Rückenschmerzen, Fälle

Rückenschmerzen: 85% der Fälle haben keine eindeutige Ursache

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Innovative Operationen verbessern Beweglichkeit und Mobilisation, während Experten vor Risiken und fehlenden Qualitätsstandards in Kliniken warnen.

Moderne Wirbelsäulen- und Gelenkchirurgie setzt neue Maßstäbe
Ein heller, moderner Operationssaal in einer Klinik mit medizinischen Geräten im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Kliniken in Deutschland und im Ausland setzen zunehmend auf spezialisierte chirurgische Verfahren, um Patienten mit Wirbelsäulen- und Gelenkproblemen nicht nur zu operieren, sondern deren körperliche Funktionalität und allgemeines Lebensgefühl nachhaltig zu verbessern.

Aktuelle Berichte aus mehreren Kliniken zeigen, wie unterschiedlich die Ansätze dabei ausfallen – von minimalinvasiven Techniken bei hochbetagten Patienten bis hin zu neuartigen, beweglichkeitserhaltenden Verfahren bei jungen Skoliose-Patienten.

Minimalinvasive Versorgung im hohen Alter

Am Zollernalb-Klinikum Balingen wurde einem über 90-jährigen Patienten nach einem komplexen Hüftpfannenbruch minimalinvasiv geholfen, wie der Schwarzwälder Bote in einem Bericht vom 21. September 2026 schilderte.

Ziel des Eingriffs war eine schnellere und sichere Mobilisation bei weniger Schmerzen. Zum Einsatz kam die NEXOS Pelvis P-Platte über einen sogenannten Pararectus-Zugang, während ein 3D-Bildwandler während der Operation Gelenkform und Implantatlage kontrollierte.

Die Operation verlief erfolgreich; der Patient konnte anschließend mobilisiert werden und war deutlich schmerzärmer. Die verwendete Platte wurde ursprünglich von Chefarzt Dr. Benjamin König gemeinsam mit Prof. Ulrich Stöckle und Dr. Aljoscha Schäffler an der Berliner Charité entwickelt.

Patientenspezifische 3D-Technik in der Wirbelsäulenchirurgie

Einen anderen technologischen Weg geht das St.-Vincenz-Hospital der KHWE in Brakel: Dort kommt bei Wirbelsäulenoperationen das sogenannte Template Guided System (TGS) zum Einsatz – patientenspezifische 3D-Führungsschablonen, wie nw.de am 20. September 2026 berichtete.

Grundlage sind CT-Daten und ein 3D-Modell, mit dessen Hilfe eine Software Länge, Durchmesser, Position und Ausrichtung der Schrauben plant. Die Schablonen selbst werden in der Schweiz im 3D-Druck hergestellt.

Neurochirurg Dr. Robert Luckner, der seit 2017 in Brakel tätig ist und zugleich am Medicum Detmold arbeitet, operiert mit diesem Verfahren bislang vor allem an der Lendenwirbelsäule. Es handelt sich laut dem Bericht um das einzige Verfahren dieser Art in den Kreisen Höxter und Lippe.

Neue Wege bei Skoliose im Jugendalter

Auch bei jüngeren Patienten zeigen sich innovative Ansätze. Die 14-jährige Rosa-Carmen Haasjes aus den Niederlanden leidet unter schwerer Skoliose. Wie zdfheute.de am 20. September 2026 berichtete, erhielt sie im Rahmen einer neuartigen Operation ein flexibles Kunststoffseil eingesetzt.

Durchgeführt wurde der Eingriff von Dr. Per Trobisch vom Wirbelsäulenzentrum Düren, dessen Verfahren darauf abzielt, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten, statt sie – wie bei klassischen Versteifungsoperationen üblich – zu fixieren. Die Patientin hofft nach dem Eingriff, das bislang notwendige Korsett loswerden und wieder schwimmen zu können.

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Rückenschmerzen ohne eindeutige Ursache

Ein weiterer Ansatz betrifft chronische, unspezifische Rückenschmerzen, für die laut zdf.de über 85 Prozent der Fälle in Deutschland keine eindeutige Ursache haben. Dr. Torsten Eichenauer vom MVZ Nienburg implantiert in solchen Fällen einen Neurostimulator in den unteren Rücken, der über Stromimpulse den tief liegenden Rückenmuskel aktivieren soll.

Prof. Heike Rittner vom Uniklinikum Würzburg betonte in diesem Zusammenhang, dass chronischer Rückenschmerz integrativ behandelt werden müsse – also nicht isoliert durch einen einzelnen Eingriff, sondern im Zusammenspiel verschiedener Therapieansätze.

Prominenter Fall: Wirbelsäulen-OP bei Vasco Rossi

Auch international sorgte ein Eingriff für Aufmerksamkeit: Der italienische Musiker Vasco Rossi wurde am 15. September 2026 in der Clinica Villalba in Bologna von Prof. Alessandro Gasbarrini an der Wirbelsäule operiert, wie ilrestodelcarlino.it am 20. September 2026 berichtete.

Grund war eine Spondylolisthese – ein Wirbelgleiten mit Kompression der Nervenwurzeln, die zwei Jahre lang behandelt worden war. Bei der Operation wurden vier Schrauben in den betroffenen Wirbeln gesetzt, der abgerutschte Wirbel zurückgeschoben sowie die beschädigte Bandscheibe entfernt und durch eine Prothese ersetzt.

Rossi wurde am 19. September 2026 entlassen; eine dreimonatige Physiotherapie ist geplant. Die übliche Klinikaufenthaltsdauer bei einem solchen Eingriff liegt laut dem Bericht bei etwa zehn Tagen.

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Wirbelkollaps als unterschätztes Risiko

Neben geplanten Eingriffen rückt auch die Prävention akuter Notfälle in den Fokus. Ein Wirbelkollaps, auch Kompressionsfraktur genannt, wird häufig durch Osteoporose verursacht und betrifft besonders Frauen nach den Wechseljahren, wie anodyne.ch in einem Bericht vom 21. September 2026 darstellte.

Typische Symptome sind plötzliche starke Rückenschmerzen, Fehlhaltungen und eingeschränkte Beweglichkeit; Taubheit, Lähmungen oder Inkontinenz gelten als Warnzeichen, die eine sofortige Abklärung erfordern. Die Diagnose erfolgt per Röntgen, MRT oder CT.

Behandelt wird je nach Schweregrad konservativ – etwa durch Schmerztherapie, Orthesen und Physiotherapie – oder chirurgisch mittels Vertebroplastie oder Kyphoplastie. Zur Prävention zählen ein konsequentes Osteoporose-Management sowie ausreichend Kalzium, Vitamin D und regelmäßige Bewegung.

Skoliose-Operationen bei Erwachsenen

Bei erwachsenen Skoliose-Patienten wird eine Operation erst erwogen, wenn Beschwerden, Fehlstellungen oder Nervenprobleme trotz konservativer Behandlung erheblich bleiben. Solche Eingriffe richten die Wirbelsäule je nach Befund teilweise auf und stabilisieren sie meist mit Schrauben, Stäben und einer Versteifung.

Zum Einsatz kommen unterschiedliche Methoden, darunter hintere Instrumentierung und Fusion, Dekompression, vordere oder seitliche Zugänge, Osteotomien sowie minimalinvasive Verfahren.

Zu den Risiken zählen Blutverlust, Infektionen, Thrombosen, Nervenverletzungen, eine ausbleibende Knochenfusion oder eine Implantatlockerung. Die Rehabilitation beginnt in der Regel bereits im Krankenhaus mit schrittweiser Mobilisation, gefolgt von individuell angepasster Physiotherapie.

Sorgfalt bei Operationen im Ausland

Wer sich für einen chirurgischen Eingriff im Ausland entscheidet, etwa in Kliniken wie Ac?badem, sollte laut einem Bericht von com.de vom 20. September 2026 vor der Reise Qualifikationen, Behandlungsplan, Kosten, Sprachunterstützung und Notfallwege genau prüfen.

Die Nachsorge sollte bereits vorab mit einer Praxis am Wohnort organisiert werden, und die Rückreise sollte erst nach medizinischer Freigabe erfolgen. Empfohlen wird, einen schriftlichen Kostenplan anzufordern, der Operation, Klinikaufenthalt, Diagnostik, Anästhesie, Implantate, Medikamente, Physiotherapie, Dolmetscherkosten und Nachuntersuchungen umfasst.

Eine gewöhnliche Auslandsreise-Krankenversicherung deckt geplante Operationen häufig nicht ab, weshalb die Kostenübernahme vorab schriftlich geklärt werden sollte. Als Warnzeichen nach einer Wirbelsäulen-OP gelten Lähmungen, Taubheit, Blasen- oder Darmstörungen, Atemnot, Brustschmerzen, einseitige Beinschwellungen, Fieber sowie Wundrötungen.

Qualitätssicherung als zentrale Stellschraube

Angesichts der wachsenden Zahl und Komplexität solcher Eingriffe warnt der GKV-Spitzenverband davor, gesetzliche Qualitätsanforderungen an Krankenhäuser zu lockern.

Verbindliche Vorgaben zu Personal, Erfahrung, technischer Ausstattung und sicheren Abläufen dürften nicht abgebaut werden, erklärte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis laut einem Bericht vom 21. September 2026. Wer die gesetzliche Qualitätssicherung schwäche, schwäche auch die Qualität der Patientenversorgung, so Stoff-Ahnis.

Als Beispiel führte der Verband den Hüftgelenkersatz an: Ein datengestütztes Qualitätssicherungsverfahren habe relevante Defizite bei circa fünf Prozent der Krankenhäuser gezeigt, die solche Eingriffe durchführen – dort träten vermehrt Komplikationen oder Todesfälle auf.

Die Beispiele aus Balingen, Brakel, Düren, Nienburg und Bologna verdeutlichen, wie unterschiedlich moderne Chirurgie heute auf die Bedürfnisse von Patienten eingeht – von hochbetagten Menschen mit Hüftbrüchen bis zu Jugendlichen mit Skoliose.

Gleichzeitig macht die Warnung des GKV-Spitzenverbands deutlich, dass technische Innovation allein nicht ausreicht: Ohne verlässliche Qualitätsstandards bleibt der Nutzen neuer Verfahren für die Patientenversorgung begrenzt.

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