Satelliten-Mobilfunk, Deutsche Telekom

Satelliten-Frequenzen: Vier Mobilfunker planen Funkloch-Netz

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vier große europäische Mobilfunkanbieter wollen gemeinsam Frequenzen für Verbindungen direkt vom Smartphone zu Satelliten sichern. Das Projekt soll Funklöcher schließen und Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Infrastruktur-Anbietern verringern.

Vier Konzerne bündeln Frequenzpläne

  • Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung.
  • Die angepeilten Frequenzen könnten 2029 frei werden und wurden bisher unter anderem für Internet im Flugzeug genutzt.
  • In Deutschland fehlen laut Meldung bei den Netzen zwischen 1,2 und 1,7 Prozent der Fläche für das 2G-Netz.
  • Das Telekom-Logo an der Bonner Konzernzentrale - dort ist das Handynetz gut, anderswo gibt es noch Lücken. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Vodafone macht auch mit bei dem Frequenzvorhaben - das alte Nokia-Handy, wie es als überdimensionales Modell am Vodafone-Messestand beim Mobile World Congress im März zu sehen war, dürfte aber kein Weltraum-Internet mehr bekommen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
Das Telekom-Logo an der Bonner Konzernzentrale - dort ist das Handynetz gut, anderswo gibt es noch Lücken. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa Vodafone macht auch mit bei dem Frequenzvorhaben - das alte Nokia-Handy, wie es als überdimensionales Modell am Vodafone-Messestand beim Mobile World Congress im März zu sehen war, dürfte aber kein Weltraum-Internet mehr bekommen. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa

Vier Mobilfunker planen Satellitennetz für Funklöcher

Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange wollen gemeinsam um Funkfrequenzen für mobile Satellitendienste bieten. Eine entsprechende Absichtserklärung der vier Telekommunikationsanbieter zielt auf eine europaweite Versorgung bisher unterversorgter Gebiete.

Frequenzen könnten 2029 frei werden

Im Mittelpunkt stehen Frequenzen, die voraussichtlich 2029 frei werden und bislang unter anderem für Internetverbindungen in Flugzeugen genutzt werden. Die Unternehmen wollen zentrale Infrastruktur am Boden sowie wichtige Steuerungs- und Koordinierungsfunktionen in Europa aufbauen.

Mit Direct-to-Device-Diensten sollen Smartphones künftig direkt mit Satelliten verbunden werden, wenn kein Mobilfunkmast erreichbar ist. Die meisten heute genutzten Geräte unterstützen diese Funktion noch nicht; in den kommenden Jahren soll sie im Massenmarkt ankommen.

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Funklöcher bleiben der Ausgangspunkt

In Deutschland waren im Juni nach Angaben der Bundesnetzagentur bei der Deutschen Telekom 1,2 Prozent der Fläche, bei Vodafone 1,7 Prozent und bei O2 Telefónica 1,6 Prozent nicht einmal mit dem 2G-Netz versorgt. Auch auf Reisen durch Europa können Handynutzer in Gebieten ohne terrestrische Verbindung geraten.

Die Satellitenverbindung soll einspringen, wenn das Smartphone keinen Funkmast erreicht. Geplant sind nach Angaben der Unternehmen vor allem grundlegende Datenverbindungen, nicht hochauflösendes Videostreaming oder anspruchsvolle Smartphone-Spiele.

Satellitenpartner und Nutzung noch offen

Welcher Betreiber die Satelliten bereitstellen könnte, ist noch nicht geklärt. Das Vorhaben der vier Konzerne soll bestehende Satellitenpartnerschaften nicht ersetzen.

Die Unternehmen verweisen zugleich auf Ziele wie eine höhere Resilienz mobiler Netze, den Schutz kritischer Kommunikation und den Aufbau einer europäischen Satellitenkonstellation. Damit wollen sie Europas eigenständige Position in der Weltrauminfrastruktur stärken.

Politik begrüßt europäische Zusammenarbeit

Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Schätzl, begrüßte das gemeinsame Vorgehen. Europa sei beim Internet noch immer zu abhängig von Amerika, sagte er. Weitere Schritte müssten auch Abhängigkeiten bei Software, Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren überprüfen.

Die EU-Kommission hatte nach Angaben der Meldung zuvor vorgeschlagen, Teile des 2-Gigahertz-Frequenzbandes für staatliche und kommerzielle Direct-to-Device-Anwendungen zu ordnen. Ein Teil soll EU-Anbietern vorbehalten werden; auf diesen Bereich zielen nun auch die vier Telekommunikationsunternehmen.

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Die gemeinsame Absichtserklärung kommt in eine Phase, in der die Europäische Union den Zugang zu Satelliten-Mobilfunk strategischer ordnet. Nach der in der Meldung beschriebenen Planung soll das relevante 2-Gigahertz-Band künftig staatliche und kommerzielle Anwendungen berücksichtigen. Für Verbraucher ist dabei entscheidend, dass Direct-to-Device-Verbindungen nicht den klassischen Mobilfunk ersetzen, sondern Funklöcher überbrücken sollen.

Der praktische Nutzen hängt von mehreren Voraussetzungen ab: geeigneten Satelliten, kompatiblen Smartphones, ausreichender Netzkapazität und einer funktionierenden Koordination zwischen den vier Netzbetreibern. In der Anfangsphase dürfte die Verbindung vor allem für kurze Nachrichten, Notrufe und grundlegende Datendienste ausreichen. Breitbandangebote wie im normalen 4G- oder 5G-Netz sind in abgelegenen Gebieten nicht zu erwarten.

Europäische Infrastruktur im Fokus

Für Deutschland bleibt das Vorhaben neben der technischen auch eine industrie- und sicherheitspolitische Frage. Die von der Bundesnetzagentur ausgewiesenen Funklochanteile zeigen, dass selbst ein dichtes terrestrisches Netz nicht jede Fläche erreicht. Satelliten könnten dort eine zusätzliche Resilienz schaffen, wo Masten fehlen oder bei Krisen ausfallen.

Offen bleiben der konkrete Satellitenbetreiber, die Kostenverteilung und die späteren Nutzungsbedingungen. Auch die Frequenzvergabe muss erst geregelt werden. Der Zeithorizont bis 2029 lässt Raum für technische Entwicklung, politische Entscheidungen und mögliche Kooperationen mit bestehenden Satellitenpartnern.

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