Schlaganfall, KI-Hochrisikogruppe

Schlaganfall: KI-Hochrisikogruppe zeigt 21 Prozent höheres Erstereignis-Risiko

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vermeidbare Risikofaktoren, ein digitales Herzprogramm und genetische KI-Analysen prägen neue Ansätze zur Schlaganfallprävention.
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Parkweg zwischen herbstlichen Bäumen als Symbol für einen gesunden Lebensstil. Illustration mit AI erstellt.

Forschungsergebnisse verdeutlichen einen überraschend klaren Zusammenhang zwischen der individuellen Gedächtnisleistung und dem Schlaganfallrisiko. Neben kognitiven Fähigkeiten beeinflusst auch die Schlafqualität das persönliche Gefährdungspotenzial, wobei sich frühe Warnsignale in einer Altersgruppe besonders deutlich abzeichnen.

Ein Schlaganfall zählt weltweit zu den gravierendsten gesundheitlichen Gefahren und stellt global die zweithäufigste Todesursache dar. Allein in Deutschland sind jährlich rund 270.000 Menschen von einem solchen Ereignis betroffen.

Verborgene Schäden und vermeidbare Risikofaktoren

Mediziner weisen darauf hin, dass eine Erkrankung nicht immer mit akuten Ausfallerscheinungen beginnt. Ein sogenannter stiller oder asymptomatischer Schlaganfall entsteht in leitenden Hirnzonen und kann ohne offensichtliche Symptome ablaufen.

Über die Zeit können sich jedoch einzelne Gewebeschäden ansammeln und ausgedehnte Schadensbereiche bilden, die gravierende neurologische Folgen nach sich ziehen. Zu den Risikofaktoren für diese unbemerkten Läsionen zählen laut einer Neurologin insbesondere Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen, Atherosklerose sowie Diabetes mellitus.

Ein großer Teil der Gefahren gilt als abwendbar. Nach Angaben von Dr. Rainer Meilicke, dem Leiter des Kreisgesundheitsamts Rhein-Sieg-Kreis, senkt eine gesunde Lebensweise die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erheblich; rund 70 Prozent der Risikofaktoren seien vermeidbar.

Zu den klassischen, beeinflussbaren Faktoren gehören demnach Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Übergewicht, Tabakkonsum, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Vorhofflimmern, Stress und Alkoholkonsum. Alter, Geschlecht und Vererbung lassen sich hingegen nicht steuern.

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Der Neurologe Dr. Vancho Georgiev beziffert den Anteil vermeidbarer Schlaganfälle sogar auf rund 80 Prozent und hebt neben mangelnder Bewegung, Rauchen und Stoffwechselproblemen insbesondere Vorhofflimmern als Treiber hervor.

Wie verbreitet fundamentale Risiken sind, belegt die Studie GEDA des Robert Koch-Instituts: Demnach leiden 30,9 % der Frauen und 32,8 % der Männer in Deutschland unter Bluthochdruck.

Laut der Deutschen Hochdruckliga bleibt der Überdruck in rund 30 % der Fälle unentdeckt. Schäden durch einen unbehandelten Bluthochdruck können mehr als 20 Jahre unbemerkt bleiben, warnt Prof. Dr. Markus van der Giet, Vorsitzender der Organisation.

Gemäß den Nationalen VersorgungsLeitlinien reichen die Langzeitfolgen von Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu Herzinsuffizienz und einem erhöhten Risiko für Demenz. Bei Schwangeren erhöht Bluthochdruck überdies die Gefahr von Herzversagen, Schlaganfall und Niereninsuffizienz.

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Unterschiede im Krankheitsverlauf und Notfallmaßnahmen

Das Gefährdungsmuster unterscheidet sich demografisch: Männer im mittleren Alter tragen ein höheres relatives Risiko, während Frauen tendenziell zu einem späteren Zeitpunkt im Leben erkranken, dann jedoch häufig schwerere Folgen erleiden. Grundsätzlich können Schlaganfälle auch jüngere Menschen treffen. Die konkreten Einschränkungen richten sich nach dem betroffenen Hirnareal, dem Grad der Schädigung und der Zeitspanne bis zur Erstversorgung.

Bei ersten Anzeichen gilt unverzügliches Handeln über den Notruf 112 als entscheidend. Zur schnellen Einschätzung dient der standardisierte FAST-Test, der Auffälligkeiten bei Mimik, Armbeweglichkeit und Sprachvermögen abfragt. Neurologe Georgiev betont, dass Betroffene keinesfalls auf eine spontane Besserung hoffen oder Hausmittel anwenden dürfen.

Zudem sollten Helfer vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes weder Speisen noch Getränke oder eigenmächtig gewählte Medikamente verabreichen, da Schluckstörungen vorliegen können und falsche Präparate je nach Schlaganfalltyp schwere Komplikationen drohen lassen.

Digitale Früherkennung und genetische KI-Analysen

In der Prävention gewinnen neue Technologien an Bedeutung. In Tirol etwa treten jährlich rund 1.700 Schlaganfälle auf, wobei in jedem dritten Fall Vorhofflimmern die Ursache darstellt. Um Herzrhythmusstörungen frühzeitig aufzuspüren, startete unter Federführung der Universitätsklinik für Kardiologie Innsbruck das österreichweite „Austrian Digital Heart Program“.

Die von der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft mit acht Millionen Euro finanzierte Studie, geleitet von Sebastian Reinstadler und Klinikdirektor Axel Bauer, umfasst 100.000 geplante Teilnehmende ab 65 Jahren über eine Laufzeit von vier Jahren.

Die Probanden erfassen ihren Puls zweimal wöchentlich über eine Smartphone-Kamera; treten Unregelmäßigkeiten auf, zeichnet ein siebentägiges EKG-Pflaster den Herzrhythmus auf.

Parallel dazu treibt die Forschung die genetische Risikobewertung voran. Frühere Untersuchungen zeigen, dass genetische Faktoren rund 38 % des individuellen Schlaganfallrisikos ausmachen.

Ein Team der University of Technology Sydney entwickelte ein KI-Modell auf Transformer-Basis, das DNA-Daten auf Risikomarker für ischämische Schlaganfälle prüft. Das System identifizierte 18 genetische Varianten sowie die Schlüsselgene EDEM2 im Kortex und KANK2 im Blut.

Bei der Erprobung an zwei Datensätzen mit zusammen mehr als 40.000 Personen wies die KI-definierte Hochrisikogruppe im Beobachtungsverlauf ein um 21 % erhöhtes Risiko für einen erstmaligen ischämischen Schlaganfall gegenüber der Niedrigrisikogruppe auf. Aufbauend auf diesen Resultaten soll künftig ein multimodales Analysewerkzeug entstehen, das Genetik mit Lebensstil- und Bildgebungsdaten verknüpft.

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