Rückenschmerzen: Cannabis-Medikament Exilby ab September verfügbar
11.06.2026 - 06:30:41 | boerse-global.de
Und ihre Behandlung steht vor einem fundamentalen Wandel – mit neuen Medikamenten, explodierenden Kosten und einer Rückbesinnung auf alte Methoden.
Neues Cannabis-Medikament erhält Zulassung
Das Münchner Unternehmen Vertanical hat Anfang Juni die Zulassung für „Exilby“ erhalten. Das Medikament auf Cannabis-Basis ist speziell für chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente entwickelt worden. Ab September soll es in Deutschland und Österreich verfügbar sein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte dem Präparat zuvor bereits den Status einer „Breakthrough Therapy“ verliehen.
Anzeige: Chronische Rückenschmerzen trotz herkömmlicher Therapie? Das neue Cannabis-Medikament Exilby bietet eine vielversprechende Option – ohne Abhängigkeitspotenzial. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Ratgeber, ob Exilby für Sie geeignet ist und welche Alternativen es gibt. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Die Zulassung basiert auf Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten. Die Daten, unter anderem in Nature Medicine veröffentlicht, zeigen eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate und eine bessere Verträglichkeit als herkömmliche Opioide. Ein entscheidender Vorteil: Es fehlt ein Abhängigkeitspotenzial.
Doch die Begeisterung hält sich bei Fachleuten in Grenzen. „Die Schmerzreduktion von 1,9 Punkten im Vergleich zu 1,4 Punkten in der Placebo-Gruppe ergibt eine Differenz von nur 0,5 Punkten“, gibt Ulrike Bingel vom Universitätsklinikum Essen zu bedenken. Das sei nicht zwangsläufig klinisch relevant. Auch Prof. Petzke von der Deutschen Schmerzgesellschaft ordnet das Medikament eher als ergänzenden Baustein ein – nicht als therapeutische Revolution. Zudem stehen noch Preisverhandlungen mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss aus.
Physiotherapie: Kosten verdoppelt in zehn Jahren
Was nützen neue Medikamente, wenn die klassische Therapie immer teurer wird? Der Heilmittel-Report 2026 zeigt eine dramatische Entwicklung: Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Physio-, Ergo- und Sprachtherapie lagen 2025 bei rund 14,7 Milliarden Euro – ein Plus von 10,4 Prozent zum Vorjahr. Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Kosten nahezu verdoppelt. Fast 70 Prozent entfallen auf physiotherapeutische Leistungen.
Haupttreiber sind die 2024 eingeführten Blankoverordnungen. Sie erlauben Therapeuten, eigenständig über Auswahl und Frequenz der Behandlung zu entscheiden. Die Kostenunterschiede sind enorm: Eine ärztlich verordnete Therapie kostet durchschnittlich 214 Euro, eine Blankoverordnung rund 714 Euro. Im vierten Quartal 2025 war bereits jede zweite Verordnung bei Schulterbeschwerden eine Blankoverordnung. AOK-Vorstandschefin Carola Reimann fordert eine stärkere Evidenzprüfung, bevor das Modell auf weitere Diagnosegruppen ausgeweitet wird.
Manuelle Therapie: Weniger Opioide durch gezielte Eingriffe
Anzeige: Opioid-Abhängigkeit vermeiden: Das neue Cannabis-Medikament Exilby zeigt in Studien eine gute Verträglichkeit und kein Abhängigkeitspotenzial. Unser Ratgeber hilft Ihnen, den Überblick zu behalten – mit einer Checkliste zur Eignung und einer Übersicht über schonende Alternativen. Ratgeber jetzt kostenlos sichern
Neben Pharmakotherapie und Physiotherapie gewinnen manuelle Ansätze an Bedeutung – sofern sie durch Daten gestützt werden. Ein im Juni veröffentlichter systematischer Review des Osteopathen Seyed Mehrbod Atshani untersuchte die Wirkung manualtherapeutischer Eingriffe. Die Analyse von vier Studien mit 214 Probanden zeigt: Durch gezielte manuelle Therapie kann der Einsatz von Opioiden deutlich gesenkt werden. In einer Gruppe reduzierte sich die Dosis um 28 Prozent, die Kontrollgruppe verzeichnete nur 8 Prozent.
Experten wie Ulrich Hafkemeyer und Carsten Kramer betonen zudem den Grundsatz „konservativ vor operativ“. Anhand von Fallbeispielen zur Versorgung der unteren Extremitäten zeigen sie: Oft reichen koordinierte konservative Maßnahmen, um die Gehfähigkeit zu erhalten und eine unabhängige Lebensführung zu ermöglichen – ohne sofortige chirurgische Eingriffe.
Der Trend in der Schmerztherapie ist klar: Die Methoden werden vielfältiger. Während die Pharmaindustrie auf spezialisierte Cannabis-Extrakte setzt, fordern Kostenträger und Mediziner bei physikalischen Therapien mehr Qualitätsstandards und wissenschaftliche Evidenz.
