Säurehaltige Getränke: Warum Zähneputzen nach Kaffee und Saft schaden kann
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 12:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Tages der Zahngesundheit am 25. September 2026 rücken Experten die enge Verbindung zwischen Vorsorge, Ernährungsgewohnheiten und allgemeiner Gesundheit in den Fokus. Aktuelle Empfehlungen verdeutlichen, dass eine umfassende Zahnhygiene weit über das reine Zähneputzen hinausgeht und bereits im Kindesalter durch gezielte Ernährungsaspekte gefestigt werden muss.
Die Bedeutung des Kauvorgangs für die körperliche Entwicklung
Ein zentraler Schwerpunkt der diesjährigen Aufklärung liegt auf der physiologischen Bedeutung des Kauens. Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“ hebt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hervor, dass intensives Kauen nicht nur die Verdauung und die Sprachentwicklung unterstützt, sondern auch die Mundgesundheit maßgeblich fördert. Es gebe zudem Hinweise darauf, dass die Aufrechterhaltung der Kaufunktion bis ins hohe Alter zum Erhalt kognitiver Fähigkeiten beitragen könne.
Die AOK Donau-Ries präzisiert diese Zusammenhänge. Laut der Ernährungsexpertin Cornelia Zink fördere das Kauen die Durchblutung des Zahnfleischs. Der dabei angeregte Speichelfluss spiele eine entscheidende Rolle bei der Neutralisierung von Säuren und der Entfernung von Speiseresten.
Insbesondere bei Kindern unterstütze kräftiges Kauen die Entwicklung von Kiefer und Zähnen. Neuere Studien deuten zudem auf positive Effekte auf die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und eine mögliche Stressreduktion hin.
Wirtschaftliche Aspekte und politische Forderungen zur Vorsorge
Neben den medizinischen Vorteilen betonen Fachverbände die ökonomische Relevanz der Prävention. Christian Öttl, Bundesvorsitzender des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ), warnt davor, die Vorsorge trotz steigender Ausgaben im Gesundheitswesen zu vernachlässigen.
Wer an dieser Stelle spare, riskiere später deutlich höhere Behandlungskosten. Frühe Vorsorgemaßnahmen könnten Erkrankungen entweder gänzlich verhindern oder in einem Stadium erkennen, in dem sie noch effizient behandelbar seien.
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Die BZÄK schließt sich dieser Forderung an und verlangt eine stärkere politische Gewichtung der Gesundheitsförderung. Kürzungen bei bestehenden Präventionsangeboten seien laut der Kammer kontraproduktiv für die langfristige Kostenentwicklung im Gesundheitssystem.
Risiken durch Ernährungsgewohnheiten und ergänzende Pflegemittel
Ein kritischer Blick wird auf den Konsum säurehaltiger Lebensmittel und Getränke geworfen. Das Landratsamt Lörrach weist darauf hin, dass insbesondere Säuren in Energydrinks den Zahnschmelz angreifen, während Zucker die Entstehung von Karies begünstige.
Die Zahnärztin Rahel Myklebust warnt in diesem Zusammenhang davor, die Zähne unmittelbar nach dem Konsum von Kaffee, Säften oder Limonaden zu putzen. Da Säuren den Zahnschmelz vorübergehend erweichen, könne mechanisches Putzen die Zahnsubstanz abtragen. Empfohlen wird stattdessen, den Mund zunächst mit Wasser auszuspülen.
Hinsichtlich der Nutzung von Mundspülungen mahnt BZÄK-Vizepräsident Ralf Hausweiler zur Zurückhaltung. Eine langfristige, eigenmächtige Anwendung sei meist nicht notwendig, sofern die Reinigung der Zähne und Zwischenräume gründlich erfolge. Er warnt vor stark antiseptischen oder alkoholhaltigen Produkten, welche die Schleimhäute reizen und das orale Mikrobiom beeinflussen könnten.
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Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2017 sah zudem einen statistischen Zusammenhang zwischen zweimal täglicher Nutzung und einem häufigeren Auftreten von Prädiabetes, wobei ein Kausalbeweis aussteht. Eine belgische Studie mit 59 Personen aus dem Jahr 2024 bestätigte zudem Veränderungen der Mundflora nach dreimonatiger Anwendung.
Bildungsinitiativen und technologische Unterstützung
Um das Bewusstsein für zahngesunde Ernährung zu stärken, finden bundesweit Projekte statt. In Anklam lernten rund 130 Grundschüler die Gestaltung eines zahngesunden Frühstücks kennen, während in Thüringen und im Landkreis Lörrach ähnliche Aktionen durchgeführt werden. Dabei stehen praktische Stationen zur KAI-Putztechnik und die Zubereitung gesunder Mahlzeiten im Vordergrund.
Flankiert werden diese Bemühungen durch technologische Entwicklungen im Bereich der häuslichen Pflege. Anbieter wie emmi-dent bewerben Ultraschallzahnbürsten, die mittels hoher Schwingungszahlen und digitalem Feedback über Apps die Pflege unterstützen sollen.
Fachratgeber betonen jedoch, dass solche Hilfsmittel die korrekte Technik – etwa das Führen im 45-Grad-Winkel – und den regelmäßigen Wechsel der Bürstenköpfe alle drei Monate nicht ersetzen. Auch digitale Unterstützung entbinde Patienten nicht von der notwendigen professionellen Diagnose durch den Zahnarzt.
