Schlaganfall-Prävention: Zehn Risikofaktoren erklären rund 90 Prozent des Risikos
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin Großteil aller Schlaganfälle gilt aus medizinischer Sicht als vermeidbar. Mit der Kampagne „Prävention wirkt“, die anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin vorgestellt wurde, rücken die Fachgesellschaft und die Deutsche Hirnstiftung gezielte Schutzmaßnahmen in den Mittelpunkt.
DGN-Präsident Prof. Götz Thomalla vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) betont, dass eine gesunde Ernährungsweise, mindestens 150 Minuten körperliche Bewegung moderater Intensität pro Woche sowie der Rauchstopp fundamentale Säulen darstellen, um das Risiko eines Hirninfarkts deutlich zu verringern.
Risikofaktoren auf Bevölkerungsebene
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen das enorme Potenzial vorbeugender Maßnahmen. Laut der DGN zeigt die internationale INTERSTROKE-Studie mit rund 27.000 Teilnehmenden aus 32 Ländern, dass zehn beeinflussbare Risikofaktoren mit etwa 90 Prozent des bevölkerungsbezogenen Schlaganfallrisikos in Verbindung stehen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass gut 80 Prozent der gesamten Schlaganfall-Krankheitslast modifizierbar sind.
DGN-Präsidentin Prof. Daniela Berg ordnet diese Zahlen dahingehend ein, dass die ermittelten 80 bis 90 Prozent für die gesamte Bevölkerungsebene gelten, jedoch nicht ohne Weiteres direkt auf jeden Einzelfall übertragen werden können. Neben Verhaltensweisen wie Rauchen und mangelnder Bewegung spielen behandelbare Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Vorhofflimmern eine maßgebliche Rolle.
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Säulen der Primär- und Sekundärprävention
Für die Primärprävention hebt Thomalla insbesondere eine mediterrane Ernährung, das Erreichen der empfohlenen 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche und den Verzicht auf Tabakkonsum hervor. Ebenso wichtig sei die konsequente medikamentöse Einstellung vorliegender Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhter Cholesterinwerte.
Kommt es dennoch zu einem Gefäßverschluss im Gehirn, gewinnt die Sekundärprävention zentrale Bedeutung. Daten einer deutschen Krankenkassenanalyse zeigen laut DGN, dass 7,4 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres einen erneuten Schlaganfall erleiden; nach fünf Jahren liegt dieser Anteil bei 19,4 Prozent.
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Die Wahl der vorbeugenden Medikamente richtet sich laut Thomalla nach der Ursache des Erstereignisses:
- Bei Vorhofflimmern kommen gerinnungshemmende Medikamente zum Einsatz.
Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 1993 belegte bereits, dass eine orale Antikoagulation die jährlich Schlaganfallrate von 12 Prozent auf 4 Prozent absenken kann, was einer relativen Risikoreduktion von 66 Prozent entspricht.
- Bei Gefäßverkalkungen sind Thrombozytenaggregationshemmer indiziert.
- Blutdruck- und Cholesterinsenker bilden einen weiteren wesentlichen Bestandteil, während nach einer Hirnblutung vor allem eine strikte Blutdruckkontrolle erforderlich ist.
Gesundheitspolitischer Handlungsbedarf
Die DGN fordert vor dem Hintergrund dieser Daten einen deutlich höheren Stellenwert der Prävention im Gesundheitssystem. Statistisch ist jeder zweite Mensch im Laufe des Lebens von einer neurologischen Krankheit betroffen. Zudem verursachen neurologische Erkrankungen in Deutschland jährliche Krankheitskosten von 64,86 Milliarden Euro und stellen damit den kostenintensivsten Bereich dar.
Gleichzeitig besteht bei den Rahmenbedingungen Aufholbedarf: Im Public Health Index vom Dezember 2025 belegte Deutschland lediglich Rang 17 unter 18 untersuchten Staaten Nord- und Zentraleuropas. Fachleute sehen in einer intensivierten Aufklärung und frühzeitigen Lebensstilinterventionen daher nicht nur einen individuellen Gesundheitsschutz, sondern auch einen zentralen Hebel zur Entlastung des Versorgungssystems.
