Schiffbau-Roboter: Südkorea testet Alice gegen Arbeitskräftemangel
08.06.2026 - 03:31:32 | boerse-global.de
Die südkoreanische Schiffbauindustrie treibt den Einsatz humanoider Roboter voran, um den wachsenden Arbeitskräftemangel zu bekämpfen und gefährliche Tätigkeiten sicherer zu machen.
Hanwha Ocean hat am heutigen Montag einen einjährigen Feldversuch auf seiner Werft in Geoje gestartet. Getestet wird dort spezielle humanoide Hardware, die für komplexe Fertigungsaufgaben entwickelt wurde. Der Pilot läuft in Zusammenarbeit mit dem Robotik-Entwickler AeiROBOT und dem Simulationsspezialisten NdotLight.
„Alice" lernt das Werftgelände
Anzeige: Während Südkorea humanoide Roboter auf Werften testet, bleibt der Fachkräftemangel auch in deutschen Fertigungsbetrieben akut. Erfahren Sie in unserem Report, wie Sie gefährliche Arbeitsplätze automatisieren und Ihre Produktion zukunftssicher machen. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Im Zentrum der Tests steht der humanoide Roboter „Alice", der bereits im Januar als Fallstudie für künstliche Intelligenz in der Schweißtechnik vorgestellt wurde. Die aktuellen Feldversuche konzentrieren sich auf die Navigation im unwegsamen Werftgelände, Hindernisvermeidung und den Transport schwerer Lasten.
Damit der Roboter in der unstrukturierten Umgebung einer Werft zuverlässig funktioniert, hat NdotLight einen digitalen Zwilling des Geländes entwickelt. Die Chefs der beiden Firmen, Park Jin-young (NdotLight) und Eom Yoon-seol (AeiROBOT), betonten, dass die Kombination aus Robotik und hochpräzisen Simulationsdaten entscheidend sei, um Maschinen für sich wiederholende und gefährliche Aufgaben zu trainieren.
Demografisches Problem trifft Schlüsselindustrie
Der Druck zur Automatisierung wächst, weil die südkoreanische Werftindustrie vor einem massiven personellen Umbruch steht. In wichtigen Standorten wie Ulsan liegt das Durchschnittsalter der Werftarbeiter bei 48,3 Jahren. Manche Unternehmen mussten bereits Aufträge ablehnen – schlichtweg, weil die Arbeitskräfte fehlen.
Südkorea hat zwar mit 1.012 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigten eine der höchsten Automatisierungsdichten weltweit. Doch der Schiffbau mit seinen hochspezialisierten Anforderungen blieb lange eine Domäne der Handarbeit. Das Handels-, Industrie- und Energieministerium (MOTIE) steuert jetzt gegen: Mit umgerechnet rund 525 Millionen Euro fördert es ein spezielles Programm für moderne Automatisierungslösungen.
Parallel dazu hat HD Hyundai im Frühjahr eine Entwicklungspartnerschaft mit Persona AI geschlossen. Ziel sind Schweißroboter, deren Prototyp für Ende 2026 erwartet wird. Die Feldtests sollen 2027 beginnen.
Samsung setzt auf „Smart Shipyard"
Auch Samsung Heavy Industries treibt seine „Smart Shipyard"-Strategie voran, die auf digitale, autonome und robotergestützte Fertigung setzt. Erst kürzlich stellte das Unternehmen die „Cedar FLNG" fertig – eine 50.000 Tonnen schwere schwimmende Flüssiggas-Anlage für Kanada. Das Projekt war Teil eines größeren Auftrags: Drei solcher Anlagen entstanden parallel für internationale Kunden, möglich gemacht durch zunehmend automatisierte Produktionssysteme.
Noch ambitionierter ist Hyundai Motor Group: Der Konzern plant den Einsatz von 25.000 „Atlas"-Humanoidrobotern in seinen Fertigungsstätten, darunter auch im neuen Werk im US-Bundesstaat Georgia. Bis 2028 soll die jährliche Produktionskapazität bei 30.000 Robotern liegen – gestützt auf Partnerschaften mit großen Technologiekonzernen für KI-Infrastruktur.
Globaler Wettlauf um die besten Maschinen
Der Trend zu Industrie-Humanoiden gewinnt weltweit an Fahrt. In China, wo Firmen wie Matrix Robotics und EngineAI aktiv sind, stellte das Land 2025 schätzungsweise 85 Prozent aller humanoiden Roboter weltweit her. In Indien brachte Vidya Robotics einen Humanoiden für kleine und mittlere Unternehmen auf den Markt – mit 20 Kilogramm Tragkraft und acht Stunden Akkulaufzeit.
Anzeige: Das Durchschnittsalter der Werftarbeiter in Südkorea liegt bei 48,3 Jahren – ein Problem, das auch deutsche Fertigungs-CTOs kennen. Unser Report zeigt, wie humanoide Roboter und digitale Zwillinge die Lücke schließen können. Report: Roboter gegen Fachkräftemangel
Spezialisierte Roboter für Notfälle entstehen ebenfalls. Auf der INTERSCHUTZ 2026 in Hannover präsentierte Astrall Dynamics am vergangenen Sonntag den Hypertron-T01, einen vierbeinigen Feuerwehrroboter mit Hochdruck-Wasserwerfer. Ähnliche Technologie entwickelt das US Naval Research Laboratory mit dem SAFFiR-Projekt, das hitzebeständige Materialien nutzt, damit Roboter direkt an Bord von Schiffen Brände bekämpfen können.
Nvidia-Chef sieht großes Potenzial
Welche Bedeutung die Branche hat, wurde Anfang Juni bei einem Besuch von Nvidia-CEO Jensen Huang in Seoul deutlich. In Gesprächen mit Führungskräften von SK Group, LG und Hyundai wurde Physical AI als einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die südkoreanische Industrie identifiziert. Partner wie Doosan Group arbeiten bereits an intelligenten Roboter-Betriebssystemen und Industrie-Humanoiden, die bis 2027 oder 2028 auf den Markt kommen sollen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
