Samsung lockt Tech-Riesen: AMD, Google, Tesla verhandeln über Chips
19.06.2026 - 10:36:33 | boerse-global.de
Der südkoreanische Halbleiterriese Samsung hat eine strategische Partnerschaft mit dem US-Startup Claros geschlossen. Ziel ist die Produktion spezialisierter Halbleiter für Künstliche Intelligenz. Die Vereinbarung vom 19. Juni 2026 ist ein wichtiger Schritt in Samsungs Bemühungen, sein KI-Ökosystem auszubauen. Immer mehr Technologiekonzerne suchen Alternativen zum Branchenführer TSMC.
Produktion in Texas für effizientere Stromversorgung
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Im Rahmen des Abkommens fertigt Samsung integrierte Spannungsregler (IVR) für Claros in seinem Werk in Austin, Texas. Die Produktion nutzt Samsungs 14-Nanometer-FinFET-Technologie. Diese IVR-Komponenten sollen den wachsenden Energiebedarf von KI-Infrastrukturen senken. Claros zufolge lässt sich der Energieverlust um bis zu 30 Prozent reduzieren.
„Die Stromversorgung auf Prozessorebene ist zu einer der größten Herausforderungen für KI-Infrastrukturen geworden“, sagt Margaret Han, Executive Vice President bei Samsung Foundry USA. Für Claros ist es der erste Fertigungsauftrag überhaupt. Das Startup hatte kürzlich eine Seed-Finanzierung in Höhe von 30 Millionen Euro abgeschlossen. CEO Daniel Kultran betont, die Zusammenarbeit biete die nötige Massenproduktion, die Kunden zuvor wegen Skalierungsproblemen verunsichert hatte.
Tech-Giganten suchen Ausweg aus TSMC-Abhängigkeit
Die Ankündigung fällt mit Berichten zusammen, wonach mehrere der weltweit größten Technologiekonzerne Samsung Foundry für High-End-Chips prüfen. Branchenkreisen zufolge ist TSMCs Kapazität für fortschrittliche Prozesse durch Apple und Nvidia stark ausgelastet. Andere Unternehmen suchen daher alternative Wege, um Lieferkettenrisiken zu minimieren.
AMD führt demnach Gespräche mit Samsung über die Fertigung künftiger CPUs, darunter Epyc-Serverprozessoren. Ein Produktionsstart wäre frühestens 2028 möglich. Die Verhandlungen drehen sich um Samsungs 2-Nanometer-Technologie. Auch Google erwägt Samsung für die Herstellung seiner nächsten Axion-Prozessoren sowie Komponenten für die zehnte Generation seiner Tensor Processing Units (TPUs), intern „Icefish“ genannt.
Tesla vertieft seine Beziehung zu Samsung ebenfalls. Der Elektroauto-Pionier plant, seinen AI6-Chip exklusiv im texanischen Samsung-Werk zu produzieren. Das Projekt ist mit einer Investition von rund 16,5 Milliarden Euro verbunden. Der chinesische Autobauer BYD verhandelt zudem über die Fertigung von Chips für autonomes Fahren – sowohl auf 4-Nanometer- als auch auf 2-Nanometer-Basis.
Wandel in der globalen Chip-Landschaft
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Das Interesse von AMD, Google und BYD zeigt einen wachsenden „Multi-Foundry“-Trend unter großen Chip-Designern. TSMC bleibt zwar dominant, doch seine Kapazitätsgrenzen bis mindestens 2028 öffnen Samsung Türen für Aufträge unterhalb der 5-Nanometer-Grenze. Samsungs „Turnkey“-Ansatz – die Integration von Speicher, Foundry-Diensten und moderner Verpackung – gilt als Wettbewerbsvorteil für Kunden, die schlanke Produktion suchen.
Andere KI-Chip-Hersteller nutzen Samsungs Dienste bereits. Groq fertigt seine LP30-KI-Inferenzprozessoren auf Samsungs 4-Nanometer-Knoten. Samsung hat zudem Aufträge von Qualcomm erhalten und wird offenbar von Neuralink für die Produktion von Hirnimplantat-Chips in Betracht gezogen.
Trotz des Interesses kämpft Samsung weiter mit Herausforderungen: Die Ausbeute bei 2-Nanometer-Prozessen und die hohen Kosten mehrerer Foundry-Partner bleiben kritische Punkte. Doch die globalen KI-Infrastrukturinvestitionen sollen 2026 rund 725 Milliarden Euro erreichen. Die Nachfrage nach diversifizierten Fertigungskapazitäten treibt die Verhandlungen in der Halbleiterbranche weiter an.
