Satellitenfunk: Telekom und drei Konzerne bieten ab 2029 mit
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 13:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVier Konzerne planen Satellitenfunk
- Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung.
- Im Mittelpunkt stehen Frequenzen, die voraussichtlich 2029 frei werden.
- In Deutschland fehlen terrestrische 2G-Netze auf 1,2 bis 1,7 Prozent der Betreiberflächen.
Telekom und drei Konzerne planen Satellitenfunk
Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange wollen Handynutzer künftig auch in entlegenen Gebieten über Satelliten erreichen. Die vier Unternehmen unterzeichneten dafür eine Absichtserklärung und wollen gemeinsam um Frequenzen bieten, die voraussichtlich 2029 frei werden.
Weiße Flecken bleiben das Ziel
Die geplanten Direct-to-Device-Dienste sollen Smartphones dort verbinden, wo kein terrestrisches Mobilfunknetz verfügbar ist. Die Unternehmen wollen damit unterversorgte Gebiete abdecken, die Widerstandsfähigkeit mobiler Netze erhöhen und kritische Kommunikation schützen.
In Deutschland waren im Juni nach Angaben der Bundesnetzagentur je nach Netzbetreiber zwischen 1,2 und 1,7 Prozent der Fläche nicht einmal mit 2G versorgt. Bei der Deutschen Telekom lag der Anteil bei 1,2 Prozent, bei Vodafone bei 1,7 Prozent und bei O2 Telefónica bei 1,6 Prozent.
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Europäische Eigenständigkeit als Ziel
Nach Angaben der Unternehmen sollen zentrale Infrastrukturen am Boden sowie wichtige Koordinierungs- und Steuerungsfunktionen in Europa aufgebaut werden. Die Kooperation soll außerdem die Entwicklung einer europäischen Satellitenkonstellation unterstützen.
Welcher Satellitenbetreiber die Dienste bereitstellen soll, ist noch offen. Die meisten heutigen Smartphones unterstützen die direkte Satellitenverbindung bislang nicht; die Funktion soll in den kommenden Jahren jedoch im Massenmarkt ankommen.
Die vier Telekommunikationskonzerne reagieren auf ein strukturelles Problem der europäischen Mobilfunkversorgung: Selbst gut ausgebaute Netze lassen abgelegene Flächen, Verkehrswege und dünn besiedelte Regionen offen. Die in der DPA-Meldung genannten weißen Flecken sind zwar klein, betreffen aber gerade dort wichtige Verbindungen für Notrufe, Rettungsdienste und die Kommunikation bei Ausfällen.
Direct-to-Device-Technik soll diese Lücke schließen, indem handelsübliche Mobiltelefone künftig unmittelbar mit Satelliten kommunizieren. Dafür braucht es kompatible Geräte, geeignete Frequenzen, Satellitenkapazitäten und abgestimmte Standards. Der geplante Frequenzzugang ab 2029 markiert deshalb keinen sofortigen Start eines flächendeckenden Angebots, sondern eine langfristige Vorbereitungsphase.
Europäische Infrastruktur im Fokus
Die Kooperation hat zudem eine industrie- und sicherheitspolitische Dimension. Bodenstationen sowie Steuerungs- und Koordinierungsfunktionen in Europa könnten die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern begrenzen und die Widerstandsfähigkeit kritischer Kommunikation erhöhen. Gleichzeitig bleibt offen, welcher Satellitenbetreiber die Dienste technisch bereitstellen soll.
Für Nutzer dürfte die Technologie zunächst vor allem dort relevant werden, wo kein terrestrisches Netz verfügbar ist. Ob daraus ein verlässlicher Massenmarkt entsteht, hängt von Geräteverbreitung, Kosten, Netzkapazität und regulatorischen Entscheidungen ab. Die Initiative verbindet damit konkrete Versorgungslücken mit dem europäischen Anspruch, eigene Weltrauminfrastruktur aufzubauen.
