RSQ-020: Experimenteller Wirkstoff stellt Gedächtnis bei Alzheimer-Fliegen wieder her
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen rückt das Tau-Protein zunehmend in den Mittelpunkt. Wenn dieses Eiweiß eine fehlerhafte Faltung annimmt und verklumpt, führt dies im Gehirn zu schweren Schäden, die für Leiden wie Alzheimer typisch sind.
Ein Forschungsteam um Giorgos Skretas am Alexander-Fleming-Forschungszentrum und der Nationalen Griechischen Forschungsstiftung hat gemeinsam mit dem Spin-off ResQ Biotech mit dem Wirkstoffkandidaten RSQ-020 einen neuen Ansatz entwickelt. Das kleine ringförmige Molekül kann ins Gehirn vordringen und instabile Tau-Proteine davor bewahren, sich zu schädlichen Aggregaten zusammenzulagern.
Erfolge im Modellorganismus und an menschlichem Gewebe
Erste präklinische Untersuchungen liefern Hinweise auf das Potenzial des Moleküls. In Versuchen mit Fruchtfliegen, die genetische Merkmale von Alzheimer aufwiesen, konnte RSQ-020 die Lern- und Gedächtnisfähigkeit der Tiere wiederherstellen.
Bemerkenswert war dabei, dass diese Schutzwirkung auch nach dem Absetzen der Substanz weiter anhielt. Nach Angaben von ResQ Biotech schnitt der Kandidat im lebenden Organismus zudem besser ab als die bekannten Vergleichssubstanzen LMTX und EGCG.
Über die Tests an Modellorganismen hinaus überprüften die Forschenden die Wirkung auch direkt an Gewebeproben von Verstorbenen. Im Labor zeigte sich, dass RSQ-020 in der Lage war, bereits bestehende Proteinablagerungen aufzulösen.
Diese Effekte beschränkten sich nicht nur auf Gewebe von Alzheimer-Patienten: Die Substanz zeigte auch bei Proben der Pick-Krankheit, einer Form der frontotemporalen Demenz, sowie der progressiven supranukleären Lähmung eine auflösende Wirkung auf die toxischen Eiweißansammlungen.
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Bakterielle Plattform identifiziert Wirkstoffkandidaten
Die Entdeckung von RSQ-020 basiert auf einer spezialisierten Screening-Technologie, die das Team ursprünglich zur Erforschung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und des damit verbundenen SOD1-Proteins entwickelt hatte.
Das Verfahren nutzt gentechnisch veränderte Bakterien, die in der Lage sind, Milliarden potenzieller Moleküle zu erzeugen und zu überprüfen. Gelingt es einem Molekül im Testsystem, die korrekte Funktion eines defekten Zielproteins wiederherzustellen, signalisieren die Bakterien diesen Erfolg durch ein grünes Fluoreszenzleuchten.
Dieses Verfahren lässt sich neben ALS auch auf Alzheimer, Parkinson und weitere neurodegenerative Krankheiten anwenden, bei denen fehlerhafte Proteinstrukturen eine zentrale Rolle spielen.
Finanzierung und der Weg zur klinischen Phase
Die wissenschaftlichen Vorarbeiten erhielten in der Vergangenheit namhafte Unterstützung. Im Jahr 2023 stieg Lars Rasmussen, Mitgründer von Google Maps, als Unterstützer ein. 2024 folgte eine Proof-of-Concept-Förderung des Europäischen Forschungsrats in Höhe von 150.000 Euro, um die Translationsforschung voranzutreiben.
An der weiteren Entwicklung sind das Alexander Fleming Biomedical Sciences Research Centre, die National Hellenic Research Foundation sowie ResQ Biotech beteiligt.
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Trotz der vielversprechenden Laborergebnisse befindet sich das Projekt noch in einem frühen Entwicklungsstadium. RSQ-020 wurde bislang ausschließlich an Fruchtfliegen und an menschlichen Gewebeproben im Labor getestet; Untersuchungen am Menschen haben noch nicht stattgefunden.
Positive Resultate in Tiermodellen make weitere Tests unumgänglich, um Wirksamkeit und Sicherheit für Patienten zuverlässig zu beurteilen. Als nächster Entwicklungsschritt stehen Studien an Mäusen an. Verläuft diese Phase erfolgreich, rechnet Giorgos Skretas innerhalb von drei Jahren mit ausreichenden Daten, um erste klinische Studien an menschlichen Probanden zu rechtfertigen.
