Schichtwechsel, Aktionstag

Schichtwechsel: Aktionstag öffnet Menschen mit Behinderung Türen zum Arbeitsmarkt

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der bundesweite Arbeitsplatztausch fördert Begegnungen und eröffnet in einzelnen Fällen Praktika sowie Wege in den ersten Arbeitsmarkt.

Aktionstag Schichtwechsel bringt Menschen in neue Arbeitswelten
Ein heller, leerer und barrierefreier Arbeitsraum in einer Werkstatt mit großen Fenstern und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Bundesweit haben Menschen mit und ohne Behinderung im Rahmen des Aktionstags „Schichtwechsel" für einen Tag ihre Arbeitsplätze getauscht. Der Aktionstag besteht seit 2019 und wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) bundesweit koordiniert.

Entwickelt wurde das Format bereits 2017 von 16 Berliner Werkstätten gemeinsam mit der LAG WfbM Berlin. Laut WDR beteiligen sich mittlerweile jährlich mehrere hundert Werkstätten und mehrere Tausend Mitarbeitende – Ziel ist ein Perspektivwechsel, der Inklusion greifbar machen soll.

Premiere in Lippe

Erstmals fand der Aktionstag auch in Lippe statt. Sieben Beschäftigte der Lebenshilfe Detmold schnupperten dort in den ersten Arbeitsmarkt. Maler-Azubi Gabriel Töws arbeitete für einen Tag in der Werre-Werkstatt, während Adrian Dück, der sonst in einer Werkstatt beschäftigt ist, im Malerbetrieb seines Bruders mithalf.

Regionale Beispiele zeigen die Breite des Formats

In Thüringen beteiligten sich 2025 rund 370 Werkstätten und insgesamt 4.800 Menschen am Aktionstag, davon 2.700 Beschäftigte aus Werkstätten und 2.100 Tauschpartner aus Unternehmen. Ziel ist es dort, Begegnungen zu schaffen, neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und Vorurteile abzubauen.

Ein MDR-Beitrag betonte, dass der Aktionstag Brücken zwischen Unternehmen und Menschen mit Behinderungen schlagen soll, da viele Unternehmen bislang zurückhaltend bei Einstellungen seien.

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In Kiel lernten 30 Beschäftigte der Stiftung Drachensee das Hauptzollamt Kiel kennen, während sechs Zöllnerinnen und Zöllner im Gegenzug in Bereichen der Stiftung mitarbeiteten. Der Zoll ermöglichte dabei Einblicke in Zollhunde, Kontrolleinheiten und Einsatzfahrzeuge. Der Arbeitsplatzwechsel findet 2026 bundesweit an 19 Hauptzollämtern statt.

Das Sana-Herzzentrum Cottbus beteiligte sich zum zweiten Mal: Eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe-Werkstätten erhielt Einblicke in Klinikbereiche, nachdem sie am Vortag von einem Kliniktechniker bei dessen Arbeit begleitet worden war.

In Leutkirch tauschten zehn Menschen mit Beeinträchtigungen aus Werkstätten der Stiftung Liebenau Einblicke mit Beschäftigten des Center Parcs Allgäu. In Baden-Württemberg beteiligten sich insgesamt rund 90 Betriebe und etwa 30 Werkstätten.

Bemerkenswert: Ein Teilnehmer des Vorjahres absolviert dort inzwischen zwei- bis dreimal pro Woche ein Praktikum – ein Hinweis darauf, dass aus dem einmaligen Tausch mitunter dauerhafte Perspektiven erwachsen können.

Die KJF-Werkstätten Mitterteich beteiligten sich zum achten Mal am Aktionstag; acht Personen aus Unternehmen und Institutionen arbeiteten dort einen Tag mit Menschen mit Behinderung zusammen. Laut der Geschäftsführerin werden in den Werkstätten täglich rund 1.200 Mittagessen produziert und jährlich rund 600.000 Verbandtaschen für einen Automobilhersteller konfektioniert.

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In Lübeck beteiligten sich 35 Firmen am Aktionstag. Die Werkstätten der Marli GmbH verfolgen damit auch das Ziel, ihre Mitarbeitenden langfristig in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Ein Format mit Vermittlungsanspruch

Die Beispiele aus Lippe, Thüringen, Kiel, Cottbus, Leutkirch, Mitterteich und Lübeck zeigen ein gemeinsames Muster: Der „Schichtwechsel" dient nicht nur dem punktuellen Perspektivwechsel, sondern soll auch Türen zum ersten Arbeitsmarkt öffnen.

Ob aus einzelnen Tauscherlebnissen dauerhafte Arbeitsverhältnisse oder Praktika entstehen, hängt von den beteiligten Betrieben und Werkstätten vor Ort ab – wie das Beispiel aus Leutkirch zeigt, ist dies zumindest in Einzelfällen bereits gelungen.

Mehr zum Thema bei SWR: „Schichtwechsel: Jobtausch für Menschen mit und ohne Behinderung“

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