Schichtwechsel, Menschen

Schichtwechsel 2026: 5.000 Menschen tauschen Arbeitsplätze für mehr Inklusion

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rund 400 Werkstätten beteiligten sich am Austausch; zugleich zeigen geringe Übergänge und Arbeitsplatzbarrieren die anhaltenden Herausforderungen.

Aktionstag Schichtwechsel 2026: Rund 5.000 Menschen tauschen Arbeitsplätze
Heller, moderner Arbeitsbereich in einer Werkstatt mit organisierten Arbeitsplätzen und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Austausch zwischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Im September 2026 markierte der bundesweite Aktionstag „Schichtwechsel“ einen weiteren Meilenstein in diesem Bestreben. Ziel des Formats ist es, durch einen direkten Rollentausch Perspektivwechsel zu ermöglichen, Vorurteile abzubauen und die berufliche Teilhabe zu stärken.

Steigende Beteiligung und historische Entwicklung des Formats

An der Durchführung im September 2026 beteiligten sich bundesweit rund 400 Werkstätten. Insgesamt nahmen rund 5.000 Tauschpartner an dem Projekt teil.

Davon entfielen etwa 3.000 auf Beschäftigte aus Werkstätten und 2.000 auf Mitarbeitende aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts. Damit setzte sich ein Wachstumstrend fort: Im Jahr 2025 hatten rund 370 Werkstätten mit insgesamt 4.800 Personen teilgenommen, wobei sich die Gruppe aus 2.700 Werkstattbeschäftigten und 2.100 Partnern aus Unternehmen zusammensetzte.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BAG WfbM) koordiniert den Aktionstag seit 2019. Ursprünglich wurde das Konzept im Jahr 2017 von 16 Berliner Werkstätten sowie der dortigen Landesarbeitsgemeinschaft entwickelt. Seit mittlerweile acht Jahren dient der Tag dazu, Brücken zwischen geschützten Arbeitsbereichen und der freien Wirtschaft zu schlagen.

Eine Sprecherin der BAG WfbM verwies darauf, dass der Austausch insbesondere dazu diene, die Sichtbarkeit der Leistungen von Menschen mit Behinderung zu erhöhen. Die Bedeutung von Inklusion und dem Abbau von Barrieren hob in diesem Zusammenhang bereits im Jahr 2025 Bärbel Bas hervor.

Einblicke in Behörden, Handwerk und Industriebetriebe

Die praktischen Einsätze während des Aktionstags im September 2026 waren vielfältig und erstreckten sich über zahlreiche Branchen. Ein Schwerpunkt lag in der Zusammenarbeit mit dem Zoll. Bundesweit beteiligten sich 19 Hauptzollämter an dem Projekt.

Beim Hauptzollamt Kiel besuchten 30 Beschäftigte der Stiftung Drachensee die Behörde, während sechs Zöllner im Gegenzug in den Werkstätten mitarbeiteten. Das Amt setzte dabei bewusst auf Gruppenbesuche, um eine größere Anzahl an Menschen einzubeziehen. In Erfurt unterstützten fünf Zollbedienstete die Bereiche Wäscherei, Küche und Metallwerkstatt des Lebenshilfewerks Ilmenau/Rudolstadt.

Das Hauptzollamt Erfurt wies in diesem Kontext darauf hin, dass die eigene Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen bei rund 9 % liegt und damit über der gesetzlichen Vorgabe. Weitere Tauschaktivitäten wurden von den Hauptzollämtern in Münster, Pirmasens und Braunschweig gemeldet, wobei die Programme von der Gepäckkontrolle bis zur Finanzkontrolle Schwarzarbeit reichten.

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Auch im privaten Sektor und in der Kommunalverwaltung fanden zahlreiche Begegnungen statt:
* Niederrhein: Beschäftigte der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein tauschten Plätze mit Mitarbeitenden der Bäckerei Büsch.

Während eine Werkstattbeschäftigte in der Konditorei in Kamp-Lintfort tätig war, lernte ihr Tauschpartner in Moers Bereiche der Industriemontage kennen.
* Eisleben: In der Kreisverwaltung Mansfeld-Südharz arbeitete Landrat André Schröder einen Tag lang in der Werkstatt der Lebenshilfe Mansfelder Land und beteiligte sich dort an der Produktion von Lattenrosten.
* Baden-Württemberg: In Leutkirch tauschten zehn Beschäftigte der Stiftung Liebenau ihre Arbeitsplätze mit Mitarbeitenden des Center Parcs Allgäu. Ein Beispiel aus dem Vorjahr zeigt die potenzielle Langzeitwirkung: Ein Teilnehmer aus 2025 absolviert seither regelmäßig Praktika in dem Ferienpark.

Barrieren beim Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt

Trotz des Erfolgs von Aktionstagen wie dem „Schichtwechsel“ bleibt die strukturelle Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Jürgen Dusel konstatierte, dass die Übergangsquote von Werkstattbeschäftigten bislang sehr niedrig sei.

Berichte aus Rheinland-Pfalz verdeutlichen die spezifischen Hürden. In einer Befragung von Führungskräften gaben 57 Prozent an, dass die notwendige behindertengerechte Umgestaltung des Arbeitsplatzes das größte Hindernis für eine Einstellung darstelle.

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Zwar existieren Instrumente wie das „Budget für Arbeit“, das staatliche Lohnkostenzuschüsse für eine reguläre Beschäftigung vorsieht, jedoch wird dieses laut Expertenberichten noch zu selten in Anspruch genommen. Zudem herrscht in der Praxis oft Unsicherheit bezüglich der rechtlich vorgesehenen Rückkehrmöglichkeit in eine Werkstatt, falls eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt scheitert.

Individuelle Erfahrungen unterstreichen die Komplexität dieser Übergänge. Im Kreis Lippe kehrte ein Teilnehmer nach einem Schnuppertag in einem Malerbetrieb in die Werkstatt zurück, da die spezifischen Bedingungen auf Baustellen dauerhaft als zu wechselhaft und riskant empfunden wurden.

Dennoch fördern Initiativen wie die Kampagne der Zoar-Werkstätten und des Weinguts Wasem Wein in Ingelheim weiterhin den Abbau von Vorurteilen. Der nächste bundesweite Termin für den Aktionstag wurde bereits für den 23. September 2027 angekündigt.

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