Sauna und Gehirn: Finnische Studie findet weniger Demenz, aber keinen Kausalbeweis
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 03:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige Saunabesuche könnten das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen deutlich senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeituntersuchung des Finnish Institute for Health and Welfare unter der Leitung von Paul Knekt, über die Medien am 6. November 2026 berichteten. In der Erhebung wurden knapp 14.000 Männer und Frauen im Alter von 30 bis 69 Jahren über einen Zeitraum von 20 Jahren begleitet.
Bei Probanden, die neun- bis zwölfmal pro Monat eine Sauna nutzten, fiel das Demenzrisiko demnach auf weniger als die Hälfte im Vergleich zu Personen mit maximal vier Saunagängen im Monat. Studienleiter Paul Knekt merkte an, dass vermutlich bereits drei Saunagänge pro Monat mit einem deutlich verringerten Demenzrisiko einhergehen.
Langzeitdaten der Universität Ostfinnland
Die Resultate ergänzen Erkenntnisse der bekannten KIHD-Studie der Universität Ostfinnland unter der Leitung von Prof. Jari Laukkanen, die im Fachjournal Age and Ageing erschien. In dieser Beobachtungsstudie wurden mehr als 2.300 Männer über 20 Jahre hinweg erfasst.
Bei vier bis sieben Saunabesuchen pro Woche zeigte sich im Vergleich zu einem wöchentlichen Saunagang ein um 66 Prozent geringeres Demenzrisiko sowie ein um 65 Prozent verringertes Risiko für Alzheimer.
In einer Kohorte von 2.315 finnischen Männern im Alter von 42 bis 60 Jahren, die über 20,7 Jahre nachbeobachtet wurden, ging dieselbe Frequenz von vier bis sieben Saunagängen pro Woche zudem mit einem um 63 Prozent reduzierten Risiko für einen plötzlichen Herztod einher.
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Eine Sitzungsdauer von mehr als 19 Minuten senkte die Gefahr eines plötzlichen Herztodes um 52 Prozent im Vergleich zu Sitzungen unter elf Minuten. Weitere Auswertungen dokumentierten ein um 61 Prozent beziehungsweise 62 Prozent niedrigeres Schlaganfallrisiko bei 1.628 Personen über 14,9 Jahre sowie ein um 47 Prozent geringeres Hypertonie-Risiko bei 1.621 Männern über 24,7 Jahre.
Bei einer Erfassung von 13.994 Personen über 39 Jahre betrug der Rückgang des Demenzrisikos bei neun bis zwölf monatlichen Saunabesuchen insgesamt 19 Prozent und in den ersten 20 Jahren 53 Prozent.
Zudem war das Risiko für Lungenentzündungen bei zwei bis sieben Saunabesuchen wöchentlich über einen Zeitraum von 26,6 Jahren um 21 Prozent geringer. Bei zwei bis drei Saunagängen pro Woche lag das Hypertonie-Risiko um 24 Prozent niedriger, bei vier bis sieben Besuchen um 45 Prozent niedriger.
Physiologische Wirkungen und Kausalitätsfragen
Die Mechanismen hinter den beobachteten Zusammenhängen führt die finnische Forschungsgruppe auf mehrere physiologische Prozesse zurück. Durch die Hitzeeinwirkung erweitern sich die Blutgefäße, die Durchblutung steigt und die Herzfrequenz erhöht sich in einem Maße, das mit zügigem Gehen oder moderater Belastung vergleichbar ist. Langfristig kann dies die Gefäßfunktion optimieren, den Blutdruck regulieren und zelluläre Hitzeschockproteine aktivieren.
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die Wissenschaftler der KIHD-Studie, dass die Daten keinen kausalen Beweis darstellen. Möglich sei eine umgekehrte Kausalität: Da häufige Saunagänge bei Temperaturen um 80 Grad Celsius eine robuste Grundgesundheit voraussetzen, könnten die Besuche eher ein Indikator für einen bereits gesunden Zustand sein als die primäre Ursache für das Ausbleiben schwerer Erkrankungen.
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Empfehlungen für den Alltag
Fachleute für Sportwissenschaft und Longevity verweisen darauf, dass Saunieren keine körperliche Bewegung ersetzt, jedoch als Ergänzung dienen kann. Für viele Personen gelten ein bis drei Saunabesuche pro Woche als sinnvoll.
Ein Sportwissenschaftler der Universität Bern empfiehlt, pro Woche ein bis drei Saunagänge einzuplanen, dazwischen ein bis drei Tage Pause einzuhalten und als Anfänger Sitzungen von acht bis 15 Minuten bei maximal drei Gängen zu wählen. Andere Anwendungshinweise stufen eine Dauer von acht bis zwölf Minuten pro Gang und bis zu drei Einheiten als ausreichend ein.
Mediziner der Cleveland Clinic weisen darauf hin, dass traditionelle Trockensaunen üblicherweise bei 150 bis 195 Grad Fahrenheit (65,55 bis 90,55 Grad Celsius) betrieben werden, während Infrarotsaunen 110 bis 135 Grad Fahrenheit (43,33 bis 57,22 Grad Celsius) erreichen. Nach einem kürzlichen Herzinfarkt sollte die Sauna gemieden werden; bei bestehenden Herzkrankheiten raten Ärzte zu einer vorherigen Konsultation.
