Safe Hearts Plan: EU will vorzeitige Herz-Kreislauf-Todesfälle um 25 Prozent senken
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der europaweiten Bemühungen zur Senkung der Sterblichkeitsraten durch nichtübertragbare Krankheiten hat die EU-Kommission eine umfassende Empfehlung für kardiovaskuläre Gesundheits-Checks vorgelegt. Diese Initiative ist ein zentraler Bestandteil des im Dezember 2025 vorgestellten „Safe Hearts Plan“.
Ziel der Strategie ist es, die vorzeitige kardiovaskuläre Mortalität bis zum Jahr 2035 um 25 Prozent zu reduzieren. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten mit jährlich rund 1,7 Millionen Todesfällen als die häufigste Todesursache innerhalb der Europäischen Union.
Der Safe Hearts Plan: Prävention als europäische Priorität
Die neuen Leitlinien der EU-Kommission sehen eine stärkere Systematisierung von Früherkennungsuntersuchungen vor. Im Fokus stehen dabei die Parameter Blutdruck, Cholesterinspiegel und Blutzucker. Für Personen über 65 Jahren wird empfohlen, diese Checks alle drei bis fünf Jahre durchzuführen. Bei einer bekannten familiären Vorbelastung rät die Kommission bereits für Menschen unter 35 Jahren zu entsprechenden Untersuchungen.
Nach Einschätzung der Kommission könnten etwa 80 Prozent der kardiovaskulären Erkrankungen durch die gezielte Reduktion beeinflussbarer Risikofaktoren vermieden werden. Dazu zählen neben Bluthochdruck und erhöhten Cholesterin- sowie Blutzuckerwerten auch Adipositas. Ergänzend dazu soll im Jahr 2027 die ganzjährige Kampagne „Know Your Numbers“ die Bevölkerung für die Bedeutung der eigenen Vitalwerte sensibilisieren.
Ökonomische Belastung und epidemiologische Trends
Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind erheblich. Daten der OECD beziffern die jährlichen gesamtgesellschaftlichen Kosten EU-weit auf rund 282 Milliarden Euro. Für Österreich werden die Kosten auf etwa 8,5 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Dort entfallen über ein Drittel aller Todesfälle auf diesen Bereich, wobei statistisch gesehen alle 17 Minuten ein Mensch an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verstirbt. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Im Jahr 2024 starben in Österreich mit 16.311 Frauen rund 7 Prozent mehr Patientinnen an diesen Erkrankungen als Männer.
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In Deutschland zeigt das Update 2026 des Deutschen Herzberichts differenzierte Entwicklungen. Die Sterberate bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) sank binnen eines Jahres um 7,1 Prozent auf 118,3 Gestorbene pro 100.000 Einwohner.
Dennoch stieg die Zahl der vollstationären Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten im Jahr 2024 auf über 1,65 Millionen Fälle an. Ein deutlicher Anstieg der Hospitalisationsrate von 13,3 Prozent seit 2012 wurde insbesondere in der Altersgruppe der 75- bis unter 85-Jährigen registriert.
Nationale Umsetzungen und niederschwellige Angebote
Um die Erreichbarkeit von Vorsorgemaßnahmen zu erhöhen, setzen Fachorganisationen auf eine stärkere Vernetzung von Apotheken und Hausarztpraxen. Die Österreichische Apothekerkammer gab bekannt, dass bereits 91 Prozent der dortigen Apotheken Blutdruck-Screenings anbieten.
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Eine Modellaktion zur Diabetes-Vorsorge in Kärntner Apotheken verdeutlicht das Potenzial: Von knapp 5.200 Teilnehmern konnten 1.923 Fälle von Prädiabetes sowie 178 bislang unbekannte Diabeteserkrankungen identifiziert werden. Gerhard Kobinger, Vizepräsident der Kammer, betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einfach erreichbarer Vorsorgeangebote.
In Deutschland fordert die Assmann-Stiftung für Prävention eine strukturelle Stärkung der Vorsorge durch zivilgesellschaftliches Engagement. Mit digitalen Bildungsinitiativen wie „Deutschland bestimmt das Herzalter!“ haben bereits mehr als 935.000 Personen anonym ihr persönliches Risiko ermittelt.
Medizinische Zielwerte und digitale Präventionsansätze
Für die klinische Einordnung der Risiken spielen LDL-Cholesterin-Zielwerte eine entscheidende Rolle. Fachleute wie die Kardiologin Prof. Dr. Ksenija Stach weisen darauf hin, dass die Zielwerte je nach Risikoprofil variieren: Während für Personen ohne weitere Risikofaktoren ein LDL-Wert unter 116 mg/dl angestrebt wird, liegt die Grenze bei Diabetespatienten unter 100 mg/dl und bei einer Erkrankungsdauer von über zehn Jahren unter 70 mg/dl.
Flankiert werden diese medizinischen Vorgaben durch staatliche Digitalangebote. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit betreibt im Auftrag des Gesundheitsministeriums einen digitalen Präventionspool, der über 200 nichtkommerzielle Angebote bündelt.
Gesundheitsministerin Judith Gerlach rief dazu auf, den bereits mehr als 250 Maßnahmen umfassenden „Masterplan Prävention“ durch weitere Akteure zu ergänzen. Auch in Österreich ist mit „Mein Herzplan“ ein digitales Managementtool für die Herzgesundheit in der Entwicklung, um die Vorsorge bis 2035 zu modernisieren.
