Rosazea, Ohrakupressur

Rosazea: Ohrakupressur erzielt bei 56,9 Prozent Behandlungserfolg

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei 204 Rosazea-Patienten verbesserte die ergänzende Ohrstimulation die Behandlungsergebnisse gegenüber der Placebo-Punkt-Stimulation.
Eine Nahaufnahme von kleinen, getrockneten Pflanzensamen in einer schlichten Schale in einer hellen, minimalistischen Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt.

Die Ohrakupressur gewinnt als komplementäre Behandlungsform zunehmend an wissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Während die Reizung spezifischer Punkte an der Ohrmuschel in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten praktiziert wird, liefern aktuelle klinische Untersuchungen präzisere Daten zu ihren physiologischen Wirkungen.

Eine im Fachjournal JAMA Dermatology veröffentlichte randomisierte, einfach verblindete und placebokontrollierte Single-Center-Studie chinesischer Dermatologen untersuchte den Einsatz einer gerätefreien Ohrakupressur als Ergänzung zur dermatologischen Erstlinien-Standardtherapie bei Rosazea. Es handelt sich um die erste Untersuchung dieser Art, die einen Vergleich mit einem Placebo-Punkt durchführte und zugleich neuroimmunmodulierende Effekte über Serummarker erfasste.

Klinische Ergebnisse und neuroimmunologische Marker

An der Untersuchung nahmen 204 Rosazea-Patienten unter Standardmedikation teil, die im Verhältnis 1:1 aufgeteilt wurden. In der aktiven Interventionsgruppe wurden Samen der Pflanze Vaccaria segetalis im Bereich der Cavum conchae angebracht, einer vom Vagusnerv innervierten Zone des Ohrs.

Die Kontrollgruppe erhielt die Samenpflaster hingegen am oberen Rand des Aurikularhöckers, einem rein somatosensorisch versorgten Bereich. Beide Gruppen führten die Akupressur über einen Zeitraum von acht Wochen dreimal täglich für jeweils 30 Sekunden durch.

Nach Ablauf der acht Wochen erzielten in der aktiven Gruppe 58 Patienten (56,9 Prozent) einen Behandlungserfolg, definiert als ein Wert von 0 oder 1 auf der IGA-Skala (Investigator’s Global Assessment). In der Placebogruppe traf dies auf 36 Patienten (35,3 Prozent) zu.

Zudem zeigte sich bei 59,3 Prozent der Teilnehmer in der aktiven Gruppe ein sofortiger vaskulärer Response, während dieser Wert in der Kontrollgruppe bei 7,4 Prozent lag. Die klinischen Verbesserungen blieben bis zur 20. Woche erhalten, schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.

Auf molekularer Ebene verzeichnete die aktive Gruppe eine stärkere Senkung der Serumkonzentrationen von LL-37, CGRP, TNF-? sowie IL-6, was auf entzündungshemmende und neuroimmunologische Effekte hinweist.

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Methodik und Prinzipien der Reizung über Samenpflaster

Das Wirkprinzip dieser äußeren Therapiemethode beruht auf dem Aufkleben von Arzneimittelsamen mittels Klebeband auf definierte Reflexzonen. Die manuelle Stimulation erfolgt durch Reiben, Drücken oder Kneifen, bis ein Taubheits-, Kribbel-, Spannungs- oder Schmerzgefühl spürbar wird.

Nach dem traditionellen Erklärungsmodell gilt das Ohr als Reflexzone, auf der sich die zwölf Meridiane und Blutgefäße sammeln, wobei die Projektionsfläche der Form eines umgekehrten Fötus mit Zuordnungen zu inneren Organen und Gliedmaßen ähnelt.

In der ästhetischen Medizin findet das Verfahren auch im Rahmen von Gesichtsbehandlungen zur Konturstraffung flankierend zu Nadelungen, Fadenimplantationen oder Schröpfverfahren Erwähnung.

Für die sachgerechte Anwendung der Wangbuliuxing-Samenpflaster – etwa bei funktionellen Beschwerden wie Kurzsichtigkeit infolge von Augenüberanstrengung – gelten feste Praxisregeln.

Nach dem Ausschluss von Gegenanzeigen wird das Ohr zunächst von innen nach außen mit Alkohol desinfiziert. Der Behandler sucht den Zielpunkt mithilfe eines Stifts oder einer Klemme, bis ein stechend-warmes Spannungsgefühl auftritt, und markiert diesen mit tolerierbarem Druck.

Typischerweise wird zunächst nur ein Ohr beklebt; das zweite folgt erst, wenn das erste gerötet und warm ist. Das fixierte Samenkorn wird mit Daumen und Zeigefinger beidseitig gepresst und gedreht. Je nach Schmerztoleranz erfolgt die Stimulation drei- bis fünfmal täglich für eine bis zwei Minuten, bevor das Pflaster nach drei Tagen entfernt wird.

Anwendungsbereiche, Kontraindikationen und Studienlage

Über dermatologische Fragestellungen hinaus kommt die Ohrakupressur mit Wangbuliuxing-Samen unter anderem bei Kopf-, Nacken-Schulter- sowie postoperativen Schmerzen zum Einsatz. Häufig genutzte Stimulationspunkte sind hierbei Shenmen, Sympathikus sowie die corticoid-subkutane Zone, die ebenfalls drei- bis fünfmal täglich für ein bis zwei Minuten aktiviert werden.

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Bestimmte Vorerkrankungen schließen eine Behandlung jedoch aus: Kontraindiziert ist die Methode bei Herzerkrankungen, bestehender Schwangerschaft, akuten Ohrenentzündungen, Allergien gegen das Trägerklebeband sowie offenen Hautläsionen am Ohr.

Trotz positiver Einzelergebnisse bleibt die wissenschaftliche Gesamtevidenz differenziert zu betrachten. Eine im Fachjournal The Journal of Pain veröffentlichte Metaanalyse aus dem Jahr 2018, die 39 Studien mit insgesamt 20.827 Schmerzpatienten auswertete, hielt fest, dass die Datenlage für die Ohrakupressur im Vergleich zur klassischen Nadelakupunktur bei chronischen Schmerzen weiterhin schwächer ausgeprägt ist.

Neuere randomisierte Studien mit objektiven Serummarkern liefern jedoch methodische Ansätze, um die spezifischen physiologischen Pfade der Aurikularstimulation systematisch weiter zu überprüfen.

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de | wissenschaft | 70389506 |