Rückenschmerzen: Neues Cannabis-Präparat Exilby seit September
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Krankenhaus St. Josef in Wuppertal-Elberfeld verfolgt mit dem Zukunftskonzept „Don't worry. Be active!“ eine umfassende Neustrukturierung seines medizinischen Profils. Im Zentrum dieser Strategie steht der gezielte Ausbau der Orthopädie als zentraler Schwerpunkt der Klinik.
Ziel des Konzepts ist es, Patienten durch eine spezialisierte Versorgung verstärkt zur körperlichen Aktivität zu motivieren. Diese Entwicklung spiegelt einen allgemeinen Trend in der Branche wider, bei dem Kliniken verstärkt auf technologische Innovationen und spezialisierte Kompetenzzentren setzen, um die Behandlungsqualität und Effizienz zu steigern.
Robotik und Materialinnovationen in der Gelenkchirurgie
Ein wesentlicher Treiber für die Qualitätssteigerung in der Orthopädie ist der Einsatz assistierender Technologien. Im St. Josef-Krankenhaus Essen-Werden wird seit Anfang September 2026 das Robotiksystem „Skywalker“ für den Ersatz von Kniegelenken eingesetzt. Die roboterassistierte Chirurgie soll hierbei die Präzision während des Eingriffs signifikant erhöhen.
Auch im St.-Vincenz-Krankenhaus Menden wurden Ende August erste erfolgreiche Operationen mit Roboterunterstützung in der Knieendoprothetik durchgeführt. Der zuständige Chefarzt Dr. Markus Walz betonte die Vorteile, die diese Technologie für die Patientensicherheit und das operative Ergebnis bietet.
Parallel zur Digitalisierung des Operationssaals gewinnen neue Materialien an Bedeutung. Das Krankenhaus Mittweida setzt bei Arthrosebehandlungen und Gelenkersatz auf schonendere Zugangswege sowie auf den Einsatz von Keramikprothesen. Diese dienen insbesondere als Alternative für Patienten mit Metallunverträglichkeiten. Ökonomisch betrachtet ist die Endoprothetik mit hohen Anforderungen verbunden.
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Im Kontext des „Rapid Recovery“-Konzepts, das in Österreich eine Entlassung nach zwei bis fünf Tagen ermöglicht, werden die Kosten für einen Krankenhausaufenthalt auf 11.500 bis 15.000 Euro beziffert. Eine hochwertige Prothese mit einer Haltbarkeit von 25 bis 30 Jahren verursacht dabei im Vergleich zu Standardmodellen Mehrkosten von etwa 1300 Euro in der Herstellung.
Multimodale Schmerztherapie und medikamentöse Entwicklungen
Die Notwendigkeit spezialisierter orthopädischer Konzepte wird durch epidemiologische Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) unterstrichen. Demnach sind 48,1 % der Frauen und 31,2 % der Männer ab 65 Jahren von Arthrose betroffen.
Die rheumatoide Arthritis betrifft etwa 1 % der Bevölkerung, wobei Frauen dreimal häufiger erkranken als Männer. In der Behandlung kommen neben klassischen NSAR-Präparaten wie Ibuprofen (400 mg rezeptfrei, 600 mg verschreibungspflichtig) zunehmend neue Therapieformen zum Einsatz.
Seit dem 1. September 2026 steht für die Behandlung chronischer Rückenschmerzen mit radikulärer Komponente das Präparat Exilby zur Verfügung. Der Cannabisblüten-Extrakt mit einem THC-Gehalt von 19 mg/ml wird eingesetzt, wenn Nicht-Opioid-Analgetika keine ausreichende Wirkung zeigen.
In einer Phase-III-Studie sank der NRS-Schmerzscore unter Anwendung des Extrakts um 1,7 Punkte, während die Placebogruppe eine Senkung um 0,5 Punkte verzeichnete. Als häufige Nebenwirkungen wurden Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit dokumentiert.
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Ergänzend zu medikamentösen Ansätzen informieren Hersteller wie die medi GmbH über spezialisierte Rückenorthesen aus recyceltem Material, die zur Stabilisierung und Entlastung bei Bandscheibenvorfällen beitragen sollen.
Strukturelle Veränderungen und spezialisierte Kompetenzzentren
Die Krankenhauslandschaft befindet sich zudem in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. In Sachsen-Anhalt wurde das BG Klinikum Bergmannstrost Halle Ende August 2026 als erstes Orthoplastisches Kompetenzzentrum zertifiziert. Durch die Bündelung von Unfallchirurgie und Plastischer Chirurgie soll eine integrierte Versorgung komplexer Verletzungen sichergestellt werden.
Gleichzeitig führen staatliche Reformen zu einer stärkeren Konzentration von Leistungen. In Rheinland-Pfalz sieht die Krankenhausreform ab Januar 2027 eine strikte Zuweisung von Leistungsgruppen vor. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise Revisionen von Hüftendoprothesen künftig nur noch an 17 von ursprünglich 39 Klinikstandorten durchgeführt werden dürfen.
Während spezialisierte Standorte wie das Städtische Krankenhaus Pirmasens Bestätigungen für ihre Leistungsbereiche erhielten, führt die Reform landesweit zur Umwandlung von sieben Krankenhäusern in sogenannte Regiokliniken für die Basisversorgung.
Patientenzentrierte Rehabilitation und rechtliche Einordnung
Über die akute operative Versorgung hinaus rückt die funktionelle Rehabilitation in den Fokus. Unternehmen wie Ottobock führen bereits seit 2011 weltweit Formate wie die „Running Clinic“ durch. Unter der Leitung des Paralympics-Siegers Heinrich Popow trainierten Anfang September 2026 Teilnehmer mit Beinamputation den Umgang mit Sportprothesen, um Mobilität und Lebensqualität zurückzugewinnen.
Rechtlich bleibt die Bewertung von Mobilitätseinschränkungen komplex. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen stellte in einem Urteil vom März 2026 klar, dass die Nutzung eines Rollstuhls allein nicht automatisch einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 rechtfertigt. Entscheidend bleibe die umfassende medizinische Dokumentation der zugrunde liegenden Funktionsstörungen, wobei Einzel-GdB-Werte nicht ohne Weiteres addiert werden dürfen.
