Rosazea: Ohrakupressur bringt 56,9 Prozent zu fast erscheinungsfreier Haut
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 15:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie chronisch-entzündliche Hauterkrankung Rosazea stellt Betroffene und Behandelnde häufig vor therapeutische Hürden, da herkömmliche Standardtherapien oft nur unvollständige Linderung verschaffen.
Eine im Fachjournal JAMA Dermatology im Jahr 2026 veröffentlichte Untersuchung chinesischer Dermatologen liefert nun randomisierte Belege dafür, dass eine zielgerichtete Ohrakupressur als begleitende Maßnahme zur medizinischen Standardbehandlung die Symptome deutlich reduzieren kann. Im Zentrum der Untersuchung stand die Reizung des sogenannten Vagusastes im Bereich des Cavum conchae am Ohr.
Studiendesign mit Kontrollgruppe
An der randomisierten, einfach verblindeten und placebokontrollierten Studie nahmen 204 Patientinnen und Patienten teil. Die Kohorte wies einen Frauenanteil von 84 Prozent sowie ein Durchschnittsalter von 30 Jahren auf. Die Probanden wurden im Verhältnis 1:1 aufgeteilt, sodass jeweils 102 Personen der Interventions- und der Kontrollgruppe angehörten.
In der Interventionsgruppe klebten die Forschenden Samen der Heilpflanze Vaccaria segetalis im Cavum conchae auf, um den dort verlaufenden Ast des Vagusnervs zu stimulieren.
Die Patientinnen und Patienten wandten die Akupressur über einen Zeitraum von acht Wochen dreimal täglich für jeweils 30 Sekunden an und wiederholten die Prozedur bei akuten Krankheitsschüben zusätzlich. Die Kontrollgruppe erhielt die Pflanzensamen hingegen am äußeren Ohrrand, wodurch lediglich ein rein somatosensorischer Reiz ohne spezifische Nervenstimulation erzeugt wurde.
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Deutliche Linderung von Symptomen und Gefäßreaktionen
Nach acht Behandlungswochen zeigte sich in der Interventionsgruppe ein signifikanter klinischer Nutzen: 56,9 Prozent der Teilnehmenden (58 Personen) erreichten auf der Bewertungsskala des Investigator's Global Assessment (IGA) die Einstufung 0 bis 1, was einem erscheinungsfreien oder fast erscheinungsfreien Hautbild entspricht.
In der Placebogruppe traf dies lediglich auf 35,3 Prozent (36 Personen) zu. Daraus ergab sich eine Number Needed to Treat (NNT) von 5, was bedeutet, dass rechnerisch fünf Patienten behandelt werden müssen, damit eine zusätzliche Person den Behandlungserfolg erzielt.
Zudem zeigte sich bei 59,3 Prozent der Teilnehmenden in der Interventionsgruppe eine unmittelbare Verbesserung der Gefäßreaktionen, verglichen mit 7,4 Prozent unter Placebobedingungen. Diese therapeutischen Effekte hielten bis zur 20. Woche an und bestanden somit noch zwölf Wochen nach Abschluss des achtwöchigen Interventionszeitraums fort. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten im Verlauf der Untersuchung nicht auf.
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Neuroimmunologische Mechanismen und Limitationen
Die Studie lieferte erstmals randomisierte Nachweise für einen neuroimmunmodulatorischen Wirkmechanismus bei dieser Anwendungsform. Blutanalysen ergaben, dass relevante Serummarker wie LL-37, CGRP, TNF-? sowie IL-6 unter der gezielten Ohrakupressur stärker sanken als in der Vergleichsgruppe. Dies deutet darauf hin, dass die Stimulation über den Vagusnerv entzündungsfördernde Signalwege im Körper dämpfen kann.
Trotz der positiven Befunde verweisen die Autoren auf methodische Einschränkungen der Untersuchung. Da die Datenerhebung an einem einzelnen Krankenhaus stattfand und die Kohorte überwiegend aus jungen Frauen bestand, ist eine Verallgemeinerung auf andere Patientengruppen nur bedingt möglich.
Fachleute betonen zudem, dass die Ohrakupressur ausschließlich als Ergänzung zur etablierten dermatologischen Standardtherapie erprobt wurde und diese keinesfalls ersetzen kann.
