Satellitenfunk: SpaceX und Airtel testen Direct-to-Cell ohne Hardware
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 09:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Meilenstein für die globale Vernetzung: Airtel Madagascar und SpaceX haben erfolgreich getestet, dass handelsübliche Smartphones ohne Zusatzhardware über Satelliten kommunizieren können.
Der Test am 11. Juli 2026 im madagassischen Ort Sadabe zeigte, dass selbst datenintensive Anwendungen wie WhatsApp über Satellitenverbindungen laufen. Die Teilnehmer verschickten Nachrichten, führten Video- und Sprachanrufe durch – und das mit völlig unveränderten Geräten. Sogar der Zugriff auf Plattformen wie YouTube und Facebook war möglich.
Satellitenfunk für alle: Was die Technologie kann
Die als „Direct to Cell“ bekannte Technologie soll eine Brücke schlagen, wo terrestrische Mobilfunknetze nicht hinkommen. Voraussetzung: freie Sicht zum Himmel. Die Vorführung fand im Beisein des madagassischen Ministers für digitale Entwicklung sowie Vertretern der Regulierungsbehörde ARTEC und des Katastrophenschutzes statt.
Die kommerzielle Einführung in Madagaskar steht allerdings noch aus – sie bedarf der endgültigen Genehmigung durch ARTEC. Das Potenzial ist enorm: In vielen Regionen Afrikas und weltweit fehlt bislang jede Mobilfunkabdeckung.
Autoindustrie zieht nach: Satellitentelefonie im BMW
Nur neun Tage später, am 20. Juli 2026, demonstrierte Viasat in München einen weiteren Durchbruch: einen Satelliten-gestützten Sprachanruf direkt aus dem Infotainmentsystem eines BMW iX3. Die Technik nutzt Narrowband Internet of Things (NB-IoT) über Viasats L-Band-Satellitennetzwerk.
Beteiligt waren neben BMW und Viasat auch Cubic3, das Fraunhofer IIS und Qualcomm – letzteres mit dem Snapdragon Auto 5G Modem-RF Gen 2 und einem speziellen KI-Sprachcodec. Branchenkenner rechnen damit, dass solche Satelliten-Funktionen bereits 2027 in Serienfahrzeugen Einzug halten könnten.
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Wettlauf im All: Satelliten-Konstellationen wachsen rasant
Die Infrastruktur für diese Dienste wächst explosionsartig. Am 20. Juli 2026 startete SpaceX von Vandenberg aus 24 Starlink V2 Mini-Satelliten – die Gesamtzahl aktiver Einheiten liegt nun bei über 10.800. Russlands Bureau 1440 brachte am selben Tag die zweite Gruppe seiner Rassvet-Satelliten ins All, der kommerzielle Betrieb soll 2027 beginnen.
In Indien erhielt Reliance Jio grünes Licht für eine Konstellation von über 1.600 LEO-Satelliten (Low Earth Orbit). Die geplante Kapazität: bis zu 5 Terabit pro Sekunde für Breitband- und Direkt-zu-Gerät-Dienste.
Regulierungsbehörden passen sich an
Auch die Regulierungsseite reagiert: Die US-Kommunikationsbehörde FCC hat ein Verfahren eingeleitet, um unlizenzierte „Part 15“-Geräte zur direkten Satellitenkommunikation zu ermächtigen. Das könnte rund 225 MHz unlizenziertes Spektrum für satellitengebundene Unterhaltungselektronik freigeben.
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Huawei und WhatsApp: Neue Hardware, neue Funktionen
Die Hardware-Hersteller rüsten auf. Das Huawei Mate 70 Pro verfügt über ein verbessertes Tiantong-Zwei-Wege-Satellitentelefoniesystem im L-Band. Die Kanal-Durchsatzrate stieg um 37 Prozent, die Erstverbindung gelingt in rund 18,3 Sekunden. Ein AMR-WB+-Codec hält die Latenz bei Tests in verschiedenen Umgebungen bei etwa 820 Millisekunden.
Parallel dazu führt WhatsApp ab dem 20. Juli 2026 eine Nutzernamen-Funktion ein. Verifizierte Konten und öffentliche Personen können künftig kontaktiert werden, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben – vorausgesetzt, der Absender kennt den genauen Nutzernamen. Der Schritt ist Teil eines größeren Trends: Kommunikationsplattformen werden flexibler, während die zugrundeliegenden Transportwege – Satellit und 5G – immer stärker verschmelzen.
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