Schilddrüse, Jodmangel

Schilddrüse: Fast jeder Dritte hat Jodmangel – Folgen für Herz

09.06.2026 - 08:03:01 | boerse-global.de

Jodmangel führt bei vielen Deutschen zu Schilddrüsenvergrößerungen. Experten raten zu Jodsalz und Seefisch, warnen aber vor unnötigen Screenings.

Schilddrüsenkrise in Deutschland: Jodmangel betrifft Millionen
Schilddrüse - Nahaufnahme des Halses mit angedeuteter Schilddrüse und einem stilisierten, unscharfen Herz im Hintergrund. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Doch die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen ist in der Bevölkerung dramatisch schlecht. Besonders der chronische Jodmangel bereitet Medizinern Sorgen.

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Fast jeder Dritte betroffen

In Deutschland leidet fast jeder Dritte an einer vergrößerten Schilddrüse – medizinisch Struma genannt. Bei über einem Drittel der Erwachsenen lassen sich Knoten im Gewebe nachweisen. Die Ursache: langanhaltender Jodmangel.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 150 Mikrogramm Jod pro Tag. Doch ein WHO-Bericht von 2024 zeigt: Nur 9 Prozent des in verarbeiteten Lebensmitteln verwendeten Salzes ist in Deutschland jodiert.

Die Folgen sind alarmierend. Laut Robert Koch-Institut haben 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Jodversorgung. Besonders krass ist die Lage bei jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren – fast jede Zweite gilt als gefährdet. Europaweit sprechen Experten von einem milden Jodmangel.

Wenn die Schilddrüse verrücktspielt

Eine Überfunktion zeigt sich durch Schwitzen, Nervosität, Zittern und Gewichtsverlust. Eine Unterfunktion dagegen durch Müdigkeit, Antriebslosigkeit und ständiges Frieren.

Besonders gefährlich wird es für Menschen über 65. Funktionsstörungen der Schilddrüse führen bei ihnen vermehrt zu Herzproblemen. Das Organ beeinflusst den Herzrhythmus direkt – Hormonschwankungen können bestehende Herzleiden verschlimmern oder neu auslösen.

Zur Vorbeugung raten Ärzte zu Jodsalz und regelmäßigem Seefisch. Bei Algenprodukten ist Vorsicht geboten: Sie enthalten oft extrem hohe Jodmengen.

Vorsorge: Weniger ist manchmal mehr?

Ein allgemeines Ultraschall-Screening für alle wird derzeit nicht empfohlen. Der Grund: mögliche Überdiagnosen. Eine südkoreanische Studie mit 70.000 Probanden aus dem Jahr 2017 zeigte: Flächendeckende Screenings fördern viele harmlose Befunde zutage, die dann zu unnötigen Operationen führen.

Eine Studie in JAMA Network Open untermauert das: Würde man auf zwei Drittel der üblichen Ultraschall-Untersuchungen verzichten, sänke die Zahl der Befunde um 40 Prozent. Die Sterblichkeitsrate würde sich kaum ändern – sie variierte um weniger als 0,1 Prozent.

Fachärzte vom Universitätsklinikum Essen betonen daher: Zielgerichtete Diagnostik ist besser als ungezieltes Screening.

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Kaffee und Hormone: Worauf Patienten achten müssen

Kaffee beeinflusst die Schilddrüsentherapie. Fünf-Jahres-Studien mit 30.000 Teilnehmern fanden zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen moderatem Kaffeekonsum und Schilddrüsenkrebs. Aber: Kaffee beeinträchtigt die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen im Darm. Patienten sollten daher zeitlichen Abstand zwischen Medikamenteneinnahme und Kaffeekonsum halten.

Neue Definition: Aus PCOS wird PMOS

Im Mai 2026 veröffentlichte The Lancet eine Neudefinition des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) – jetzt heißt es PMOS (polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom). Der Grund: Bis zu 85 Prozent der betroffenen Frauen haben eine Insulinresistenz und damit ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neue Therapieansätze mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten werden bereits evaluiert.

Für Mitte Juni 2026 sind in Nürnberg Fortbildungen zu modernen Operations- und Behandlungsverfahren angekündigt. Angesichts der hohen Verbreitung von Schilddrüsenerkrankungen in Deutschland ein wichtiger Schritt.

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