Schadsoftware-Alarm: Trojaner tarnen sich als VPN und 7-Zip
Veröffentlicht am: 08.07.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Eine neue Generation von Schadsoftware tarnt sich als vertrauenswürdige Anwendungen und kapert Rechner weltweit. Die Angreifer setzen auf gefälschte VPNs, Archivierungsprogramme und KI-Dienste, um selbst geschützte Systeme zu infiltrieren.
Gefälschter VPN installiert Spionagesoftware
Die Sicherheitsfirma ThreatLocker hat am heutigen Mittwoch einen gefährlichen Schädling entdeckt. Ein manipuliertes MSI-Installationspaket gibt sich als Kuailian VPN (auch bekannt als LetsVPN) aus. Es enthält zwar eine funktionierende Version des Dienstes – doch im Hintergrund lädt es einen Schadcode namens GoodPersonRAT.
Dieses sogenannte Remote-Access-Trojaner-Paket verschafft Angreifern die volle Kontrolle über infizierte Rechner. Die Malware kann Dateien übertragen, Befehle über die Windows-Eingabeaufforderung ausführen und SOCKS5- oder HTTP-Proxys einrichten. Besonders perfide: Sie spioniert die Zwischenablage aus, stiehlt Browserdaten und liest sogar den Telegram-Nachrichtenverlauf mit. Zur Tarnung wechselt die Schadsoftware ständig ihre Kommandozentralen – die Forscher zählten 40 verschiedene Server-Sets, die für Redundanz sorgen.
Fake-7-Zip verwandelt Rechner in Proxy-Knoten
Ein zweiter Angriff zielt auf Nutzer des beliebten Packprogramms 7-Zip. Die als Lurking Lizard bekannte Gruppe betreibt die betrügerische Website 7zip.com, die eine manipulierte Version des Archivierungs-Tools anbietet. Statt eines nützlichen Programms installiert der Download eine Software, die den Rechner heimlich in ein Residential-Proxy-Netzwerk einbindet.
Die Sicherheitsforscher von Infoblox verfolgen die Gruppe bereits seit August 2022. Lurking Lizard unterhält über 230 Domains und nutzt Suchmaschinen-Vergiftung sowie Online-Werbung, um Opfer auf die Fake-Seiten zu locken. Die Ermittler fanden zudem Verbindungen zur WireVPN-App im Google Play Store, die über eine Million Downloads verzeichnet – und offenbar dieselbe Infrastruktur nutzt. Die Täter, deren Registrierungsdaten auf Wuhan in China hindeuten, verdienen ihr Geld offenbar mit dem Weiterverkauf der gekaperten Bandbreite.
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Steuerfrist wird zur Einfallstür für Doppel-Trojaner
Auch die aktuelle Steuersaison in Indien nutzen Cyberkriminelle schamlos aus. Die Firmen Cyderes und Cybernoz dokumentierten heute eine sechsstufige Infektionskette, die mit gefälschten Benachrichtigungen der indischen Steuerbehörde beginnt.
Die Opfer laden ein ZIP-Archiv herunter, das eine signierte ausführbare Datei enthält. Diese nutzt eine Technik namens DLL-Sideloading, um Schadcode in legitime Windows-Prozesse einzuschleusen. Die Angreifer setzen auf eine Doppelstrategie und installieren sowohl Gh0st RAT als auch eine Variante von AsyncRAT. Zur Tarnung erstellt die Malware einen Dienst namens „Windows Mixed Reality Service" und injiziert sich in Systemprozesse wie svchost.exe. Selbst wenn eine Verbindung gekappt wird, bleibt der Zugriff über den zweiten Trojaner erhalten.
KI-Fakes: Fünffacher Anstieg bei Angriffen auf Mittelstand
Die Welle trojanisierter Installer fällt mit einem massiven Anstieg von Angriffen auf kleine und mittlere Unternehmen zusammen. Ein heute veröffentlichter Bericht von Kaspersky zeigt: Weltweit stieg die Zahl der Malware-Angriffe, die sich als KI-Dienste tarnen, in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 um das Fünffache.
Besonders betroffen ist Südostasien mit einem siebenfachen Anstieg. Die Täter geben sich vor allem als bekannte KI-Plattformen aus: ChatGPT führt mit 44 Prozent der Köder, gefolgt von DeepSeek (33 Prozent) und Claude (11 Prozent). Doch nicht nur KI-Dienste werden missbraucht – auch gefälschte Versionen von Microsoft Teams, Zoom und WhatsApp dienen als Trojaner-Schleudern.
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Weitere aktuelle Kampagnen umfassen die StrikeShark-Operation, die SharkLoader als angebliches Cisco-VPN- oder Google-Update tarnt und gezielt Regierungsnetzwerke angreift. Parallel dazu verbreitet eine Vidar-Infostealer-Kampagne Kryptominer hinter gefälschten Raubkopien. Die Entwicklung zeigt: Die Angreifer setzen zunehmend auf professionelle Methoden und missbrauchen das Vertrauen der Nutzer in etablierte Software, um sich dauerhaft in Unternehmens- und Regierungsnetzwerken festzusetzen.
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