Rückenschmerzen: Bis zu 85 Prozent erleben mindestens einmal einen Hexenschuss
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nacken- und Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt – Schätzungen zufolge sind bis zu 85 Prozent der Menschen mindestens einmal im Leben von einem Hexenschuss betroffen, mit höchster Häufigkeit zwischen 25 und 55 Jahren. Der Neurochirurg Prof. Stephan Klessinger aus Ulm ordnet in einem Podcast die verschiedenen Schmerzformen ein und erklärt, wann Betroffene selbst aktiv werden können und wann ärztlicher Rat notwendig wird.
Unterschiedliche Schmerzformen erfordern unterschiedliche Antworten
Klessinger unterscheidet zwischen verschiedenen Ursachen von Nacken- und Unterrückenschmerzen und macht deutlich, dass nicht jeder Schmerz gleich behandelt werden sollte. Während viele Beschwerden muskulär bedingt sind und sich mit Bewegung und einfachen Maßnahmen bessern, gibt es Warnsignale, die auf ernstere Ursachen hindeuten und einen Arztbesuch erforderlich machen.
Eine Abgrenzung, die auch in weiteren Übersichten zum Thema auftaucht, betrifft den klassischen Hexenschuss (Lumbago) gegenüber einem Bandscheibenvorfall. Der Hexenschuss äußert sich durch plötzlich einschießende, stechende Schmerzen im unteren Rücken, starke Verspannungen und eine deutliche Bewegungseinschränkung.
Ein Bandscheibenvorfall hingegen zeigt sich meist durch anhaltende Rücken- und Beinschmerzen, Taubheitsgefühle und Kraftlosigkeit – Symptome, die über die typische Hexenschuss-Episode hinausgehen und ärztlich abgeklärt werden sollten.
Erste Hilfe bei akuten Beschwerden
Bei akutem Hexenschuss empfiehlt sich als Sofortmaßnahme die Stufenlagerung mit einem Kissen unter den Knien, ergänzt durch Wärmeanwendungen und vorsichtige, leichte Bewegungen. Von starrer Schonhaltung wird eher abgeraten, da Bewegung in der Regel die Genesung unterstützt. Als weiterführende Behandlungsoptionen kommen Physiotherapie, Akupunktur, Osteopathie, Chiropraktik sowie entzündungshemmende Medikamente und Muskelrelaxanzien in Betracht.
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Alltagsfaktoren als Auslöser
Ein erheblicher Teil der Beschwerden im oberen Rücken-, Schulter-, Nacken- und Kieferbereich lässt sich auf sitzende Tätigkeiten und Fehlhaltungen zurückführen, die auch Spannungskopfschmerzen begünstigen können.
Empfohlen werden eine korrekte Sitzhaltung, regelmäßige Pausen von Bildschirmarbeit, reduzierter Handykonsum, die Nutzung eines Headsets statt eingeklemmtem Telefon, ausreichender Schlaf sowie tägliche Dehn- und Kraftübungen und Massagen. Bei stressbedingten Verspannungen können Entspannungstechniken, Magnesium am Abend oder pflanzliche Beruhigungsmittel helfen.
Tritt Spannungskopfschmerz vor allem morgens auf, kann dies auf nächtliches Zähnepressen oder -knirschen beziehungsweise Kiefergelenkfehlstellungen hindeuten, wofür eine Beißschiene Linderung schaffen kann. Auch ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 3 Litern täglich wird als unterstützende Maßnahme genannt.
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Die richtige Schlafposition als oft unterschätzter Faktor
Auch die Wahl des Kissens spielt bei Nackenschmerzen eine Rolle. Ein mittelfestes Kissen hält den Kopf in der Regel in neutraler Linie mit der Wirbelsäule. Ein zu hartes Kissen kann Druckstellen und Verspannungen fördern, ein zu weiches lässt den Kopf absinken und den Nacken abknicken.
Als grobe Orientierung für die Kissenhöhe gelten für Seitenschläfer etwa 10 bis 14 Zentimeter, für Rückenschläfer etwa 8 bis 12 Zentimeter und für Bauchschläfer etwa 4 bis 8 Zentimeter.
Wann der Gang zum Arzt notwendig wird
Sowohl Klessinger als auch weitere Übersichten zum Thema betonen, dass bestimmte Symptome nicht in Eigenregie behandelt werden sollten. Anhaltende, ausstrahlende Beschwerden, Taubheit, Kribbeln, Kraftverlust oder Schmerzen nach einem Unfall gelten als klare Signale für eine ärztliche Abklärung.
Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte nicht auf Selbsttherapie setzen, sondern zeitnah medizinischen Rat einholen, um schwerwiegendere Ursachen wie einen Bandscheibenvorfall auszuschließen oder frühzeitig zu behandeln.
