Sarkopenie, Muskelabbau

Sarkopenie: Bereits jeder dritte über 60 stürzt mindestens einmal

17.06.2026 - 21:13:11 | boerse-global.de

Ab 50 beschleunigt sich der Muskelabbau. Neue Medikamente und gezieltes Krafttraining bieten Hoffnung im Kampf gegen Sarkopenie.

Muskelschwund ab 50: Neue Medikamente und Trainingstipps
Sarkopenie - Nahaufnahme der Hand eines älteren Mannes, der Schwierigkeiten hat, ein Schraubglas zu öffnen, was auf Muskelschwäche hindeutet. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Fachleute sprechen von Sarkopenie – einem Prozess, der sich ab 50 deutlich beschleunigt.

Drei bis fünf Prozent Muskelmasse pro Jahrzehnt gehen verloren. Das entspricht etwa einem Prozent pro Jahr. Ab 60 nimmt der Abbau weiter Fahrt auf. Besonders tückisch: Die Muskelkraft sinkt schneller als das sichtbare Volumen. Und das Gewicht bleibt oft stabil, weil Fettgewebe die Muskeln ersetzt – ein Phänomen, das Mediziner als sarkopene Adipositas bezeichnen.

Warnsignale erkennen: Wann wird es kritisch?

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Die ersten Anzeichen zeigen sich im Alltag. Probleme beim Öffnen von Schraubgläsern? Eine verlangsamte Gehgeschwindigkeit? Oder Sie müssen sich beim Aufstehen mit den Händen abstützen? Dann könnte die Sarkopenie bereits fortgeschritten sein.

Ein erhöhtes Sturzrisiko gilt ebenfalls als Warnsignal. Die Statistik spricht eine klare Sprache: Bereits jeder dritte über 60-Jährige ist mindestens einmal gestürzt. Bis zu 15 Prozent dieser Stürze führen zu Knochenbrüchen.

Drei einfache Tests helfen, die eigene Verfassung einzuschätzen:

  • Aufstehtest: Fünfmal hintereinander ohne Zuhilfenahme der Hände von einem Stuhl aufstehen – das sollte in unter 15 Sekunden klappen
  • Gehtest: Vier Meter in weniger als fünf Sekunden bewältigen
  • Handkrafttest: Bei Männern mindestens 27 Kilogramm, bei Frauen 16 Kilogramm

Neue Medikamente: Hoffnung aus der Forschung

Die Pharmaindustrie arbeitet an Lösungen. Das Unternehmen Istesso startete Mitte Juni 2026 eine klinische Phase-2-Studie für den Wirkstoff Leramistat. Dabei handelt es sich um einen mitochondrialen Komplex-I-Modulator – getestet wird er an Patienten mit Sarkopenie infolge rheumatischer Arthritis.

Die doppelblinde Studie an Einrichtungen in Newcastle soll zeigen, ob das Medikament die Muskelqualität und Regenerationsfähigkeit verbessert. Präklinische Daten deuten bereits auf eine Wiederherstellung der Muskelqualität bei gealterten Organismen hin.

Parallel dazu lieferte eine Studie im Fachmagazin Nature Medicine vielversprechende Ergebnisse. 102 Teilnehmer erhielten über 24 Wochen eine Kombination aus Tirzepatid und dem Antikörper Apitegromab. Das Ergebnis: Der Verlust an Magermasse halbierte sich von rund 30 auf 15 Prozent – bei gleichbleibendem Fettverlust.

Training bleibt die beste Medizin

Trotz aller medikamentösen Fortschritte: Die Trainingstherapie ist und bleibt die zentrale Säule der Prävention. Orthopäde Thomas Wessinghage betont: „Der Organismus muss im Alter gezielt gefordert werden, um Funktionsverluste auszugleichen."

Empfohlen werden mindestens zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche. Besonders effektiv: Kniebeugen. Sie stabilisieren Gesäß, Oberschenkel und Rumpf gleichzeitig. Fachleute raten zu zwei bis vier Sätzen mit jeweils 8 bis 15 Wiederholungen – mit ausreichenden Regenerationsphasen dazwischen.

Die Ernährung unterstützt das Training. Die tägliche Proteinzufuhr sollte bei 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht liegen. Auch der Vitamin-D-Status gehört regelmäßig überprüft.

In Österreich ist die Trainingstherapie seit Anfang 2025 offiziell mit ärztlicher Überweisung nutzbar – auch außerhalb von Reha-Aufenthalten. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten im niedergelassenen Bereich noch nicht flächendeckend.

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KI-Coach fürs Heimtraining

Technologie könnte das Training zu Hause bald verbessern. Forscher der Drexel University und der Michigan State University entwickelten den Prototyp „Biocoach". Das KI-gestützte System analysiert Bewegungsabläufe per Kamera in Echtzeit und gibt Korrekturhinweise – etwa bei der Haltung der Knie während einer Kniebeuge.

Die Relevanz des Themas zeigt sich auch auf fachpolitischer Ebene. Für den 10. und 11. Juli 2026 ist an der Universität Kassel eine Fachtagung zur Sturzprävention geplant. Ziel: Bewegungsangebote besser in den Alltag älterer Menschen integrieren. Denn nur durch eine Kombination aus Mobilitätstraining und Kraftaufbau lässt sich die Selbstständigkeit im Alter langfristig sichern.

de | wissenschaft | 69566190 |