Sarkopenie, Fehlende

Sarkopenie: Fehlende Nervensignale als Hauptursache für Muskelschwund

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher identifizieren gestörte Nerv-Muskel-Signale als Ursache der Sarkopenie und prüfen Hemmstoffe sowie Nanopartikel in präklinischen Studien.

Sarkopenie-Forschung: Neue Ansätze für Nervensignale und Muskelkraft
Hochauflösende mikroskopische Aufnahme von Muskelgewebe und Nervenfasern in einem wissenschaftlichen Labor. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Forschung erzielt signifikante Fortschritte beim Verständnis und der Behandlung des altersbedingten Muskelschwunds, der sogenannten Sarkopenie. Neue Untersuchungen konzentrieren sich dabei verstärkt auf die Kommunikationsprozesse zwischen Nerven und Muskeln.

Ein internationaler Forschungsverbund unter der Leitung der Universität Missouri (Mizzou) hat in diesem Zusammenhang eine zentrale Ursache für den Kraftverlust im Alter identifiziert.

Fehlende Signalübertragung als Ursache für Muskelschwund

Wie aus wissenschaftlichen Publikationen und Berichten vom September 2026 hervorgeht, spielt eine Störung an der neuromuskulären Junction (NMJ) eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Sarkopenie.

Das Team um W. David Arnold konnte nachweisen, dass ein reduzierter Spiegel des Proteins NaV1.4 die Signalübertragung zwischen Nervensystem und Muskulatur massiv beeinträchtigt. Dieser Mechanismus wurde sowohl in Tiermodellen als auch in Gewebeproben von Menschen belegt. Die entsprechenden Forschungsergebnisse wurden im Journal of Clinical Investigation veröffentlicht.

Die Bedeutung dieser Entdeckung wird durch aktuelle demografische Daten unterstrichen. Laut Angaben der Universität Missouri ist fast die Hälfte aller Menschen über 80 Jahre von Sarkopenie betroffen. Die Erkrankung führt nicht nur zu einem Verlust an Muskelmasse, sondern mindert durch die schwindende Kraft die Mobilität und Unabhängigkeit der Betroffenen im Alltag erheblich.

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Therapeutische Potenziale durch ClC-1-Hemmung

In Zusammenarbeit mit dem dänischen Unternehmen NMD Pharma wurden im Rahmen der Studie therapeutische Ansätze zur Behebung der Signalstörung getestet. Dabei kamen sogenannte ClC-1-Hemmer zum Einsatz.

In Tierversuchen zeigte sich, dass eine partielle Hemmung dieses Kanals die alternden Muskeln wieder empfänglicher für Nervensignale machte. Den Forschern gelang es dadurch, die Kommunikationsfehler an der neuromuskulären Junction rückgängig zu machen und die Muskelkraft signifikant zu steigern.

NMD Pharma verfolgt diesen Forschungsansatz bereits in klinischen Studien für verschiedene neuromuskuläre Erkrankungen. Der Wirkstoffkandidat Ignaseclant zeigte zudem in einer klinischen Studie bei Patienten mit der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung klinische Verbesserungen. Diese Topline-Ergebnisse wurden im Rahmen der Muscular Dystrophy Association Clinical & Scientific Conference 2026 der Fachwelt präsentiert.

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Innovative Nanotechnologie zur zellulären Stimulation

Ergänzend zu den Fortschritten in der pharmakologischen Forschung werden an der Universität Aarhus technologische Ansätze zur direkten Stimulation von Zellen entwickelt.

Eine im Fachmagazin Nature Biomedical Engineering veröffentlichte Studie beschreibt die Verwendung hohler Nanopartikel aus graphitischem Kohlenstoffnitrid (hg-C3N4). Diese Partikel haben einen Außendurchmesser von 306 ± 20 nm sowie einen Innendurchmesser von 233 ± 14 nm und verfügen über eine Schale von 73 ± 14 nm.

In präklinischen Versuchen an Mäusen mit fortgeschrittener Erblindung konnten diese Partikel nach einer Injektion in die Netzhaut durch Lichteinstrahlung Signale auslösen, die im Sehzentrum messbare Aktivitäten und Verhaltensantworten hervorriefen. Die Partikel reagieren photoelektrochemisch sowie photothermal und weisen im Bereich von 350 bis 600 nm eine rund dreimal höhere Lichtabsorption auf als herkömmliche Strukturen.

Anwendungsspektrum und Forschungshintergrund

Die Einsatzmöglichkeiten dieser Nanotechnologie beschränken sich nicht nur auf die Augenheilkunde. In Experimenten an Herzmuskelzellen ermöglichte die Bestrahlung mit LED-Licht in Verbindung mit den Partikeln ein optisches Pacing sowie eine Synchronisation des Herzschlags. Das Forschungsprojekt an der Universität Aarhus wurde bereits im Jahr 2019 durch die Carlsberg-Stiftung mit 4,2 Millionen dänischen Kronen gefördert.

Im Jahr 2024 erfolgte eine internationale Patentanmeldung für die Technologie, gefolgt von einem Pioneer-Innovator-Zuschuss der Novo-Nordisk-Stiftung für das Projekt RetiNano im Jahr 2025. Trotz der vielversprechenden Ergebnisse in Tiermodellen und an isolierter Schweinenetzhaut betonen die Forscher, dass es sich um präklinische Daten handelt. Belege für eine dauerhafte Verträglichkeit oder eine messbare Sehschärfe beim Menschen stehen derzeit noch aus.

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