Rohstoffmangel, Tellur-Bedarf

Rohstoffmangel: Tellur-Bedarf steigt bis 2035 um 82 Prozent

02.07.2026 - 20:33:07 | boerse-global.de

Trotz hoher Investitionen in Recycling und Effizienz fehlen vielen Firmen dokumentierte Nachhaltigkeitsprozesse und CO2-Ziele.

Kreislaufwirtschaft: Fortschritte und Hürden in der deutschen Industrie
Rohstoffmangel - Ein Symbol für Kreislaufwirtschaft, bestehend aus Zahnrädern und Pfeilen, integriert mit Industrieanlagen und recycelten Materialien. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während der EU Green Deal Klimaneutralität bis 2050 vorschreibt, treiben wirtschaftliche Motive wie Ressourceneffizienz und Lieferkettensicherheit die Unternehmen an. Das Bild bleibt jedoch heterogen.

Warum Kreislaufwirtschaft jetzt strategisch wird

Die Industrie versteht Zirkularität zunehmend als Werkzeug für Resilienz und Unabhängigkeit von Rohstoffimporten. Ein aktuelles Whitepaper von Rödl & Partner zeigt: Der jährliche Ressourcenverbrauch in der EU liegt bei 14,9 Tonnen pro Kopf. Besonders Aluminium-Recycling spart im Vergleich zur Primärgewinnung satte 95 Prozent Energie.

In der Metallbranche fließen massiv Investitionen in Recyclingkapazitäten. Der Hamburger Konzern Aurubis plant eine neue Anlage zur Rückgewinnung von Kupfer, Blei und Edelmetallen aus Elektroschrott. Rund 190 Millionen Euro steckt das Unternehmen in diesen Bereich. Der Grund: Die Nachfrage steigt rasant. Schätzungen zufolge klettert der Bedarf an Tellur bis 2035 um 82 Prozent, bei Zinn um 40 Prozent. Branchenvertreter fordern deshalb Exportzölle auf Kupferschrott – um wertvolle Sekundärrohstoffe in Europa zu halten.

Große Lücken im Lieferkettenmanagement

Trotz aller Strategie: Die Realität sieht oft anders aus. Der EcoVadis Index 2026 offenbart erhebliche Defizite. Satte 80 Prozent der Tier-1-Lieferanten haben keine dokumentierten Managementprozesse für Nachhaltigkeitsrisiken. Noch gravierender: 73 Prozent dieser Zulieferer berichten keine Scope-3-Emissionen – also die indirekten Treibhausgase in der Lieferkette.

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Auch bei den Klimazielen hapert es. 78 Prozent der untersuchten Unternehmen haben keine wissenschaftsbasierten CO2-Ziele definiert. Ein Lichtblick: Immerhin 46 Prozent der Betriebe beziehen erneuerbare Energien. Um die Transparenz zu verbessern, gibt es seit Anfang Juli neue Leitfäden für Treibhausgasbilanzen und Zertifizierungsprogramme – angelehnt an die EU-Richtlinie 2024/825.

Regulatorik im Wandel – und Politiker unterschätzen die Bürger

Die rechtlichen Rahmenbedingungen passen sich an. Das Bundesumweltministerium legte Anfang Juli ein Paket mit 25 Maßnahmen zur Modernisierung des Umweltrechts vor. Geplant sind unter anderem Erleichterungen bei der Ersatzbaustoffverordnung und eine höhere Prüfschwelle beim Einwegkunststofffonds.

Auf EU-Ebene zeichnet sich dagegen eine Lockerung ab. Ein Entwurf zur Energy Efficiency Directive vom Juli 2026 sieht vor, strenge Ökostromvorgaben für Rechenzentren zu streichen und Kernkraft als anrechenbare Energiequelle zuzulassen.

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Spannend: Eine Studie der Universitäten Bochum und Leuphana zeigt, dass Politiker die Klimaschutzbereitschaft der Bevölkerung massiv unterschätzen. 48 Prozent der Bürger wären bereit, ein Prozent ihres Einkommens für den Klimaschutz zu spenden. Die politischen Entscheidungsträger schätzten diesen Wort im Durchschnitt auf nur 18 Prozent.

Energieeffizienz: Wichtig, aber nicht prioritär

In der Praxis zeigt sich ein Widerspruch. Der Energieeffizienz-Index der Universität Stuttgart belegt steigende Investitionen – gleichzeitig sinkt die strategische Bedeutung des Themas für Unternehmen. Haupttreiber für Effizienzmaßnahmen sind Kostenkontrolle (71 Prozent) und gesetzliche Anforderungen (58 Prozent).

Eine geplante Novelle des Energieeffizienzgesetzes könnte die Pflichten weiter reduzieren. Durch höhere Schwellenwerte müssten deutlich weniger Betriebe verpflichtende Abwärmemaßnahmen umsetzen. Regionale Initiativen wie das Projekt Circular.NiederRhein (2026–2028) versuchen gegenzusteuern – speziell in der Bauwirtschaft. In der Praxis scheitert die Umsetzung jedoch häufig an hohen Energiekosten und starren Vorgaben.

de | wissenschaft | 69675904 |