Säuglingsnahrung, Cereulid-Kontamination

Säuglingsnahrung: Cereulid-Kontamination zeigt Risiken in Lieferketten

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 17:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kontaminiertes Öl löste zahlreiche RASFF-Meldungen aus. Der Fall verdeutlicht die Bedeutung internationaler Behördenkooperation bei Säuglingsnahrung.

Cereulid-Fall zeigt Reichweite des europäischen RASFF-Warnsystems
Edelstahltanks und Rohrleitungen in einer sterilen industriellen Lebensmittelverarbeitungsanlage. Illustration mit AI erstellt.

Im Dezember 2025 führte der Nachweis des Toxins Cereulid in Säuglingsnahrung eines niederländischen Herstellers zu behördlichen Maßnahmen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hob in diesem Zusammenhang die zentrale Rolle des europäischen Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel (RASFF) hervor.

Der Fall zeigt, wie grenzüberschreitende Informationsketten bei sensiblen Lebensmitteln ineinandergreifen, um Risiken für Verbraucher frühzeitig einzudämmen.

Ursachenermittlung und internationale Lieferketten

Die Rückverfolgung der Kontamination lieferte im Januar 2026 konkrete Ergebnisse. Nach Angaben des BVL wurde kontaminiertes Arachidonsäure-Öl eines gemeinsamen chinesischen Lieferanten als Ursache für den Cereulid-Befund in der Säuglingsnahrung identifiziert.

Die weite Verzweigung moderner Lieferketten spiegelte sich in den darauffolgenden Monaten auch im Meldeaufkommen wider: Bis Mai 2026 registrierten die Behörden im Zusammenhang mit diesem Vorfall über 20 Originalmeldungen und rund 600 Folgemeldungen im RASFF-System. Davon wiesen 13 Meldungen einen direkten Bezug zu Deutschland auf.

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Auch Behörden außerhalb der Europäischen Union befassten sich mit den Auswirkungen der Lieferkette. Die indonesische Aufsichtsbehörde BPOM bestätigte, dass die im Land im Umlauf befindliche Säuglingsnahrung sicher sei.

Lediglich zwei Chargen des Produkts S-26 Promil Gold pHPro 1 von PT Nestlé Indonesia mit der Zulassungsnummer ML 562209063696 (Chargennummern 51530017C2 und 51540017A1) wurden wegen möglicher Cereulid-Verunreinigungen vorübergehend zurückgerufen. Dieser Rückruf erfolgte nach Angaben der BPOM freiwillig unter behördlicher Aufsicht; Krankheitsfälle wurden in Indonesien nicht gemeldet.

Jahresbilanz und Meldeschwerpunkte im RASFF

Die Dimensionen des europäischen Warnsystems verdeutlichen die Gesamtzahlen für das Jahr 2025. Laut BVL verzeichnete das RASFF in diesem Zeitraum insgesamt über 5.300 Original- und rund 18.000 Folgemeldungen.

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Deutschland übermittelte 2025 über 700 Originalmeldungen, was einem Anteil von rund 13 Prozent entsprach. Aus den Niederlanden stammten im selben Jahr 817 Originalmeldungen.

Detaillierte Einblicke in die Systematik des Netzwerks liefert zudem der vom tschechischen Ministerium für Landwirtschaft veröffentlichte RASFF-Jahresbericht 2025 (ISBN 978-80-7434-873-0). Der Bericht beziffert das EU-weite Aufkommen auf 5.344 Originalmeldungen.

Davon betrafen 405 Vorgänge Tschechien, von denen sechs wieder zurückgezogen wurden. Die tschechischen Meldungen unterteilten sich in 188 Warnungen, 201 Informationsmeldungen, 15 Zurückweisungen an den Grenzen sowie eine Neuheit.

Bezogen auf die Warenarten entfielen 88,6 Prozent aller Meldungen auf Lebensmittel, 6,2 Prozent auf Futtermittel und 5,2 Prozent auf Lebensmittelkontaktmaterialien. Zu den am häufigsten gemeldeten Produktgruppen zählten Süßwaren aufgrund von CBD- und THC-Funden, Fleisch wegen Belastungen mit Salmonellen sowie Obst und Gemüse im Zusammenhang mit Pestizidrückständen und Mykotoxinen.

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