RSV-Impfung: Eine Dosis senkt schwere Verläufe bei Älteren um 80 Prozent
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Fachberichte und behördliche Leitlinien beleuchten die Rolle von Schutzimpfungen vor der kalten Jahreszeit. Neben saisonalen Erregern wie Influenza, Coronaviren und dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) rückt die Prävention durch Impfstoffe auch bei tumorinduzierenden Krankheitserregern in den Fokus medizinischer Analysen.
Angepasste Strategien bei Covid-19 und Influenza
Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Richtlinien zur Basisimmunität für alle gesunden Erwachsenen mit Stand vom Juli 2026 aufgehoben. Eine jährliche Covid-19-Auffrischimpfung wird von der Stiko nun primär für Menschen ab 75 Jahren sowie für spezifische Risikogruppen empfohlen.
Zu diesen zählen Personen ab sechs Monaten mit Vorerkrankungen, Krebspatienten, Pflegeheimbewohner, medizinisches Personal und Schwangere ab dem zweiten Trimester bei besonderer Gefährdung. Für gesunde Erwachsene unter 75 Jahren, gesunde Kinder sowie Schwangere ohne Vorerkrankung sieht das Gremium keine Auffrischung vor.
Ulrike Protzer von der Technischen Universität München wies darauf hin, dass die Impfstoffe weiterhin einen guten Schutz gegen neue Virusvarianten bieten. Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und Stiko-Mitglied merkte an, dass eine Covid-19-Welle bereits im Spätsommer beginnen könne.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte in einem Positionspapier, an dem der HZI-Forscher Henning Jacobsen als externer Berater beteiligt war, aktualisierte Empfehlungen. Darin rät die WHO zu regelmäßigen Auffrischungen vor allem für Hochbetagte – wobei sie Altersgrenzen von 75 oder 80 Jahren nennt –, Pflegeheimbewohner und Menschen ab sechs Monaten mit Immunschwäche.
Diese Risikogruppen sollten mindestens eine Dosis jährlich, vorzugsweise zwei im Abstand von rund sechs Monaten, erhalten. Zudem hielt die WHO fest, dass Influenza- und Covid-19-Vakzine am selben Termin an verschiedenen Körperstellen verabreicht werden können.
Für die Grippeimpfung empfiehlt die Stiko weiterhin die jährliche Verabreichung unter anderem für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Stiko-Vorsitzender Reinhard Berner betonte allerdings Impflücken: Nur 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen und rund 10 Prozent der Kinder mit Grunderkrankungen seien gegen Influenza geimpft.
Wie hoch die Belastung des Gesundheitssystems ausfallen kann, zeigen Daten des Robert Koch-Instituts zur Saison 2025/26: Bei rund 180 Millionen registrierten Atemwegserkrankungen kam es zu 429.000 schweren akuten respiratorischen Infekten in Kliniken und etwa 22.700 Todesfällen.
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Regionale Vorgaben und Erweiterung um RSV
Auch kommunale und internationale Stellen passen ihre Empfehlungen an. Die Gesundheitsämter in Köln und im Rhein-Kreis Neuss raten neben der Grippeimpfung insbesondere Risikogruppen und älteren Menschen zu Auffrischungen gegen Corona, Pneumokokken sowie RSV. Im Rhein-Kreis Neuss wurden in der Saison 2025/26 insgesamt 856 laborbestätigte Grippefälle registriert.
In Österreich verzeichnete das Überwachungssystem zum Start der Saison 2026/27 erste Grippefälle nach Einschleppung aus Japan sowie eine Zunahme von SARS-CoV-2. Die Wiener Virologin Monika Redlberger-Fritz erklärte, dass die Corona-Impfung in den ersten 12 bis 16 Wochen zu 50 bis 60 Prozent vor Ansteckung schütze und schwere Verläufe verhindere.
Bei RSV könne eine einmalige Impfung schwere Verläufe bei über 60-Jährigen um 80 Prozent reduzieren. Eine Analyse des Instituts für pharmaökonomische Forschung im Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller beziffert den Nutzen: Von 2026 bis 2030 könnten durch Impfprogramme in Österreich rund 643.000 Krankheitsfälle und 3.600 Todesfälle abgewendet werden.
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Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Grippeimpfung ab 65 Jahren und dehnte die RSV-Impfempfehlung 2026 auf 65- bis 74-Jährige unter bestimmten Voraussetzungen aus.
In Luxemburg stellt das Gesundheitsministerium im Rahmen seiner Sensibilisierungskampagne 2026 Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 17 Jahren Grippeimpfstoffe kostenlos als Nasenspray zur Verfügung.
Schutz vor infektionsbedingten Krebserkrankungen
Über akute Atemwegsinfekte hinaus belegen Erhebungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in der Fachzeitschrift The Lancet Oncology das Potenzial präventiver Immunisierungen gegen tumorinduzierende Erreger. Demnach standen im Jahr 2024 weltweit 2,3 Millionen Tumorerkrankungen – rund 12 Prozent aller Krebsneudiagnosen – mit Infektionen im Zusammenhang.
Zu den häufigsten Erregern zählten das Bakterium Helicobacter pylori mit rund 760.000 Fällen und Humane Papillomviren (HPV) mit etwa 750.000 Fällen, gefolgt von Hepatitis B (360.000), dem Epstein-Barr-Virus (260.000) und Hepatitis C (160.000).
Für Deutschland wies die Untersuchung für 2024 rund 29.000 infektionsbedingte Krebsfälle aus, darunter 11.000 durch HPV. Während Länder wie Portugal und Schweden HPV-Impfraten von rund 90 Prozent aufweisen, lagen die Quoten in Deutschland bei 15-Jährigen lediglich bei 55 Prozent bei Mädchen und 36 Prozent bei Jungen.
In England führte eine hohe Impfquote dazu, dass zwischen 2020 und 2024 bei Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren kein einziger Todesfall durch Gebärmutterhalskrebs auftrat, während statistisch 23 Fälle erwartet worden wären.
