Schilddrüsen-OP mit Einport-Robotik: 500 Eingriffe mit niedrigen Komplikationsraten
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die robotergestützte Chirurgie gewinnt in der onkologischen Behandlung zunehmend an Bedeutung, insbesondere durch die Weiterentwicklung minimalinvasiver Verfahren. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung des Schilddrüsenkrebszentrums am Ain Hospital liefert nun detaillierte Erkenntnisse zur Anwendung der Einport-Technologie.
Die in der Fachzeitschrift „Updates in Surgery“ veröffentlichte Studie analysiert 500 Operationen über den Brustwarzenhof (SPRA), die mit dem da-Vinci-SP-System durchgeführt wurden.
Ergebnisse der Langzeituntersuchung am Ain Hospital
Die Datenerhebung am Ain Hospital erstreckte sich über den Zeitraum von Dezember 2022 bis Januar 2026. In dieser Zeit führte ein einzelner Operateur eine Vielzahl komplexer Eingriffe am Hals durch.
Die Fallzahlen gliedern sich in 384 teilweise und 79 vollständige Schilddrüsenentfernungen. Ergänzt wurde das Spektrum durch 15 Lymphknotenentfernungen, 11 Reoperationen sowie 10 Eingriffe an den Nebenschilddrüsen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Analyse lag auf der kurzfristigen Sicherheit und der klinischen Validität der Methode. Bei den Lymphknotenentfernungen wurden im Durchschnitt 31 Lymphknoten entnommen, wovon durchschnittlich 8,7 einen Befund aufwiesen.
Die Komplikationsraten blieben dabei auf einem niedrigen Niveau:
- Vorübergehende Einschränkungen der Stimmbandbewegung traten in 0,6 % der Fälle auf.
- Dauerhafte Stimmbandlähmungen wurden bei 0,2 % der Patienten verzeichnet.
- Eine frühe Nebenschilddrüsenunterfunktion, die über einen Zeitraum von zwei Wochen hinaus anhielt, wurde bei 6,6 % der Operierten beobachtet.
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die Einport-Robotik eine breite Anwendungsbasis bei verschiedenen Schilddrüsen- und Halseingriffen bietet, sofern die chirurgische Expertise vorhanden ist.
Expansion der robotischen Onkologie in Europa
Parallel zu den Erkenntnissen aus der Schilddrüsenchirurgie zeigt sich ein globaler Trend zur Implementierung spezialisierter Robotik-Systeme in anderen onkologischen Fachbereichen. Das Elytis Hospital in Ia?i hat bereits erste radikale Prostatektomien mit dem da Vinci Xi-System vorgenommen, wobei die präzise 3D-HD-Sicht und die minimalinvasiven Zugänge im Vordergrund stehen.
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Auch am Hospital Molina Orosa auf Lanzarote wurde das Programm für robotische Chirurgie gestartet. Nach einer Investition von 1,7 Millionen Euro in die Technologie wurden dort im ersten Jahr 165 Eingriffe durchgeführt. Seit der Akkreditierung der urologischen Abteilung im Mai 2026 liegt der Fokus dort ebenfalls auf radikalen Prostatektomien bei lokalisiertem Prostatakrebs.
Die statistische Relevanz zeigt sich in den Operationszahlen: Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete das Hospital Molina Orosa insgesamt 6.432 Klinikoperationen, was einer Steigerung von 10,8 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2023 entspricht. Besonders in der Urologie stieg die Zahl der Eingriffe im selben Vergleichszeitraum von 410 auf 515.
Spezialisierte Diagnostik und Früherkennung bei Lungenkrebs
Ein weiteres Wachstumsfeld ist die robotergestützte Bronchoskopie. In Deutschland sterben jährlich etwa 45.000 Menschen an Lungenkrebs, was die Bedeutung der Früherkennung unterstreicht. Das Helios HSK Wiesbaden integriert hierfür das robotergestützte Bronchoskopiesystem ION in ein Netzwerk für Lungenkrebs-Screenings. Ziel ist die Abklärung unklarer Befunde aus Niedrigdosis-CT-Untersuchungen.
Auch die LungenClinic Großhansdorf setzt auf das ION-System, um periphere Lungenrundherde präziser zu erreichen. Mithilfe von CT-Daten wird ein individueller Navigationspfad erstellt, über den ein flexibler Katheter Gewebeproben aus schwer zugänglichen Arealen entnehmen kann.
Die Klinik weist darauf hin, dass die Diagnostik zwar eine hohe Treffsicherheit bei geringem Komplikationsrisiko aufweise, die Refinanzierung der Technik jedoch derzeit noch nicht vollständig kostendeckend sei.
Infrastruktur und klinische Implementierung
Die Einführung solcher Hochtechnologiesysteme erfordert erhebliche Investitionen und Schulungsprogramme. Das Clemenshospital in Münster plant den schrittweisen Einsatz der Robotik in der onkologischen Viszeral- und Thoraxchirurgie sowie in der Gynäkologie. Die Planungen umfassen Eingriffe an Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm.
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Am Universitätsklinikum Münster wird die Technologie bereits seit längerer Zeit eingesetzt, unter anderem bei der Behandlung tief infiltrierender Endometriose. Fachleute betonen dabei, dass die robotergestützte Darstellung das Operationsfeld um das 3,5-fache vergrößert, was die Präzision bei interdisziplinären Eingriffen erhöht.
Während komplexe Kniegelenksoperationen, wie am SRH Wald-Klinikum Gera, bereits Genauigkeiten von unter einem Millimeter erreichen, bleibt der Fokus in der Onkologie primär auf der Gewebeschonung und der Reduktion postoperativer Komplikationen.
