Sanofi, Entwicklungszeit

Sanofi halbiert Entwicklungszeit für Medikamente auf 5-6 Jahre

05.06.2026 - 07:31:54 | boerse-global.de

Studie zeigt Bayer und Merck als Digitalisierungsführer. Produktion sinkt um 2,8%, KI verkürzt Prozesse bei Bayer um 30%.

Bayer und Merck: Vorreiter der digitalen Transformation in der Chemie
Sanofi - A robotic arm in a modern chemical or pharmaceutical factory, symbolizing digitalization and automation in industry. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie steht unter Druck: Steigende Kosten und eine schwächelnde Konjunktur zwingen die Unternehmen zum Umdenken. Immer mehr Konzerne setzen daher auf Digitalisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch die Schere zwischen Vorreitern und Nachzüglern wird größer.

Bayer und Merck an der Spitze

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Eine Studie von Instinctif Partners zur digitalen Unternehmenskultur zeigt: Bayer AG und Merck KGaA führen das Feld an. Beide Konzerne erhielten vier von fünf möglichen Sternen für ihre digitale Performance. BASF punktete zwar bei internen Prozessen und Datenübertragung, kommuniziert seine Digitalstrategie aber seltener als die Konkurrenz.

Das Schlusslicht bilden Unternehmen wie AbbVie Deutschland und Celesio AG – sie erhielten null Sterne. Die Branche nutzt zwar zunehmend digitale Kanäle, doch viele Firmen zögern noch, offen über ihre Fortschritte zu sprechen.

Produktion im Sinkflug

Der Digitalisierungsdruck kommt nicht von ungefähr. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) meldet für das erste Quartal 2026 einen saisonbereinigten Produktionsrückgang von 2,8 Prozent. Besonders der Mittelstand leidet: Rund 160.000 Beschäftigte arbeiten in mittelständischen Chemieunternehmen, die 30 Prozent des Branchenumsatzes erwirtschaften. Doch deren Vertrauen in den Standort Deutschland schwindet.

Eine Studie von Dr. Wieselhuber & Partner im Auftrag des VCI zeigt: 45 Prozent der mittelständischen Chemiefirmen kämpfen mit hohen Bürokratielasten – insbesondere durch die REACH-Verordnung und Biozid-Produktregulierungen. Trotz der Sorgen um Energie- und Regulierungskosten wollen die meisten Unternehmen jedoch in Deutschland bleiben.

KI beschleunigt Prozesse

Bayer setzt bereits auf künstliche Intelligenz: Ein KI-gestütztes Vertragsmanagement verkürzt die Bearbeitungszeiten um 30 Prozent. Gleichzeitig baut der Konzern sein biologisches Pflanzenschutzportfolio aus – unter anderem durch eine Exklusivpartnerschaft für TerraMG in der EMEA-Region aus dem Jahr 2023.

Noch ambitionierter ist Sanofi: Beim Snowflake Summit 2026 kündigte der Pharmariese an, die Entwicklungszeiten für neue Medikamente von zehn bis zwölf Jahren auf fünf bis sechs Jahre halbieren zu wollen. Möglich machen sollen das KI-gestützte Simulationen klinischer Studien. Ziel ist es, die hohe Ausfallrate in der Phase-3-Testung drastisch zu senken.

Digitale Produktion beim Spezialisten

Auch bei Zulieferern hält die Digitalisierung Einzug. Die Linhardt Group, Weltmarktführer bei pharmazeutischen Aluminiumtuben, digitalisierte ab 2022 alle 37 Produktionslinien an ihren deutschen Standorten. Mit dem cronetwork Manufacturing Execution System (MES) in Kombination mit SAP S/4HANA erfasst das Unternehmen heute über 100 Datenpunkte pro Linie – vorher waren es gerade einmal vier.

Politik treibt Infrastruktur voran

Die Bundesregierung gibt ebenfalls Impulse. Auf der Digital Health Conference 2025 in Berlin kündigte das Gesundheitsministerium eine Strategie zur Stärkung der Telematikinfrastruktur an. Die nächste Ausbaustufe "TI 2.0" soll die Architektur vereinfachen und den Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA) sowie des E-Rezepts vorantreiben.

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Ein besonderes Kapitel ist die pharmazeutische Forschung im Weltraum. Mit der geplanten Außerdienststellung der Internationalen Raumstation ISS um 2030 steht die Branche vor einer ungewissen Zukunft. Dabei gab es bemerkenswerte Erfolge: Merck & Co. erhielt 2025 die FDA-Zulassung für ein subkortikales Medikament, das auf ISS-Experimenten basiert.

Milliarden für die Volkswirtschaft

Das ifo Institut schätzt den jährlichen Beitrag der Pharmaindustrie zur deutschen Wirtschaft auf rund 55 Milliarden Euro. Die Branche bleibt ein Schwergewicht – und die Digitalisierung ihr wichtigster Hebel für die Zukunft. Aktuell hält BlackRock Inc. einen Anteil von 8,09 Prozent an Merck KGaA, ein Zeichen für das anhaltende Investoreninteresse.

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