Schleswig-Holstein, Verwaltungsleistungen

Schleswig-Holstein: Zwei Drittel aller Verwaltungsleistungen digital verfügbar

27.05.2026 - 07:04:02 | boerse-global.de

Schleswig-Holstein treibt die Digitalisierung voran: Open-Source-Strategie spart Millionen und stärkt die digitale Souveränität des Landes.

Schleswig-Holstein: Zwei Drittel aller Verwaltungsleistungen digital verfügbar - Foto: über boerse-global.de
Schleswig-Holstein: Zwei Drittel aller Verwaltungsleistungen digital verfügbar - Foto: über boerse-global.de

Mit einer konsequenten Open-Source-Strategie und einem neuen Leitbild will Schleswig-Holstein den Wandel vom reinen Automatisieren hin zu einem „digitalen Kooperationsstaat" schaffen. Rund zwei Drittel aller Verwaltungsleistungen sind bereits online verfügbar – ein Spitzenwert im Bundesvergleich.

Der Weg zum digitalen Kooperationsstaat

Im März 2026 präsentierte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter die „Digitalstrategie 2026" – ein 116-seitiges Papier, das die Weiterentwicklung der Verwaltung bis ins Detail beschreibt. Anders als die Vorgängerstrategie von 2023 setzt der neue Plan nicht mehr nur auf einzelne digitale Werkzeuge, sondern auf ein vernetztes Ökosystem. Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft sollen gemeinsam Lösungen entwickeln.

Die Strategie entstand in Zusammenarbeit mit dem IT-Verband Schleswig-Holstein (ITV.SH), dem DigitalHub.SH und mehreren Sozialverbänden. Ein zentraler Punkt: soziale Gerechtigkeit. Die Landesregierung hat erkannt, dass frühere Digitalisierungswellen oft an der Landbevölkerung und an Menschen mit Behinderungen vorbeigingen.

Konkret sollen Verwaltungsassistenten in Bibliotheken und Gemeindezentren helfen, digitale Servicekonten einzurichten. Mobile Angebote sind für Menschen mit psychischen oder körperlichen Einschränkungen vorgesehen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass digitale Barrieren zu sozialem Ausschluss führen", heißt es in dem Strategiepapier.

Open Source als Erfolgsmodell

Besonders bemerkenswert ist der flächendeckende Einsatz von Open-Source-Software. Das Land hat sein gesamtes internes Kommunikationssystem – über 44.000 Postfächer – auf Open-Xchange und Thunderbird umgestellt. Rund 80 Prozent der IT-Infrastruktur laufen inzwischen auf LibreOffice.

Die Umstellung ist nicht nur eine Frage der digitalen Souveränität, sondern auch des Geldes. Das Land sparte rund 15 Millionen Euro an Lizenzkosten. Davon flossen etwa neun Millionen Euro zurück in die Open-Source-Community und den Ausbau lokaler IT-Strukturen. Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Die Umstellung auf Linux-Betriebssysteme für alle Verwaltungs-Laptops bleibt ein Kernziel. Mehrere Behörden arbeiten bereits im Frühjahr 2026 vollständig auf Open-Source-Plattformen.

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OZG 2.0 und die Modernisierung der Register

Schleswig-Holstein gehört zur Spitzengruppe der Bundesländer bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Rund zwei Drittel aller relevanten Verwaltungsleistungen sind digital verfügbar – das ist mehr als in vielen größeren Flächenländern und Stadtstaaten.

Der Erfolg beruht auf dem „Einer-für-Alle"-prinzip (EfA): Dienstleistungen, die in einem Bundesland entwickelt wurden, werden bundesweit geteilt. Doch der Fokus hat sich verschoben. Statt nur die Oberfläche digital zu gestalten, geht es jetzt um die „tiefe Digitalisierung" der Hintergrundprozesse.

Das Projekt „TAGuZ" etwa digitalisiert komplexe Genehmigungsverfahren für gewerbliche Anlagen. Es läuft auf Nextcloud-Instanzen als zentralen Kollaborationsplattformen und soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Medienbrüche – also der Wechsel zwischen Papier und digitalen Formaten – sollen der Vergangenheit angehören.

Parallel dazu werden die Landesregister modernisiert. Das „Once-Only"-Prinzip soll sicherstellen, dass Bürger ihre Daten nicht immer wieder neu eingeben müssen. Ein zentraler Identifikationsnummern-Prozess (IDA) wird in 50 verschiedene Register integriert. Bis Ende des Jahrzehnts soll der Datenaustausch zwischen Behörden nahtlos funktionieren.

Cybersicherheit und technische Infrastruktur

Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst auch die Bedeutung der IT-Sicherheit. Im Mai 2026 informierte Minister Schrödter den Digitalisierungsausschuss des Landtags über neue Maßnahmen. Bereits im Oktober 2025 hatte das Land seine Einhaltung der EU-Richtlinie NIS-2 gemeldet.

Das „CERT Nord"-Team wird zu einem umfassenden Cyber Security Incident Response Team (CSIRT) ausgebaut. Es soll Landes- und Kommunalbehörden bei digitalen Krisen unterstützen. Ein weiterer Meilenstein: Im März 2026 startete ein Projekt für eine sichere, souveräne 5G-Kommunikationsarchitektur.

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Neu ist auch „Pleio" – eine Open-Source-Intranetplattform speziell für Kommunen. Zwanzig Pilotgemeinden in Schleswig-Holstein testen das System bis Mai 2026. Es ermöglicht interne Kommunikation ohne aufwendige Schulungen für die Mitarbeiter.

Die Lücke zwischen Angebot und Zufriedenheit

Trotz aller Fortschritte klafft eine Lücke zwischen dem digitalen Angebot und der Zufriedenheit der Bürger. Der eGovernment MONITOR 2025 vom September 2025 zeigt: Nur etwa 15 Prozent der Befragten sehen ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung voll erfüllt.

Die größten Probleme: Bürger finden bestimmte Services nicht oder sparen keine Zeit. In Schleswig-Holstein will man dem mit dem „Digitalen Kompass" begegnen – einem Leitfaden, der Ende 2024 aktualisiert wurde. Er stellt sicher, dass die Digitalisierung nicht zum Selbstzweck wird, sondern sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert.

Die verstärkte Einbindung zivilgesellschaftlicher Partner in die Strategie 2026 ist eine direkte Antwort auf diese Herausforderung. Intuitivere, nutzerfreundlichere Portale stehen ganz oben auf der Agenda.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Ab August 2026 müssen Kommunen ihre Energieverbrauchsdaten über das neue Open-Source-Tool „KommunalEnergie" melden. Ziel ist es, Berichtspflichten zu vereinfachen und die Klimaziele zu unterstützen.

Bis Ende 2027 sollen zudem alle fischereirechtlichen Genehmigungen vollständig digital und medienbruchfrei über das Serviceportal.SH abgewickelt werden. Das Land investiert weiter in sein „Datenhaus" und KI-gestützte Verwaltungstools – ein neues Analyseprogramm startete bereits im Mai 2026.

Die Herausforderung bleibt, die digitale Souveränität zu wahren und gleichzeitig die Lücke zwischen technologischen Möglichkeiten und dem Alltagserleben der Bürger zu schließen. Schleswig-Holstein hat die Weichen dafür gestellt.

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