Sarkopenie: Laktat und Leberfunktion als Schlüssel zum Muskelabbau
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 04:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Altersbedingter Muskelabbau, in der Medizin als Sarkopenie bezeichnet, gilt bislang als schwer ursächlich behandelbar. Neue Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass Laktat und eine nachlassende Leberfunktion eine zentrale Rolle beim Kraftverlust im Alter spielen könnten – ein Befund, der neue Ansatzpunkte für eine medikamentöse Therapie eröffnen könnte.
Studie im Fachjournal Science Advances
Das japanische Nationale Zentrum für Geriatrie und Gerontologie hat gemeinsam mit weiteren Forschungsteams Ergebnisse veröffentlicht, die im US-Fachjournal „Science Advances" erschienen sind. Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass sich bei alten Mäusen Laktat im Skelettmuskel anreichert, während gleichzeitig die Muskelkraft abnimmt. Als Ursache identifizierten die Forschenden eine nachlassende Fähigkeit der Leber, Laktat zu verarbeiten.
Laktat entsteht bei körperlicher Anstrengung im Muskel und wird normalerweise über die Leber abgebaut. Lässt diese Verarbeitungskapazität mit zunehmendem Alter nach, staut sich die Substanz demnach im Muskelgewebe an – ein Prozess, der offenbar mit dem Verlust an Muskelkraft einhergeht.
Medikamentöser Ansatz zeigt Wirkung im Tierversuch
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Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Teil der Studie: Die Forschungsteams verabreichten den Versuchstieren eine Substanz, die die Laktatverarbeitungskapazität erhöht. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das eigentlich zur Verbesserung der renalen Anämie eingesetzt wird. Die Gabe dieser Substanz bestätigte eine Abschwächung des altersbedingten Kraftverlusts bei den Tieren.
Diese Beobachtung ist deshalb von Bedeutung, weil sie erstmals einen konkreten biochemischen Mechanismus – die gestörte Laktatverarbeitung durch die Leber – mit einem bereits existierenden Wirkstoff in Verbindung bringt, der über eine andere Indikation hinaus wirken könnte.
Bisherige Behandlung stößt an Grenzen
Die Behandlung von Sarkopenie besteht nach Angaben der Forschungsteams bislang überwiegend aus symptomatischer Therapie in Form von Bewegungs- und Ernährungsberatung. Ein Ansatz, der ursächlich in die zugrunde liegenden biologischen Prozesse eingreift, existiert bislang kaum.
Die nun vorgelegten Ergebnisse könnten laut den beteiligten Forschungsteams zu einer grundlegenden medikamentösen Therapie führen, die über reine Symptombekämpfung hinausgeht.
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Reichweite des Problems in Japan
Die Dimension des Problems verdeutlicht die Zahl der Betroffenen: Die Forschungsteams schätzen, dass in Japan derzeit rund 5 Millionen Menschen von Sarkopenie betroffen sind. Angesichts der demografischen Entwicklung mit einem hohen Anteil älterer Menschen kommt der Suche nach wirksamen Therapieansätzen entsprechend hohe Bedeutung zu.
Die vorgestellten Ergebnisse stammen aus Untersuchungen an Mäusen, weshalb eine Übertragung auf den Menschen weiterer Forschung bedarf. Dennoch liefern die Erkenntnisse zu Laktatstoffwechsel und Leberfunktion einen konkreten Ansatzpunkt, der über bisherige, rein auf Bewegung und Ernährung ausgerichtete Empfehlungen hinausgeht und mittelfristig neue Behandlungsoptionen für altersbedingten Muskelschwund eröffnen könnte.
