Schlafträgheit im Alter: Kognitive Nachteile zeigen sich noch elf Stunden später
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Phase des Übergangs vom Schlaf in den Wachzustand verläuft nicht bei jedem Menschen reibungslos. Wenn Benommenheit und reduzierte Reaktionsfähigkeit nach dem Erwachen anhalten, sprechen Fachleute von Schlafträgheit.
Eine im Juli 2026 vorgestellte Querschnittsstudie untersuchte nun genauer, wie ausgeprägte Schlafträgheit mit kognitiven Fähigkeiten bei älteren Erwachsenen zusammenhängt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Auswirkungen dieser morgendlichen Trägheit deutlich länger spürbar sein könnten als gemeinhin angenommen.
An der Untersuchung nahmen 461 Seniorinnen und Senioren mit einem Durchschnittsalter von rund 74 Jahren teil. Die Forschenden analysierten die Leistungsfähigkeit der Probanden in insgesamt sechs verschiedenen kognitiven Tests. Bemerkenswert war dabei der zeitliche Abstand: Die Messungen fanden erst etwa elf Stunden nach dem morgendlichen Aufwachen statt.
Beeinträchtigungen bei Exekutivfunktionen und Reaktionsvermögen
Bei der Auswertung zeigte sich, dass eine stärkere Schlafträgheit mit schlechteren Resultaten in zwei der sechs überprüften Testbereiche einherging. Konkret betrafen diese Defizite die Hand-Augen-Geschwindigkeit, den schnellen Wechsel der Aufmerksamkeit sowie übergeordnete Exekutivfunktionen, die für Planung und Handlungssteuerung zentral sind. In den übrigen vier Testbereichen zeichnete sich hingegen kein entsprechender Zusammenhang ab.
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Bemerkenswert ist zudem die Stabilität dieses Befundes bei der statistischen Bereinigung. Der Zusammenhang zwischen der morgendlichen Trägheit und den schlechteren kognitiven Werten blieb auch dann bestehen, nachdem die Studienautoren wichtige Einflussgrößen herausgerechnet hatten.
Berücksichtigt wurden dabei unter anderem das Alter und der Bildungsgrad der Teilnehmenden, das Vorliegen von Depressionen, die generelle Schlafdauer sowie Schlafapnoe und der individuelle Chronotyp. Dass der Effekt trotz dieser umfassenden Adjustierung sichtbar blieb, unterstreicht die Relevanz des Phänomens für den kognitiven Alltag im höheren Lebensalter.
Methodische Grenzen der bisherigen Datenlage
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Trotz der deutlichen Signale verweisen die Forschenden auf wesentliche Einschränkungen der Erhebung. Da es sich um ein Querschnittsdesign handelt, liefert die Analyse lediglich eine Momentaufnahme und bildet Korrelationen ab. Eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung lässt sich daraus nicht ableiten; es bleibt somit offen, ob die Schlafträgheit kognitive Einbußen verursacht oder ob beide Erscheinungen gemeinsame neurologische Ursachen teilen.
Zudem basieren wesentliche Daten der Untersuchung auf Selbstauskünften der Studienteilnehmer, was Verzerrungen durch subjektive Wahrnehmungen begünstigen kann. Auch die Übertragbarkeit auf die Allgemeinbevölkerung ist eingeschränkt: Die untersuchte Gruppe setzte sich überwiegend aus weißen US-Seniorinnen und -Senioren zusammen.
Um die Mechanismen hinter der Schlafträgheit und deren langfristige Relevanz für den kognitiven Abbau im Alter besser zu verstehen, sind nach Ansicht von Fachleuten weitere Untersuchungen mit diverseren Kohorten und longitudinalen Ansätzen erforderlich.
