Sarkopenische, Adipositas

Sarkopenische Adipositas: 50 Prozent häufiger Bedarf an einer Knieprothese

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Meta-Analyse beziffert die weltweite Verbreitung bei Menschen ab 60 Jahren; Muskelaufbau und Körperzusammensetzung sind wichtige Faktoren.
Ein Paar getragene Wanderschuhe auf einem Kiesweg in einem sonnigen Park, symbolisch für Bewegung und Gelenkgesundheit. Illustration mit AI erstellt.

Die Kombination aus übermäßigem Körperfett und schwindender Muskelmasse stellt eine erhebliche Belastung für die Gelenkgesundheit dar. Auf der Jahrestagung der Osteoarthritis Research Society International (OARSI) 2026 vorgestellte Daten verdeutlichen das Ausmaß dieser Wechselwirkung: Betroffene mit einer sogenannten sarkopenischen Adipositas weisen eine um 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf, eine Knieprothese zu benötigen, als Personen, die ausschließlich unter Adipositas leiden.

Die Erhebungen machen deutlich, dass der reine Body-Mass-Index (BMI) for eine fundierte Risikobewertung unzureichend ist. Entscheidend sei vielmehr die tatsächliche Körperzusammensetzung, insbesondere das Verhältnis von Muskelmasse zu Fettverteilung.

Während die Messung der Griffkraft im klinischen Alltag häufig als Indikator für Sarkopenie herangezogen wird, kann dieser Wert durch bestehende Handarthrose verfälscht werden. Die Tagungsbeiträge heben DEXA-Scans als verlässlichere Methode hervor und betonen die Notwendigkeit von gezieltem Krafttraining zur Stabilisierung der Gelenke und des Stoffwechsels.

Globale Verbreitung und metabolische Profile

Das Phänomen betrifft weltweit eine wachsende Zahl älterer Menschen. Eine Meta-Analyse in der Fachzeitschrift BMC Geriatrics, die 98 Studien mit mehr als 190.000 Teilnehmenden aus 27 Ländern auswertete, beziffert die globale Prävalenz der sarkopenischen Adipositas bei Personen ab 60 Jahren auf 9,1 Prozent, während die osteosarkopenische Adipositas bei 8,5 Prozent liegt.

Bei Männern fällt der Anteil mit 10,4 Prozent höher aus als bei Frauen mit 8,1 Prozent. Zu den dokumentierten Risikofaktoren zählen neben dem Alter unter anderem Diabetes, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen sowie ein Mangel an Bewegung und Energie. Geografisch zeigte sich die niedrigste Rate in Asien und die höchste in Nordamerika, wobei Italien die höchste nationale Prävalenz aufwies.

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Ergänzende Erkenntnisse liefert eine NMR-Metabolomik-Studie der UK Biobank mit 247.107 Teilnehmenden über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 13,8 Jahren. Bei Personen mit zentraler Adipositas – definiert über einen Taillenumfang von über 102 Zentimetern bei Männern und über 88 Zentimetern bei Frauen – wurden vier metabolische Subtypen identifiziert.

Die Subtypen II und III wiesen ein signifikant erhöhtes Sarkopenie-Risiko mit einer Hazard Ratio von 1,43 sowie ein erhöhtes Risiko für Bandscheibenerkrankungen (Hazard Ratio 1,31) auf, während bei Osteoporose oder rheumatoider Arthritis keine signifikanten Unterschiede auftraten.

Subtyp III zeichnete sich unter anderem durch erhöhte Glykoprotein-Acetyle und Valin aus, während Subtyp II niedrigere Werte für Albumin und Glutamin aufwies.

Mechanische Last und biochemische Entzündungstreiber

Die Zunahme von Kniegelenkbeschwerden beruht auf einem Zusammenspiel aus mechanischer Überlastung und metabolischen Prozessen. Eine Untersuchung der Beijing University of Chinese Medicine im Chinese Journal of General Practice an 10.500 Teilnehmenden zeigte, dass jedes Kilogramm Mehrgewicht die Kniebelastung um das Drei- bis Fünffache erhöht.

Eine Gewichtsreduktion um 10 Prozent führe hingegen zu einer deutlichen Linderung der Symptome. Mehr als 90 Prozent der Arthrose-Patienten leiden laut der Untersuchung an zusätzlichen chronischen Erkrankungen. Bei über 60-Jährigen weist bereits mehr als die Hälfte radiologische Gelenkveränderungen auf.

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Zudem wirken systemische Faktoren direkt auf das Knorpelgewebe ein. Daten der Chonnam National University zeigen, dass Männer mit arterieller Hypertonie 24 Prozent und Frauen 60 Prozent häufiger an Gelenkarthrose erkranken. Wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Jahr 2026 deuten darauf hin, dass Hypertonie die Ausschüttung von Arginin-Vasopressin aus der Hypophyse verstärkt, was über Chondrozyten-Rezeptoren den Knorpelabbau beschleunigen kann.

Präventive Ansätze durch Muskelaufbau

Fachleute raten bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß von passiver Schonung ab. Alexis Colvin von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai verweist darauf, dass Bewegung die Produktion der Synovialflüssigkeit anregt, welche wie ein Schmiermittel Entzündungen und Steifheit mindert.

Um dem ab dem 30. Lebensjahr einsetzenden Muskelabbau entgegenzuwirken und das Kniegelenk zu entlasten, wird die Kräftigung von Quadrizeps, Gesäß, Hamstrings und Waden empfohlen.

Als Basistraining dienen zwei Sätze à zehn Wiederholungen von Übungen wie Kniebeugen, Stufensteigen, Wadenheben oder dem gezielten Aufstehen von einem Stuhl. Ergänzend gelten flaches Gehen, Schwimmen und Training auf dem Ergometer als gelenkschonende Optionen, während Überlastungen vermieden werden sollten.

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