Schlaganfall-Reha: Vivistim steigert Arm- und Handfunktion bis zu dreifach
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von Bewegungseinschränkungen nach einem Schlaganfall steht im Fokus mehrerer aktueller Entwicklungen, die Nervenstimulation, tragbare Sensorik und virtuelle Realität kombinieren, um die Erholung von Arm- und Handfunktionen zu verbessern. Verschiedene Institutionen berichteten zuletzt über Fortschritte auf unterschiedlichen technologischen Wegen.
Vagusnervstimulation beim Northeast Georgia Health System
Das Northeast Georgia Health System (NGHS) bietet nach eigenen Angaben die Therapie Vivistim an, ein FDA-zugelassenes Gerät zur Vagusnervstimulation, das in Kombination mit Rehabilitationsübungen bei Arm- und Handschwäche nach Schlaganfall eingesetzt wird. Das implantierte Gerät stimuliert den Vagusnerv synchron zu den durchgeführten Übungen und ist laut NGHS für die späte chronische Erholungsphase zugelassen.
Nach Angaben von NGHS, die auf klinischen Studien beruhen, erzielten Patienten, die Vivistim zusätzlich zu intensiver Rehabilitation erhielten, nach 90 Tagen bis zu zwei- bis dreimal größere Verbesserungen der Arm- und Handfunktion als Patienten, die ausschließlich Rehabilitationsübungen absolvierten. Diese Angaben wurden nahezu wortgleich auch von weiteren regionalen Quellen aufgegriffen.
Wearable-Technologie aus Massachusetts
Einen anderen Weg verfolgt ein Forschungsteam der University of Massachusetts Amherst, das gemeinsam mit der Washington University in St. Louis, dem Shirley Ryan AbilityLab und der Harvard Medical School beziehungsweise Mass General Brigham ein handgelenkgetragenes Wearable mit maschinellem Lernen entwickelt hat.
Das Gerät nutzt einen Beschleunigungssensor, um Armbewegungen und motorische Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall kontinuierlich zu erfassen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.
Das zugrunde liegende Modell wurde mit Daten von Patienten in der subakuten Phase – zwischen einer Woche und sechs Monaten nach dem Schlaganfall – sowie von gesunden Personen trainiert.
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Laut UMass Amherst war der Algorithmus dabei um 40 bis 50 Prozent genauer als die klinische Beurteilung durch Fachpersonal. Eine nachgebildete Studie habe zudem gezeigt, dass mit dem Wearable statistisch signifikante Ergebnisse bereits mit 50 Prozent weniger Teilnehmenden erzielt werden konnten.
Die Relevanz dieser Entwicklung unterstreicht UMass Amherst mit Zahlen zur Verbreitung von Schlaganfällen: Demnach erleiden jährlich mehr als 795.000 Amerikaner einen Schlaganfall, wobei bis zu 77 Prozent unmittelbar danach Einschränkungen der oberen Gliedmaßen aufweisen und etwa 40 Prozent dauerhaft unter chronischen Problemen leiden.
Die bislang übliche klinische Beobachtungsbewertung dauert laut einer Quelle rund 30 Minuten und wird meist nur vor und nach der Rehabilitation durchgeführt. Das neue Wearable soll dagegen auch außerhalb der Therapiesitzungen Daten erfassen und so Echtzeit-Anpassungen der Behandlung ermöglichen. Laut Stoykov könnte die Technologie künftig klinische Studien mit weniger Teilnehmern und kürzerer Laufzeit ermöglichen.
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Die Entwicklung wurde mit Mitteln des NIH finanziert, ein vorläufiges Patent wurde eingereicht, und die Kommerzialisierung soll über das Unternehmen Lumid Health erfolgen. Eine Folgestudie am Spaulding Rehabilitation Hospital in Boston befindet sich derzeit in der Rekrutierungsphase.
Virtuelle Realität aus Chennai
Parallel dazu arbeitet das Unternehmen Skillveri aus Chennai an einem VR-Headset namens XTend, das speziell für die Rehabilitation der oberen Gliedmaßen nach Schlaganfall konzipiert ist. Integrierte optische Kameras erfassen Handbewegungen, ohne dass externe Sensoren notwendig sind; die Übungen werden in interaktive Spiele eingebettet, um die Motivation der Patienten zu erhöhen.
Skillveri kooperiert mit dem Sree Chitra Tirunal Institute for Medical Sciences and Technology (SCTIMST) in Thiruvananthapuram an einer klinischen Validierung des Geräts. Ziel ist es, Heimtherapie zu ermöglichen und Zugangsbarrieren zu verringern, die durch Physiotherapeutenmangel und hohe Kosten stationärer Rehabilitation entstehen. Die klinische Wirksamkeit des Systems muss jedoch noch nachgewiesen werden.
Gemeinsamer Nenner
Die drei Ansätze – implantierte Nervenstimulation, sensorbasierte Verlaufsmessung und VR-gestützte Heimtherapie – verfolgen unterschiedliche technische Wege, zielen jedoch auf dasselbe Problem: die oft unzureichende Erholung von Arm- und Handfunktion nach einem Schlaganfall messbarer und wirksamer zu gestalten.
Während Vivistim bereits als zugelassene Therapieoption im klinischen Einsatz ist, befinden sich das Wearable aus Massachusetts und das VR-System aus Chennai noch in der Studien- beziehungsweise Validierungsphase.
