SCAD-Forschung: 1,5 Millionen Euro für Gefäßmodelle an der Uni Aarhus
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats über 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Programms Horizon Europe rückt die Erforschung biologischer Geschlechtsunterschiede bei Gefäßerkrankungen in den Mittelpunkt. Das an der dänischen Universität Aarhus angesiedelte Forschungsprojekt DISSEX unter Leitung von Monika Colombo widmet sich der computergestützten und experimentellen Abbildung dieser Differenzen in Herzarterienmodellen.
Zielgerichtete Modellierung der spontanen Koronararteriendissektion
Im Zentrum der Forschungsarbeit steht die spontane Koronararteriendissektion (SCAD). Dieses kardiovaskuläre Krankheitsbild betrifft überwiegend Frauen und tritt häufig ohne die klassischen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen auf. Um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen, kombiniert das Projekt Laborversuche, bildgebende Verfahren und Computermodelle an lebendem menschlichem Koronargewebe.
Langfristig strebt das Team die Entwicklung personalisierter Rupturrisiko-Karten an, um gefährdete Gefäßbereiche präziser identifizieren zu können. Als klinischer Berater begleitet Simon Winter, Kardiologe am Krankenhaus Gødstrup, das Vorhaben. Flankiert werden die Aktivitäten an der Universität Aarhus zudem durch eine breit angelegte Studie zur Frauengesundheit, die 300.000 Teilnehmerinnen umfasst.
Epidemiologische Befunde verdeutlichen spezifische Risiken
Die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung unterstreichen internationale epidemiologische Erhebungen. Laut einer Analyse im Rahmen der Global Burden of Disease Studie für den Zeitraum von 1990 bis 2023 in 55 Mitgliedsländern der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, entfielen im Jahr 2023 rund 55 Prozent der Neuerkrankungen (6 Millionen) und 50 Prozent der Todesfälle (1,5 Millionen) auf Frauen.
Wer sich mit der Vorsorge für Herz und Gefäße befasst, sollte seine Laborwerte im Detail verstehen. Dieser kostenlose 25-seitige Ratgeber hilft Ihnen dabei, wichtige Blutwerte richtig zu deuten und mögliche Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen
Die Gesamtinzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen sank in diesen Ländern im erfassten Zeitraum zwar um 26,5 Prozent, die Verteilung der Krankheitsbilder unterscheidet sich jedoch erheblich.
So machte die ischämische Herzkrankheit bei Frauen 21 Prozent der Fälle aus, verglichen mit 38 Prozent bei Männern. Dagegen lag der Anteil peripherer Arterienerkrankungen bei Frauen bei 23 Prozent gegenüber 19 Prozent bei Männern.
Während die Exposition gegenüber Tabak und Alkohol bei Männern um 10 bis 20 Prozentpunkte höher lag, wiesen Frauen bei hohem Body-Mass-Index und Bewegungsmangel um 5 bis 15 Prozentpunkte höhere Werte auf.
Ein bedeutender Risikofaktor für Gefäßerkrankungen ist ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, der oft unbemerkt bleibt. Ein renommierter Medizinprofessor erklärt in diesem Spezialreport, wie Sie Ihre Werte auf natürlichem Weg regulieren und so aktiv Ihr Herzinfarktrisiko minimieren können. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung gratis sichern
Zudem erklärte mütterliche Hypertonie 25 Prozent der Neuerkrankungen bei Frauen, wobei zwischen einzelnen Ländern bis zu 18-fache Unterschiede festgestellt wurden. Die Spanne der Inzidenzunterschiede fiel bei Frauen mit etwa dem Dreifachen ebenfalls breiter aus als bei Männern mit dem Zweifachen; bei der Mortalität zeigten sich Unterschiede von bis zu dem 25-Fachen.
Disparitäten in Diagnostik und Versorgung
Fachleute weisen regelmäßig darauf hin, dass das weibliche Herz anatomisch kleiner, steifer und weniger elastisch ist als das männliche, weshalb selbst ein unauffälliges EKG kardiale Probleme bei Patientinnen nicht ausschließt.
Dennoch zeigen sich in der klinischen Praxis fortlaufend Ungleichgewichte: Bei einem Herzinfarkt weisen Frauen häufiger unspezifische Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Rückenschmerzen auf, was zu Verzögerungen bei der Erkennung führen kann.
Auch im Behandlungsalltag und der Studienlandschaft bestehen Diskrepanzen fort. Im Zeitraum von 2010 bis 2017 lag der Frauenanteil unter den Teilnehmenden kardiologischer Studien bei maximal 39 Prozent. Initiativen wie das Projekt DISSEX setzen an diesen Leerstellen an, um geschlechtsspezifische physiologische Besonderheiten systematisch in die biomedizinische Modellierung und künftige Versorgungsstrategien zu integrieren.
