Schlaganfall und Vorhofflimmern: Nur 1,9 Prozent erhalten frühe Rhythmuskontrolle
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine detaillierte Auswertung der internationalen Kohortenstudie unter Leitung der Kyoto-Universität liefert differenzierte Erkenntnisse zu den Sicherheits- und Begleitendpunkten einer frühen Rhythmuskontrolle nach akutem ischämischem Schlaganfall.
Bei Patienten mit Vorhofflimmern zeigt die Analyse für schwere Blutungen (Major-Blutungen) eine Hazard Ratio von 1,44 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,74 bis 2,82. Hinsichtlich stationärer Aufnahmen infolge von Herzinsuffizienz ergab sich eine Hazard Ratio von 0,73 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,39 bis 1,38).
Bereits bekannt war, dass eine innerhalb von acht Wochen eingeleitete Rhythmuskontrolle das Rezidivrisiko für Schlaganfälle oder systemische Embolien um 44 Prozent verringert (Hazard Ratio 0,56; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,32 bis 0,97).
Über einen Beobachtungszeitraum von 23.583 Personenjahren lag die Fünf-Jahres-Rezidivrate bei 8,0 Prozent gegenüber 13,8 Prozent bei Patienten ohne frühe Rhythmuskontrolle, was einer Risikodifferenz von ?5,9 Prozentpunkten entspricht. Die Gesamtmortalität fiel in der Interventionsgruppe um 28 Prozent geringer aus (Hazard Ratio 0,72; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,53 bis 0,97).
Diskrepanz zwischen Potenzial und klinischer Anwendung
Trotz dieser Assoziationen dokumentiert die in der Fachzeitschrift Neurology erschienene Arbeit, an der auch das National Cerebral and Cardiovascular Center sowie das Universitätsklinikum Hamburg mitwirkten, eine erhebliche Unterversorgung. Von den 14.355 untersuchten Patienten aus der japanischen DeSC-IQVIA-Datenbank erhielten lediglich 268 Personen – ein Anteil von 1,9 Prozent – innerhalb des Acht-Wochen-Zeitfensters eine Rhythmuskontrolle.
Die untersuchte Kohorte wies ein medianes Alter von 83 Jahren auf; der Frauenanteil lag bei 48,3 Prozent. Bei den 268 behandelten Personen kamen unterschiedliche therapeutische Maßnahmen zum Einsatz, wobei Mehrfachnennungen möglich waren:
- 206 Patienten erhielten Antiarrhythmika.
- 68 Patienten unterzogen sich einer Katheterablation.
- 32 Patienten wurden mittels elektrischer Kardioversion behandelt.
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Über die erfassten 23.583 Personenjahre traten insgesamt 1.257 erneute Schlaganfälle oder Embolien auf. Davon entfielen lediglich 13 Ereignisse auf die Gruppe mit früher Rhythmuskontrolle und 1.244 auf die Gruppe ohne diese Intervention. Die Ergebnisse erwiesen sich über unterschiedliche Auswertungszeiträume von vier bis 24 Wochen hinweg als konsistent.
Einordnung in die aktuelle Studienlage
Frühere Untersuchungen deuten auf ähnliche Tendenzen hin: In der RAFAS-Studie an 300 Betroffenen mit akutem ischämischem Schlaganfall und Vorhofflimmern lag die 12-Monats-Rezidivrate unter früher Rhythmuskontrolle bei 1,7 Prozent gegenüber 6,3 Prozent unter Standardtherapie.
Zugleich zeigte eine andere randomisierte Studie, dass eine zusätzliche Katheterablation rezidivierende ischämische Schlaganfälle und Todesfälle im Vergleich zur Standardtherapie nicht signifikant verringerte. Fachleute betonen daher, dass eine adäquate Antikoagulation weiterhin die zentrale Säule der Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern darstellt.
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Die Autoren um die Forschungsgruppe von Imanaka an der Kyoto-Universität verweisen darauf, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt, die hypothesengenerierend sind und keinen formalen Kausalitätsnachweis erbringen. Als wesentliche Limitation gilt neben dem nicht-randomisierten Design vor allem die geringe Fallzahl der tatsächlich behandelten Patienten. Das Forschungsprojekt wurde von der Japan Society for the Promotion of Science gefördert.
