Samsung, KI-Zugang

Samsung öffnet KI-Zugang: ChatGPT und Gemini ab Juni für Mitarbeiter

26.05.2026 - 09:08:45 | boerse-global.de

Samsung gibt KI-Tools für Mitarbeiter frei und kündigt intelligente Brillen an. Bis 2030 sollen alle Fabriken vollautomatisiert sein.

Samsung öffnet KI-Zugang: ChatGPT und Gemini ab Juni für Mitarbeiter - Foto: über boerse-global.de
Samsung öffnet KI-Zugang: ChatGPT und Gemini ab Juni für Mitarbeiter - Foto: über boerse-global.de

Der südkoreanische Elektronikriese krempelt seine Strategie um: Externe KI-Tools werden freigegeben, intelligente Brillen kommen im Herbst – und bis 2030 sollen alle Fabriken vollautomatisiert sein.

Samsung Electronics vollzieht eine radikale Kehrtwende. Ab Juni 2026 erhalten Mitarbeiter der Device eXperience (DX)-Division Zugriff auf externe KI-Plattformen wie ChatGPT, Gemini und Claude. Bislang waren solche Dienste aus Sicherheitsbedenken strikt verboten. Der Schritt ist Teil der sogenannten „AI Transformation" (AX), die Konzernchef Roh Tae-moon zur Chefsache erklärt hat.

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Der Weg zur KI-Offensive

Die Entscheidung fiel nicht über Nacht. Bereits zwischen April und Mai testete Samsung in einem Pilotprojekt mit rund 2.500 Mitarbeitern, wie sich die externen KI-Tools in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Das Ergebnis: Eine Kombination aus dem hauseigenen System Samsung Gauss und den etablierten Plattformen verspricht die größten Produktivitätsgewinne.

Doch der Zugang ist nicht bedingungslos. Alle Mitarbeiter müssen vor der Nutzung eine verpflichtende Sicherheitsschulung absolvieren. Ziel ist es, die Weitergabe sensibler Unternehmensdaten an externe Server zu verhindern – ein Risiko, das in der Branche zunehmend diskutiert wird.

Intelligente Brillen: Samsungs nächster Coup

Noch in diesem Herbst will Samsung mit einer neuen Produktkategorie auf den Markt kommen: „Intelligent Eyewear" – smarte Brillen ohne Display, die zunächst in Zusammenarbeit mit den Mode-Optikern Gentle Monster und Warby Parker erscheinen.

Die technische Basis bildet das Betriebssystem Android XR in Kombination mit Googles Gemini-KI. Die Brillen verfügen über eine Frontkamera, Mikrofone, Lautsprecher und Touch-Steuerung. Eine integrierte LED zeigt an, wenn Aufnahmen gemacht werden – ein wichtiges Signal für den Datenschutz. Gesteuert werden die Brillen über die Galaxy Watch, kompatibel sind sie sowohl mit Android- als auch mit iOS-Geräten.

Modelle mit integrierten Displays sind für die Jahre 2027 und 2028 geplant – ein klares Zeichen, dass Samsung langfristig auf diese Technologie setzt.

Die Fabrik der Zukunft: Menschliche Roboter am Band

Parallel zu den Software- und Wearable-Projekten treibt Samsung die Automatisierung seiner Produktion voran. Bis 2030 sollen alle Fertigungsstätten weltweit zu KI-gesteuerten „Smart Factories" umgebaut werden. Digitale Zwillinge und autonome KI-Agenten sollen künftig komplexe Logistik- und Montageprozesse steuern.

Ein zentraler Baustein dieser Strategie: humanoide Roboter. Sie sollen schrittweise in die Fertigung integriert werden und dort immer anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. Samsung ist mit diesem Vorhaben nicht allein – die gesamte südkoreanische Industrie bewegt sich in diese Richtung.

Die Hyundai Motor Group hat bereits eigene Einheiten für ihre „Software Defined Factory"-Strategie gegründet. Das Unternehmen plant, bis 2028 jährlich 30.000 humanoide Roboter zu produzieren – 25.000 davon sollen in den eigenen Hyundai- und Kia-Werken zum Einsatz kommen. Der von Boston Dynamics entwickelte Atlas-Roboter soll ab 2028 in Hyundais Metaplant America in Georgia Bauteile sortieren, die vollständige Montage soll 2030 folgen.

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Interne Spannungen: Lohnstreit überschattet die Wende

Die rasche Transformation hin zu KI und Automatisierung fällt in eine Zeit interner Konflikte. Am heutigen Dienstag kündigte die Samsung Electronics Companion Union an, eine einstweilige Verfügung beim Bezirksgericht Suwon zu beantragen. Die Gewerkschaft, die rund 13.000 Mitglieder vor allem aus der DX-Division vertritt, will damit eine Abstimmung über den vorläufigen Tarifabschluss für 2026 verhindern.

Der Vorwurf: Die übergeordnete Samsung-Gruppengewerkschaft versuche, bestimmte Stimmrechte auszuschließen, um eine geschlossene Front der DX-Mitarbeiter zu verhindern. Hintergrund sind massive Gehaltsunterschiede zwischen den Divisionen: Während Mitarbeiter der Halbleitersparte (DS) Boni zwischen 210 und 600 Millionen Won erhielten, bekamen ihre Kollegen in der DX-Division Aktien im Wert von rund 6 Millionen Won.

Technologische Durchbrüche im Speichergeschäft

Trotz der internen Querelen treibt Samsung seine technologische Führungsrolle voran. Im Bereich der Speicherchips gelang ein bedeutender Durchbruch: Der Prototyp eines 900-Lagen-V-NAND wurde entwickelt. Möglich wurde dies durch die sogenannte Cell Multi-Bonding (CMB)-Technologie, bei der zwei 450-Lagen-Wafer verbunden werden.

Damit liegt Samsung deutlich vor der Konkurrenz: SK Hynix erreicht derzeit 321 Lagen, Chinas YMTC strebt 300 Lagen an. Der Prototyp ebnet den Weg für die Entwicklung von 1.000-Lagen-NAND-Speicher – ein entscheidender Vorsprung in einem hart umkämpften Markt.

Wettbewerb verschärft sich weltweit

Der globale Wettlauf um humanoide Robotik und KI-Integration gewinnt an Fahrt. Figure AI meldete kürzlich, dass seine Figure 03-Roboter eine 200-stündige autonome Schicht ohne einen einzigen Hardware-Ausfall absolviert haben. Dabei verarbeiteten die Roboter mit dem Helix-02-KI-System fast 250.000 Pakete – mit einer Geschwindigkeit von etwa drei Sekunden pro Paket, vergleichbar mit menschlicher Leistung.

In China hat UBTECH Aufträge im Wert von 800 Millionen Yuan von Großkunden wie BYD, Geely und Foxconn erhalten. In Partnerschaft mit Siemens will das Unternehmen bis Ende 2026 jährlich 10.000 humanoid Einheiten produzieren. Auf jüngsten Messen zeigten die Roboter bereits beeindruckende Geschicklichkeit – inklusive Ballett-Tänzen an der Seite menschlicher Tänzer.

Auch der DRAM-Markt ist in Bewegung: ChangXin Memory Technologies (CXMT) meldete für das erste Quartal 2026 ein Umsatzwachstum von über 700 Prozent im Jahresvergleich. Das chinesische Unternehmen hält inzwischen fünf Prozent des globalen DRAM-Marktes und bereitet einen Börsengang vor.

Ausblick: 2028 als Wendepunkt

Für Samsung wird der Erfolg der AX-Strategie davon abhängen, wie reibungslos die Integration externer KI-Tools gelingt und ob die Arbeitskonflikte beigelegt werden können. Die Einführung der intelligenten Brillen im Herbst wird zum ersten öffentlichen Test, ob Samsung Gemini-KI und Unterhaltungselektronik überzeugend verbinden kann.

Die Industrie blickt bereits auf das Jahr 2028, das mehrere Großkonzerne als Wendepunkt für den massiven Einsatz humanoider Roboter identifiziert haben. Mit Hyundais Ziel von 30.000 Einheiten und Samsungs schrittweisem Rollout zeichnet sich eine fundamentale Transformation ab – sowohl in den Büros als auch auf den globalen Produktionsflächen. Ein Indiz für diese Entwicklung: Der kürzlich eröffnete, 16.500 Quadratmeter große Galaxy Robot Park in Seoul plant für Ende 2026 eine Welttournee mit K-Pop-tanzenden humanoiden Robotern.

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