Rückenschmerzen, G-BA

Rückenschmerzen: G-BA setzt auf Bewegung statt Dauertherapie

22.06.2026 - 16:43:50 | boerse-global.de

Neue DMP-Regeln priorisieren körperliche Aktivität bei chronischen Rückenschmerzen. Die Umsetzung in der Praxis steht jedoch noch aus.

G-BA setzt auf Bewegung statt Pillen bei Rückenschmerzen
Rückenschmerzen - Eine Gruppe von Menschen in einem modernen Rehabilitationszentrum, die unter Anleitung sanfte Übungen zur Stärkung der Eigenaktivität durchführen. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Weg von Pillen und passiven Therapien, hin zu Bewegung als zentraler Säule. Die neuen Regeln für Disease-Management-Programme (DMP) sind beschlossen – doch die Umsetzung hakt noch.

Bewegung statt Medikamente

Am 21. Juni 2026 verabschiedete der G-BA aktualisierte Anforderungen für DMPs bei chronischem Rückenschmerz. Grundlage war eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das 425 Empfehlungen aus elf klinischen Leitlinien analysierte.

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Das Kernprinzip: Körperliche Aktivität wird zur tragenden Säule der Therapie. Medikamente dienen künftig nur noch dazu, Bewegung überhaupt erst zu ermöglichen. Eine medikamentöse Dauertherapie ist nicht mehr vorgesehen. Besonders wichtig ist den Experten die Vermeidung von Angst-Vermeidungs-Verhalten – der typischen Schonhaltung, die Schmerzen oft erst chronisch macht.

Doch der Beschluss ist noch nicht in der Praxis angekommen. Die nötigen Verträge zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern fehlen. Eine flächendeckende Umsetzung strebt der G-BA für 2026 an. Der Beschluss liegt derzeit zur rechtlichen Prüfung beim Bundesgesundheitsministerium.

Osteopathie weiter umstritten

Während Bewegungstherapie aufwertet wird, bleibt Osteopathie bei Kreuzschmerzen umstritten. Der Medizinische Dienst Bund bewertet das Verfahren im IGeL-Monitor erneut als „unklar“. Die Studienlage reicht nicht aus, um eine Überlegenheit gegenüber Placebo zu belegen.

Kosten von 80 bis 150 Euro pro Sitzung tragen Patienten meist selbst. Zwar gewähren viele Krankenkassen freiwillige Zuschüsse, Regelleistung ist die Osteopathie aber nicht. Hinzu kommt: Der Berufsstand der Osteopathen ist in Deutschland bislang nicht gesetzlich reguliert.

Parallel rücken komplementäre Ansätze in den Fokus. Forscher der SRH Heidelberg zeigten im Juni 2026, dass aktive Musiktherapie und synchrone Bewegungen zu Rhythmen Schmerzen lindern können. Solche Methoden helfen Patienten oft, psychische Barrieren zu überwinden und in Bewegung zu kommen.

Abnehmspritzen bremsen Bewegung

Neue Forschungsergebnisse vom Fachkongress ENDO in Chicago werfen ein Schlaglicht auf unerwartete Wechselwirkungen. Eine Studie mit 753 Probanden zeigt: Patienten unter GLP-1-Rezeptoragonisten – bekannt als Abnehmspritzen – bewegen sich deutlich weniger.

Die tägliche Schrittzahl sank von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Besonders stark fiel der Rückgang bei Männern und Menschen mit Gelenkschmerzen aus. Forscher warnen vor drohendem Muskelmasseverlust. Ihre Forderung: Wer Medikamente nimmt, braucht von Anfang an klare Bewegungsziele.

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Neue Regeln für Schwerbehinderung

Seit Oktober 2025 regelt die Versorgungsmedizin-Verordnung detaillierter, wann chronische Schmerzen den Grad der Behinderung erhöhen. Voraussetzung: Die Beschwerden müssen das übliche Maß der Grunderkrankung erheblich übersteigen und als eigenständige Diagnose vorliegen.

Die Änderungen kommen zu einer Zeit enormen Kostendrucks. Das Bundesgesundheitsministerium plant ein Sparpaket, das die GKV bis 2027 um rund 18,8 Milliarden Euro entlasten soll. Strukturierte Versorgung und Eigeninitiative der Patienten – genau das fördern die neuen DMPs – sollen teure Folgebehandlungen und Langzeitarbeitslosigkeit durch chronische Rückenleiden reduzieren.

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