Schlaganfall-Prävention: Zehn beeinflussbare Faktoren hängen mit 90,7 Prozent zusammen
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf dem Neurologiekongress in Berlin haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung die Aufklärungskampagne „Prävention wirkt“ ins Leben gerufen. Im Zentrum der Initiative steht die Botschaft, dass rund 90 Prozent des Schlaganfallrisikos auf Bevölkerungsebene mit zehn beeinflussbaren Risikofaktoren in Verbindung stehen.
Wie Frank Erbguth von der Hirnstiftung mitteilte, wird die Initiative vollständig aus Eigenmitteln und ohne Beteiligung der Pharmaindustrie finanziert. DGN-Präsidentin Daniela Berg von der Universität Kiel stellte klar, dass die entsprechenden statistischen Werte für die Gesamtbevölkerung gelten und sich nicht linear auf individuelle Einzelfälle übertragen lassen.
Beeinflussbare Risikofaktoren im Fokus
Grundlage für die Einschätzung der Fachgesellschaften ist unter anderem die INTERSTROKE-Studie aus dem Fachjournal The Lancet von 2016 mit 13.447 Fällen und 13.472 Kontrollpersonen aus 32 Ländern. Demnach sind zehn modifizierbare Faktoren mit 90,7 Prozent der Schlaganfälle assoziiert. Da sich Risiken überschneiden, ergibt die Summe der Einzelanteile 201 Prozent:
- Hypertonie (47,9 Prozent)
- Bewegungsmangel (35,8 Prozent)
- Cholesterin (26,8 Prozent)
- Ernährung (23,2 Prozent)
- Bauchfett (18,6 Prozent)
- Stress (17,4 Prozent)
- Rauchen (12,4 Prozent)
- Herzkrankheiten (9,1 Prozent)
- Alkoholkonsum (5,8 Prozent)
- Diabetes (3,9 Prozent)
Laut neueren Auswertungen der DGN und der Deutschen Hirnstiftung gelten gut 80 Prozent der gesamten Schlaganfalllast als modifizierbar. Nach Angaben der DGN erleidet jeder zweite Mensch im Laufe des Lebens eine neurologische Erkrankung.
In Deutschland verursachen diese Krankheiten jährliche Kosten von 64,86 Milliarden Euro, was den höchsten Wert aller medizinischen Bereiche darstellt. Im Public Health Index vom Dezember 2025 belegte Deutschland unter 18 untersuchten Ländern Nord- und Mitteleuropas lediglich Rang 17.
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Bluthochdruck als zentraler Hebel
Die Deutsche Hochdruckliga beziffert die Zahl der Betroffenen mit Hypertonie in Deutschland auf 20 bis 30 Millionen Menschen, wovon die Mehrheit keine Kenntnis von der Erkrankung habe. Ein erhöhter Blutdruck steigere das Schlaganfallrisiko um das Fünffache.
Laut der GEDA-Studie des Robert Koch-Instituts weisen 30,9 Prozent der Frauen und 32,8 Prozent der Männer hierzulande Bluthochdruck auf. Markus van der Giet von der Deutschen Hochdruckliga und der Charité verwies darauf, dass Schäden oft erst nach über 20 Jahren sichtbar werden und rund 30 Prozent der Fälle unentdeckt bleiben.
Ein Positionspapier im Fachblatt Stroke betont, dass die Senkung des systolischen Blutdrucks um 10 mm Hg rund ein Viertel der Schlaganfälle verhindern könne – ein Nutzen, der sich auch jenseits des 80. Lebensjahres zeige.
Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ermittelte bei einem Risiko-Check von 2.342 Beschäftigten in Betrieben und Verwaltungen, dass fast die Hälfte erhöhte oder kritische Werte aufwies, jedoch nur knapp ein Fünftel Medikamente einnahm.
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Gesetzlich Versicherte können ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre eine entsprechende Untersuchung in der Hausarztpraxis wahrnehmen; Präventionsexperten raten zudem auch jüngeren Personen zu regelmäßigen Kontrollen.
Primär- und Sekundärprävention im Alltag
DGN-Präsident Götz Thomalla vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hob hervor, dass die Primärprävention im Wesentlichen auf mediterraner Ernährung, mindestens 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche, vollständigem Tabakverzicht sowie einer konsequenten medikamentösen Therapie beruhe. Die Nachsorge nach einem Erstereignis sei in der Praxis bislang oft zu wenig kontinuierlich.
Nach Auswertungen der DGN erleiden auf Basis deutscher Krankenkassendaten 7,4 Prozent der Betroffenen binnen eines Jahres und 19,4 Prozent binnen fünf Jahren einen erneuten Schlaganfall. Bei gleichzeitig vorliegendem Vorhofflimmern senke eine orale Antikoagulation die jährliche Schlaganfallrate von 12 auf 4 Prozent, was einer relativen Risikoreduktion von 66 Prozent entspricht.
Parallel steigt der Einsatz lipidsenkender Medikamente: Dem Arzneiverordnungsreport 2025 zufolge nehmen in Deutschland mindestens 10,5 Millionen Menschen Statine ein. Die Zahl der abgegebenen Packungen stieg seit 2022 um etwa 15,5 Prozent auf 34,1 Millionen Einheiten.
