Schlafprobleme bei Frauen: 62 Prozent betroffen, bei Männern sind es 52 Prozent
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen chronischer Beschwerden – und sie betreffen offenbar einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Aktuelle Ratgeber und Marktanalysen beleuchten, welche Rolle orthopädische Hilfsmittel, Raumklima und neue therapeutische Ansätze für die Schlafgesundheit spielen.
Verbreitung von Schlafproblemen
Eine forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Bayern zeigt, dass 71 Prozent der Befragten in Bayern weniger als sieben Stunden pro Nacht schlafen, nur 29 Prozent kommen auf sieben bis neun Stunden. 32 Prozent schlafen unter sechs Stunden, 5 Prozent sogar unter fünf Stunden. 57 Prozent gaben an, in den vergangenen drei Monaten wiederkehrende oder anhaltende Schlafprobleme gehabt zu haben – bei Frauen mit 62 Prozent deutlich häufiger als bei Männern mit 52 Prozent. 15 Prozent berichteten von nahezu nächtlichen Beschwerden, 31 Prozent von ein- bis mehrmaligen Problemen pro Woche.
Am häufigsten genannt wurden Durchschlafprobleme mit 81 Prozent, gefolgt von Einschlafschwierigkeiten mit 49 Prozent und frühem Erwachen mit 43 Prozent. Bei 18- bis 39-Jährigen dominieren mit 64 Prozent Einschlafprobleme, ab 40 Jahren liegen Durchschlafprobleme bei über 80 Prozent.
Als Folgen nannten die Befragten Müdigkeit und Erschöpfung (66 Prozent), geringere Belastbarkeit (45 Prozent) sowie geringere Leistungsfähigkeit (42 Prozent).
Als Ursachen wurden Stress (65 Prozent), Raumtemperatur (43 Prozent) und körperliche Beschwerden (38 Prozent) angegeben. 25 Prozent nahmen ärztliche oder psychologische Beratung in Anspruch, 6 Prozent griffen zu verschreibungspflichtigen Schlafmedikamenten.
Weitere Erkenntnisse aus Pubmed-Daten deuten darauf hin, dass etwa 1,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung Symptome einer idiopathischen Hypersomnie aufweisen – mit einer Schlafdauer von über zehn Stunden bei gleichzeitiger Tagesschläfrigkeit.
Laut PMC-Daten leiden rund 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung an mittel- bis schwergradiger obstruktiver Schlafapnoe, die den Nachtschlaf fragmentiert. Die Epworth Sleepiness Scale dient zur Einordnung der Tagesschläfrigkeit: Werte ab 10 Punkten gelten als Hinweis auf eine behandlungswürdige Störung, wobei 73 bis 90 Prozent der Menschen mit Schlafapnoe über exzessive Tagesmüdigkeit klagen.
Orthopädische Nackenkissen als Hilfsmittel
Ergonomische Nackenkissen sollen Kopf und Nacken stützen und ein Zurückfallen des Kopfes verhindern, was die Atemwege offen halten und Schnarchen reduzieren soll.
Am Markt finden sich Modelle wie das Tempur Original Nackenkissen (100 bis 130 Euro), das Medi-Comfort Orthopädische Nackenstützkissen (50 bis 70 Euro), das Tempur Cloud (120 bis 150 Euro) oder das Sissel Classic (35 bis 50 Euro). Üblich sind viscoelastischer Memory-Schaum oder Kaltschaum als Material; die Wirksamkeit hängt stark von Auswahl, Passform und Schlafposition ab.
Die Haltbarkeit unterscheidet sich je nach Material deutlich: Memory-Schaum hält demnach etwa drei bis fünf Jahre, Latex fünf Jahre und länger, Federkern zwei bis vier Jahre, während Kunstfasern wie Polyester nur ein bis drei Jahre halten und entsprechend regelmäßig ausgetauscht werden sollten.
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Auch natürliche Füllungen wie Zirbenspäne, Zirbenflocken oder Schafwollkügelchen werden als Alternativen angeboten; ihre Höhe lässt sich durch Entnehmen oder Nachfüllen von etwa 200 bis 500 Gramm Material anpassen.
Bei Kopfschmerzen, Atemreiz oder allergischen Beschwerden raten Ratgeber jedoch, solche Kissen nicht weiter zu nutzen – sie ersetzten keine medizinische Behandlung bei anhaltenden Nacken- oder Schlafproblemen.
Bedeutung des Raumklimas
Eine Erhebung des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 41 Prozent der Haushalte in Deutschland über zu hohe Feuchtigkeit im Schlafzimmer klagen.
Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt auf Basis von 15 klinischen Studien eine Schlaftemperatur von 16 bis 18 Grad Celsius; bei Einhaltung dieser Werte verlängere sich die Tiefschlafdauer um bis zu 23 Prozent.
Eine Untersuchung der Universität Bologna aus dem Jahr 2022 mit 1.200 Teilnehmern ergab bei 17 Grad im Schnitt 118 Minuten Tiefschlaf, bei 22 Grad dagegen nur 92 Minuten.
Als ideale Luftfeuchtigkeit gelten laut DIN 1946-2 Werte zwischen 40 und 60 Prozent. Eine Studie der TU Dresden aus dem Jahr 2022 fand, dass unterhalb von 35 Prozent die Infektanfälligkeit der Atemwege um 37 Prozent steigt.
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Oberhalb von 65 Prozent beschleunigt sich laut Fraunhofer-Institut für Bauphysik das Schimmelwachstum um bis zu 400 Prozent. Prof. Hartwig Künzel vom Fraunhofer-Institut empfiehlt, bei niedrigen Temperaturen die relative Feuchte nicht über 55 Prozent steigen zu lassen.
Eine Befragung des Deutschen Energieberater-Netzwerks ergab, dass 78 Prozent der Befragten zum Lüften lediglich das Fenster kippen statt richtig stoßzulüften – empfohlen werden stattdessen fünf bis zehn Minuten Stoßlüften, zwei- bis dreimal täglich.
Zur Kontrolle der Luftfeuchtigkeit raten Fachleute zu Hygrometern mit einer Genauigkeit von ±2 Prozent gemäß DIN, da günstige Modelle unter 15 Euro oft um ±5 Prozent abweichen.
Luftentfeuchter wie der Comfee MDF-16DEN3 schaffen bis zu 16 Liter pro Tag und kosten zwischen 120 und 350 Euro. Laut einer Berechnung der TU Berlin hebt ein Liter verdunstendes Wasser die relative Luftfeuchtigkeit um 5 Prozentpunkte.
Neben der Luftfeuchtigkeit rücken auch sogenannte Bettklima-Geräte in den Fokus, die Hitze, Kälte und Feuchtigkeit direkt im Bett statt im gesamten Schlafzimmer regulieren. Unterschieden werden luftbasierte Systeme mit Gebläse, wassergeführte Systeme mit temperiertem Wasser für präzisere Temperatursteuerung, sowie Trocknungs- und Belüftungssysteme zur Feuchtigkeitsableitung.
Bei der Auswahl spielen Kühl- und Wärmeleistung, Lautstärke, Handhabung sowie die Passung zu Matratze, Topper und Bettwäsche eine Rolle – dichte Matratzen und wenig atmungsaktive Textilien können die Wirkung mindern.
Bettdecken im Test
In Ausgabe 10/2026 hat Stiftung Warentest 16 Ganzjahresdecken mit Synthetikfüllung geprüft, darunter drei Modelle, die auch ohne Bettbezug genutzt werden können. 11 der 16 Decken erhielten das Qualitätsurteil „Gut“, vier wurden mit „befriedigend“ und eine mit „ausreichend“ bewertet.
Testsieger war die Bett1.de Bodyguard mit der Note 2,1, die allerdings als eher kalt eingestuft wurde. Die Knerst Mikrofaser erreichte die Note 2,5 bei einem Preis von 24 Euro. Eine weitere Decke für 179 Euro kam insgesamt ebenfalls auf „Gut“, bei den Schlafeigenschaften jedoch nur auf „Befriedigend“.
Schlusslicht war die Jysk Tronfjellet mit der Note 3,9 („ausreichend“), die nach mehreren Wasch- und Trocknungsgängen an Volumen verlor und bei der die Füllung verrutschte.
Die Beco Active Duo Mono erhielt die Note 3,0. Auffällig: Alle getesteten Decken wurden von den Herstellern als „mittelwarm“ bezeichnet, Stiftung Warentest stufte sie jedoch teils als „eher kalt“ oder „eher warm“ ein – der Begriff „mittelwarm“ sei in der Branche nicht einheitlich definiert.
Wärmehilfen und tragbare Sensorik
Für Senioren wird die Wärmflasche an den Füßen als traditionelle Einschlafhilfe empfohlen, mit einer Wassertemperatur von etwa 40 bis 45 Grad. Sie sollte in Bezug oder Handtuch gewickelt und etwa 10 bis 15 Minuten vor dem Zubettgehen direkt an den Füßen oder unten im Bett platziert werden; alternativ bieten sich dicke Wollsocken an.
Bei Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden, etwa infolge von Diabetes, ist wegen der Verbrennungsgefahr Vorsicht geboten – vor Anwendung sollte der Hausarzt konsultiert werden.
Auch tragbare Technik entwickelt sich weiter: Der Anbieter RingConn hat eine neue VO?max-Einschätzung eingeführt, die auf drei Wegen erfolgt – manueller Eingabe, Fragebogen und Trainingsdaten, wobei Trainingseinheiten mindestens zehn Minuten dauern und rund 1,6 Kilometer zurücklegen müssen.
Ergänzend gibt es eine neue Ansicht zur Schlafregelmäßigkeit und zum sozialen Jetlag, die Verschiebungen von unter einer Stunde als relativ gleichmäßig bis über drei Stunden als starke Verschiebung einordnet.
Hinweise zu Flüssigkeitshaushalt und Kopfschmerzen beruhen laut RingConn auf algorithmischer Auswertung; der Ring misst den Flüssigkeitshaushalt nicht direkt und ersetzt keine medizinische Diagnose.
Eine internationale Leitlinie aus dem Jahr 2023 weist zudem darauf hin, dass obstruktive Schlafapnoe bei Patientinnen mit PCOS deutlich häufiger auftritt als ohne diese Diagnose – und dass sich die erhöhte Häufigkeit nicht allein durch den Body-Mass-Index erklären lässt. Empfohlen wird erhöhte Aufmerksamkeit bei einer Kombination aus Schnarchen, unerholtem Aufwachen, Tagesschläfrigkeit und Müdigkeit.
Zusammenhang mit schwerwiegenden Folgen
Eine weitere Untersuchung, über die berichtet wurde, zeigt lediglich ein gemeinsames Auftreten von Schlafproblemen mit Erkrankungen wie Demenz, Schlaganfall und Depression sowie mit Suizid, Sterblichkeit, Klinikaufenthalten und Arbeitsunfällen – jedoch keine Kausalität. Schlafprobleme gelten dabei oft als frühes Begleitsymptom.
Markttrends bei Bettkissen
Auch der globale Markt für Bettkissen reagiert auf das wachsende Gesundheitsbewusstsein rund um den Schlaf. Laut einem Bericht von IndexBox soll das Wertwachstum des Marktes bis 2035 das Mengenwachstum übersteigen, getrieben durch Premiumisierung und eine stärkere Positionierung der Produkte als Schlafgesundheits-Instrumente.
Den größten Anteil hält mit 65 Prozent der Bereich Wohnen und Privathaushalte, in dem Ersatzkäufe alle 18 bis 24 Monate üblich sind, gefolgt vom Gastgewerbe mit 15 Prozent, dem Gesundheitswesen mit 8 Prozent und dem Einzelhandel mit 7 Prozent.
Während reife Märkte in Nordamerika und Westeuropa vor allem durch Ersatzkäufe getragen werden, verzeichnet die Region Asien-Pazifik laut IndexBox sowohl Mengen- als auch Wertwachstum, begünstigt durch steigende Einkommen, Urbanisierung und wachsenden E-Commerce.
Als Hemmnisse nennt der Bericht hohe Eigenmarkenanteile im mittleren Preissegment, schwankende Kosten für Vorleistungen wie Memory-Schaum-Chemikalien, Latex, Daunen, Federn und Spezialfasern sowie anhaltende Preisempfindlichkeit in Schwellenländern.
Zu den im Bericht genannten Anbietern zählen unter anderem Tempur Sealy, Sleep Number, Casper Sleep, Brooklinen, Purple Innovation, Hollander Sleep Products, Standard Fiber und Downlite.
