Ruhepuls als Risikofaktor: Zu langsam oder zu schnell erhöht Schlaganfall-Gefahr
07.05.2026 - 10:53:34 | boerse-global.de
Forscher präsentieren überraschende Daten: Weder ein sehr niedriger noch ein sehr hoher Ruhepuls ist optimal für die Gehirngesundheit.
Auf der Europäischen Schlaganfall-Konferenz (ESOC) 2026 in Maastricht stellten Wissenschaftler diese Woche bahnbrechende Erkenntnisse vor. Die Studie mit rund 460.000 Teilnehmern der britischen UK-Biobank zeigt einen deutlichen U-förmigen Zusammenhang zwischen Ruhepuls und Schlaganfallrisiko. Über 14 Jahre hinweg wurden 12.290 Schlaganfälle dokumentiert.
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Der optimale Bereich: Zwischen 60 und 69 Schlägen pro Minute
Das Forscherteam um Dr. Dexter Penn vom Imperial College London identifizierte den Bereich zwischen 60 und 69 Schlägen pro Minute (bpm) als „Sweet Spot" mit dem geringsten Risiko. Weicht der Puls davon ab, steigt die Gefahr deutlich an.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Bei einem Ruhepuls unter 50 bpm steigt das Schlaganfallrisiko um 25 Prozent im Vergleich zur optimalen Gruppe. Liegt der Puls bei 90 bpm oder höher, schnellt das Risiko sogar um 45 Prozent nach oben. Diese Werte gelten für Menschen ohne vorbestehende Herzrhythmusstörungen.
Die Forscher betonen, dass der Ruhepuls damit ein präziseres Instrument zur Früherkennung von Risikopatienten sein könnte – besonders bei scheinbar gesunden Menschen.
Zwei Extreme, zwei Mechanismen
Die Studie untersuchte auch die biologischen Ursachen für diesen Zusammenhang. Und siehe da: Die beiden Extreme wirken auf unterschiedliche Weise.
Ein zu langsamer Puls (Bradykardie) begünstigt vor allem ischämische Schlaganfälle. Die Hypothese: Die verlängerte Entspannungsphase des Herzens reduziert die Durchblutung des Gehirns. Es entstehen Bedingungen, unter denen Hirngewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Ein zu schneller Puls (Tachykardie) erhöht dagegen das Risiko für beide Schlaganfallarten – sowohl ischämische als auch hämorrhagische. Die ständige mechanische Belastung schädigt die Gefäßwände, macht sie steifer und anfälliger für Verstopfungen oder Risse.
Die entscheidende Rolle von Vorhofflimmern
Ein wichtiges Detail der Maastrichter Forschung: Der U-förmige Zusammenhang zeigte sich nur bei Teilnehmern ohne Vorhofflimmern (AFib). Bei Patienten mit dieser Diagnose war der Effekt nicht nachweisbar.
Der Grund: Vorhofflimmern ist ein so dominanter Risikofaktor – es erhöht die Schlaganfallwahrscheinlichkeit um das Fünffache –, dass er die subtileren Effekte des Ruhepulses überdeckt. Für Menschen ohne diese Erkrankung könnte die regelmäßige Pulsmessung jedoch ein wertvolles Frühwarnsystem sein, das bei Standarduntersuchungen oft übersehen wird.
Neue Perspektiven für die Prävention
Die Ergebnisse passen in einen größeren trend der personalisierten Risikobewertung. Bereits Ende 2024 hatten die American Heart Association und die American Stroke Association ihre Präventionsleitlinien grundlegend überarbeitet. Der Blutdruck-Zielwert wurde von 140/90 auf unter 130/80 gesenkt, und die „Life's Essential 8" – darunter gesunder Schlaf, Bewegung und Gewichtsmanagement – rückten stärker in den Fokus.
Experten schätzen, dass bis zu 80 Prozent aller Schlaganfälle durch Lebensstiländerungen vermeidbar wären. Die Herausforderung: Risikopersonen frühzeitig identifizieren. Der Ruhepuls als nicht-invasiver, leicht messbarer Marker könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen.
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Was bedeutet das für die digitale Gesundheitsüberwachung?
Millionen Menschen tragen inzwischen Smartwatches oder Fitness-Tracker, die permanent den Puls messen. Die verbreitete Annahme „Je niedriger, desto besser" könnte nach diesen Erkenntnissen einer Differenzierung bedürfen.
Zwar führt hohe kardiovaskuläre Fitness oft zu einem niedrigen Ruhepuls. Doch die Studie deutet darauf hin, dass dieser Vorteil unterhalb eines bestimmten Schwellenwerts nicht nur verschwindet, sondern sich ins Gegenteil verkehren kann.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Die Forscher planen nun sogenannte Mendelsche Randomisierungsstudien, um zu klären, ob der Ruhepuls tatsächlich ursächlich wirkt oder nur ein Indikator für andere Gesundheitszustände ist. Zudem sollen kontinuierliche Messdaten über Monate und Jahre hinweg ausgewertet werden, statt einzelner Momentaufnahmen.
Klar ist: Ein Ruhepuls, der dauerhaft unter 50 oder über 90 Schlägen pro Minute liegt, sollte als klinisches Signal verstanden werden. Die Integration dieser Werte in bestehende Risikorechner könnte die Schlaganfall-Prävention deutlich präziser machen – und frühere Eingriffe ermöglichen, bevor es zu spät ist.
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