Schlaganfälle, Rate

Schlaganfälle unter 55: Rate steigt in Cincinnati um 83 Prozent

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine US-Auswertung dokumentiert mehr ischämische Schlaganfälle bei 20- bis 54-Jährigen; die Ursache des Anstiegs bleibt ungeklärt.
Ein minimalistisch eingerichteter, steriler medizinischer Untersuchungsraum mit sanftem Licht und einem leeren Metallwagen. Illustration mit AI erstellt.

Lange Zeit galt der Schlaganfall vor allem als eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte Untersuchung der University of Cincinnati und der American Academy of Neurology vom 23. September 2026 zeigt für die jüngere Bevölkerungsgruppe jedoch eine gegenläufige Entwicklung.

Im Großraum Cincinnati und Nord-Kentucky kletterte die Schlaganfallrate bei Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 54 Jahren von 33,9 Fällen pro 100.000 Personenjahre im Zeitraum 1993 bis 1994 auf 62,2 Fälle im Jahr 2020. Dies entspricht einer Zunahme um 83 Prozent.

Signifikanter Anstieg ischämischer Infarkte bei Unter-55-Jährigen

Die von Forschern der University of Cincinnati vorgelegte Auswertung stützt sich auf 2.076 Erwachsene, die zwischen 1993 und 2020 einen ersten Schlaganfall erlitten hatten.

Der Anstieg betraf vor allem ischämische Schlaganfälle, deren Inzidenz sich bei den 20- bis 54-Jährigen von 23,8 auf 47,3 Fälle pro 100.000 Personenjahre nahezu verdoppelte. Bei intrazerebralen oder subarachnoidalen Blutungen konnte dagegen keine vergleichbare Zunahme festgestellt werden.

Gleichzeitig verzeichnete die Altersgruppe ab 55 Jahren einen deutlichen Rückgang: Hier sank die Rate von 619 auf 453 Fälle pro 100.000 Personenjahre. Studienleiterin Emily R. Fisher von der University of Cincinnati erklärte, dass Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen zunehmend häufiger auftreten.

Da die 30-Tage-Sterblichkeit bei den jüngeren Betroffenen von 11,7 Prozent (1993–1994) auf 9,4 Prozent (2020) zurückgegangen sei, gebe es heute mehr Überlebende, die mit Langzeitfolgen leben müssten. Die genaue Ursache für den Gesamtanstieg ist laut der Studie der American Academy of Neurology und der University of Cincinnati bislang nicht gesichert.

Anzeige

Da Bluthochdruck oft unbemerkt bleibt und das Risiko für schwerwiegende Folgen wie einen Schlaganfall massiv erhöht, ist eine frühzeitige Prävention entscheidend. Ein renommierter Medizinprofessor erklärt in diesem Ratgeber, wie Sie Ihre Werte auf natürliche Weise regulieren können. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung kostenlos herunterladen

Risikofaktoren und verändertes Konsumverhalten im Fokus

Die Auswertung der Patientendaten verdeutlicht zugleich erhebliche Verschiebungen bei den Begleitumständen. Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Vorhofflimmern nahmen unter den jüngeren Schlaganfallpatienten zu. Parallel dazu stieg der dokumentierte Substanzkonsum in dieser Gruppe von 4,6 Prozent im Zeitraum 1993 bis 1994 auf 40,2 Prozent im Jahr 2020 an, wobei es sich überwiegend um Marihuana handelte.

Bo Norrving von der Universität Lund hob hervor, dass der Anstieg statistisch signifikant sei, und verwies auf 26 Prozent Typ-2-Diabetes sowie 40 Prozent Marihuana-Konsum unter den Betroffenen. Berichte von ScienceDaily thematisieren zudem Risikofaktoren wie unerkannten Bluthochdruck, juvenilen Diabetes, Bewegungsmangel, ultraverarbeitete Lebensmittel und chronischen Stress.

Internationale Einordnung und medizinische Herausforderungen

Die Frage, inwiefern sich diese US-Ergebnisse weltweit widerspiegeln, wird in der Fachwelt differenziert betrachtet. Eine schwedische Studie an Wehrpflichtigen unter Leitung von Annika Rosengren von der Sahlgrenska-Akademie verglich die 1970er mit den 1990er Jahren und stellte einen Zuwachs von 43 Prozent bei Hirninfarkten sowie 30 Prozent bei Hirnblutungen fest, wobei Adipositas als starker Risikofaktor gilt. Der spezifische Anstieg aus den US-Daten sei für Schweden jedoch noch nicht bestätigt.

Anzeige

Wer sich mit den Gefahren von Bluthochdruck und Diabetes befasst, sollte auch die Rolle stiller Entzündungen im Körper nicht unterschätzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, welche 12 Lebensmittel aus dem Supermarkt wie natürliche Entzündungs-Killer wirken können. Gratis-Ratgeber: Entzündungshemmende Ernährung sichern

Auch die brasilianische Fachberichterstattung hält fest, dass die Daten aus den USA nicht direkt auf Brasilien übertragen werden können. Dort wird darauf hingewiesen, dass bei jungen Erwachsenen auch Herzerkrankungen, Halsgefäßprobleme und Gerinnungsstörungen als Ursachen in Betracht kommen.

Zudem nennen Fachärzte neben Bluthochdruck, Diabetes und Vorhofflimmern auch Drogen wie Kokain und Amphetamine als Risikofaktoren, betonen aber, dass die US-Ergebnisse nicht direkt global oder auf Regionen wie Taiwan übertragbar seien.

Mediziner mahnen ungeachtet geografischer Unterschiede zur Wachsamkeit bei typischen Warnzeichen wie einseitiger Schwäche, einem hängenden Mund sowie Sprach- und Sehstörungen. Da das therapeutische Fenster für akute Interventionen bei 4,5 Stunden liegt, sei eine unverzügliche Alarmierung des Notrufs überlebenswichtig.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70331856 |