.
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Differenzierte Befunde aus Meta-Analysen
Ergänzende Befunde liefert eine Meta-Analyse von 2026, die sieben randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 608 Frauen nach der Menopause (Durchschnittsalter etwa 62 Jahre) auswertete. Bei einer Kombination aus Krafttraining und Kreatin zeigte sich gegenüber Placebo ein Zuwachs von 0,37 Kilogramm fettfreier Masse und 7,5 Kilogramm Beinpressekraft. Auf die Knochendichte hatte die Intervention hingegen keinen Einfluss.
Messbare Vorteile traten erst ab einer Dosis von mindestens 5 Gramm Kreatin täglich in Kombination mit Krafttraining auf. Eine Einnahme von 3 Gramm täglich ohne körperliches Training zeigte in Studien keinen Nutzen für Muskel- oder Knochenstrukturen. Fachleute betonen daher, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für regelmäßige körperliche Aktivität sind.
