Säureblocker: Langzeiteinnahme erhöht Demenzrisiko um 44%
02.07.2026 - 23:35:25 | boerse-global.de
Das kann gefährlich werden. Eine aktuelle Studie zeigt: Die Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) erhöht das Risiko für schwere Atemwegskomplikationen.
Die im Juni in Chest veröffentlichte Analyse von über 932.000 Erwachsenen belegt: Bei Asthma- oder COPD-Patienten steigt das Risiko für plötzliche Symptomverschlechterungen um durchschnittlich 18 Prozent. Bei Höchstdosierungen sind es sogar 25 Prozent.
Demenzrisiko steigt ebenfalls
Noch alarmierender sind die neurologischen Nebenwirkungen. Eine Publikation in Nature Metabolism assoziiert die Langzeiteinnahme von PPI mit einem um 44 Prozent erhöhten Demenzrisiko.
Die gute Nachricht: Wer die Säureblocker nur kurz gegen akuten Reflux nimmt, muss sich keine Sorgen machen. Fachleute sehen hier weiterhin keine Bedenken.
Diabetes-Medikamente schützen das Gehirn
Während einige Mittel Risiken bergen, zeigen andere unerwartete Schutzfunktionen. Langzeitdaten des National Institutes of Health (NIH) und britische Studien (2007 bis 2021) belegen: SGLT2-Hemmer senken das Alzheimerrisiko um 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent.
Auch Impfungen entfalten neuroprotektive Wirkung. Eine walisische Untersuchung zeigt: Die Gürtelrose-Impfung reduziert das Demenzrisiko über sieben Jahre um rund 20 Prozent. Noch deutlicher fällt der Effekt bei Grippeimpfungen aus: Hochdosis-Vakzine senkten das Alzheimer-Risiko innerhalb von zwei Jahren um fast 55 Prozent.
Fischöl schützt Dialysepatienten
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Die Charité Berlin liefert weitere positive Ergebnisse. In einer randomisierten Doppelblindstudie (2023 bis 2026, 1.200 Probanden) senkte die tägliche Gabe von 1,5 Gramm Fischöl das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Dialysepatienten um 43 Prozent – über 18 Monate hinweg.
Adipositas: Bessere Werte im Alter
Eine groß angelegte Lancet-Studie des NCD-RisC-Netzwerks wertete Daten von fast einer Million Menschen aus (1990 bis 2024). Das Ergebnis: Bei adipösen Erwachsenen ab 40 Jahren nähern sich Blutdruck- und Cholesterinwerte denen von Normalgewichtigen an – vorausgesetzt, sie nehmen Statine und Blutdrucksenker.
In England und den USA erhalten über 70 Prozent der adipösen Männer zwischen 60 und 79 Jahren Lipidsenker. Bei normalgewichtigen Gleichaltrigen ist es nur knapp die Hälfte. Ein Problem bleibt: Jüngere Adipöse zwischen 20 und 39 Jahren werden trotz ihres Risikoprofils kaum medikamentös behandelt.
Versorgung unter Druck
Die medizinische Versorgung älterer Patienten steht auch strukturell unter Druck. Pharma Deutschland warnt vor den Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Mehrfachbelastungen durch Herstellerabschläge und Preis-Mengen-Regelungen könnten besonders in der Onkologie sowie bei Herz-Kreislauf- und Diabetes-Therapien zu Versorgungsrisiken führen.
Gleichzeitig steigen die Eigenanteile in der stationären Pflege. Ein Gutachten der Universität Bremen im Auftrag der DAK zeigt: Geplante Reformen könnten den durchschnittlichen Eigenanteil um 161 Euro pro Monat erhöhen. In den ersten viereinhalb Jahren entstünden zusätzliche Kosten von knapp 20.000 Euro pro Person. Experten prognostizieren: Die Sozialhilfequote in der Pflege könnte bis 2035 auf über 46 Prozent steigen. Das belastet Kommunen mit Milliardenausgaben.
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Apothekenreform: Entlastung erst 2027
In der pharmazeutischen Versorgung vor Ort ist eine Entlastung erst mittelfristig in Sicht. Das Apotheken-Reformgesetz tritt zwar in Kraft, doch die begrenzte Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept für Chroniker und in Akutfällen wird voraussichtlich erst ab Sommer 2027 nach Empfehlungen des BfArM praktisch umsetzbar sein.
