Scheinfasten: 69% Besserung bei Morbus Crohn erreicht
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der aktuellen Ernährungsdebatte wird die Rolle von Makronährstoffen zunehmend differenziert bewertet. Während Trends oft eine einseitige Bevorzugung von Proteinen suggerieren, betonen Fachgesellschaften und aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen die fundamentale Bedeutung einer ausgewogenen Verteilung.
In einer aktuellen Stellungnahme hob Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), hervor, dass Kohlenhydrate weiterhin der wichtigste Energielieferant für den menschlichen Körper seien. Eiweiß sei demnach nicht als wertvoller einzustufen als Kohlenhydrate.
Richtwerte für die tägliche Energiezufuhr
Die Empfehlungen der DGE sehen vor, dass mindestens 50 Prozent der täglichen Energie in Form von Kohlenhydraten aufgenommen werden sollten. Für Frauen entspricht dies einer Menge von etwa 225 Gramm pro Tag, während für Männer ein Richtwert von 290 Gramm gilt.
Beim Protein wird eine Zufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen, was einer täglichen Menge von etwa 47 bis 57 Gramm entspricht. Der Fettanteil sollte maximal 30 Prozent der Gesamtenergie ausmachen, was 60 bis 80 Gramm täglich bedeutet.
Andere Expertenansätze, wie sie beispielsweise im August 2026 diskutiert wurden, variieren je nach Zielsetzung. Eine US-amerikanische Ernährungsberaterin empfahl eine Zufuhr von 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Für den praktischen Alltag ohne detailliertes Tracking schlug sie vor, etwa 30 Gramm Protein pro Hauptmahlzeit und 10 Gramm pro Snack zu integrieren, etwa durch die Anreicherung von Haferbrei oder Smoothies.
Protein-Hype und die Folgen für das Altern
Kritik an dem aktuellen Fokus auf Hochprotein-Produkte kommt unter anderem von einer Diätassistentin aus Rheinberg. Sie warnte Mitte August 2026 davor, dass Trinkmahlzeiten keine dauerhafte Lösung darstellten und ständiges Snacken den Körper schlechter versorge als drei geregelte Mahlzeiten.
Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten, unter anderem unter der Leitung von Dudley Lamming, deuten zudem darauf hin, dass eine moderat reduzierte Proteinzufuhr das gesunde Altern fördern könnte. Der zugrundeliegende Mechanismus sei ein Anstieg des Hormons FGF21, welches den Energieverbrauch begünstige.
Für Menschen mit geringer körperlicher Aktivität wird daher die Einhaltung der Basisempfehlung von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht als vorteilhaft erachtet, da eine übermäßige Zufuhr nicht zwangsläufig mit gesundheitlichen Vorteilen korreliere.
Auf dem 132. DGIM-Kongress wurde zudem die Bedeutung pflanzlicher Lebensmittel hervorgehoben, die im Alter vor Gebrechlichkeit und Muskelschwund (Sarkopenie) schützen können.
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Physiologische Prozesse und technologische Herausforderungen
Die Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) lieferte im August 2026 neue Einblicke in den Aminosäuren-Stoffwechsel. Forscher wie Achim Bub und Dirk Weber beobachteten bei intensiver körperlicher Belastung einen Anstieg N-acetylierter Aminosäuren. Eine aktuelle Übersichtsarbeit schlägt vor, dass diese eine Pufferfunktion im Stoffwechsel übernehmen könnten, indem sie Aminosäuren und Acetylgruppen binden.
Parallel dazu zeigen botanische Studien des Forschungskonsortiums der Universitäten Münster, Hannover und Halle, wie widerstandsfähig Protein- und Stoffwechselsysteme sein können.
Bei Untersuchungen an der Ackerschmalwand und anderen Nutzpflanzen wie Tomaten und Raps wurde festgestellt, dass Mitochondrien in trockenen Samen voll ausgebildet sind und die Zellatmung unmittelbar nach der Wasseraufnahme starten. Bestimmte Proteine überstehen dabei die Trockenphase unbeschadet, wie in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde.
Herausforderungen zeigen sich jedoch bei der praktischen Umsetzung von Ernährungsvorgaben durch Technik. Dr. Michael Bösch vom Klinikum Tuttlingen präsentierte auf dem Diabetes Kongress 2026 Ergebnisse eines Tests von fünf KI-gestützten Apps zur Kohlenhydratschätzung.
Alle Anwendungen überschätzten die Mengen deutlich – in einem Fall wurden statt tatsächlicher 25 Gramm Kohlenhydrate 225 Gramm geschätzt. Für Diabetiker stellt dies ein erhebliches Risiko für Unterzuckerungen bei der Insulindosierung dar.
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Ernährungsstrategien und therapeutisches Potenzial
Hinsichtlich des Gewichtsmanagements bestätigen Auswertungen aus dem August 2026, dass primär ein Kaloriendefizit über den Abnehmerfolg entscheidet, unabhängig vom spezifischen Makronährstoffverhältnis. Extreme Low-Carb-Diäten über längere Zeiträume wurden in Studien mit einem höheren Sterberisiko in Verbindung gebracht, während moderate Kombinationen als alltagstauglicher gelten.
Besonderes Augenmerk liegt derzeit auf dem sogenannten Scheinfasten (FMD). Eine im Januar 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Stanford-Studie belegte bei Patienten mit Morbus Crohn eine Besserung der Symptome in 69,2 Prozent der Fälle sowie eine Remission bei 64,6 Prozent.
Bei Typ-2-Diabetes konnte unter ärztlicher Begleitung durch diese Methode die Medikamentendosis reduziert werden. Dennoch wird darauf hingewiesen, dass solche restriktiven Ansätze für Schwangere, Stillende oder Personen mit Untergewicht ungeeignet sind.
