Rohstoff-Superzyklus, Spezialmetalle

Rohstoff-Superzyklus: Spezialmetalle verteuern sich um 70–75 Prozent

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Künstliche Intelligenz und Robotik lösen globalen Rohstoff-Superzyklus aus. Spezialmetalle verteuern sich massiv, Milliarden fließen in neue Förderprojekte.

KI-Boom treibt Rohstoffpreise: Spezialmetalle und Seltene Erden im Superzyklus
Ein Roboterarm untersucht Rohmetallmineralien und Industrieerze in einem Hightech-Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz und humanoider Roboter hat einen globalen Rohstoff-Superzyklus ausgelöst. Besonders betroffen: Spezialmetalle, Seltene Erden und Kupfer – mit massiven Preissteigerungen und Milliardensummen für neue Förderprojekte. Für die deutsche Industrie wird die Rohstoffsicherung damit zur strategischen Schlüsselfrage.

Spezialmetalle mit Preissprüngen von über 70 Prozent

Der Hunger nach Rechenleistung setzt die Lieferketten für Hightech-Metalle massiv unter Druck. Seit Jahresbeginn verteuerten sich raffinierte Indium-Preise um mehr als 70 Prozent, Germanium-Barren legten sogar um 75 Prozent zu. Die Förderunternehmen profitieren kräftig: In der ersten Jahreshälfte meldeten die großen Produzenten Gewinnsteigerungen zwischen 148 und 275 Prozent.

Auch die Industriemetalle spüren den KI-Effekt. Am 4. August erreichte Kupfer an der Londoner Börse mit 14.066 Dollar pro Tonne den höchsten Stand seit Mitte Mai. Bereits im Juli waren mehr als 200.000 Tonnen des Metalls in US-Häfen angekommen – der höchste Monatswert seit über einem Jahrzehnt. Aluminium, Nickel und Zink legten ebenfalls zu, angetrieben durch einen schwachen Dollar und Lieferängste.

Milliardeninvestitionen in Seltene Erden

Um die Versorgung für Roboter und Verteidigungstechnik abzusichern, treiben westliche Regierungen den Aufbau eigener Förderkapazitäten voran. Das US-Unternehmen Energy Fuels startete eine 104-Millionen-Dollar-Erweiterung seiner Anlage in Utah. Bereits Ende 2027 sollen dort die begehrten Magnetelemente Dysprosium und Terbium in kommerzieller Menge produziert werden, ab 2028 folgen weitere Seltene Erden. Ein Kredit über 725 Millionen Dollar vom US-Strategiekapitalbüro ist zugesagt.

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Auch das Start-up Phoenix Tailings setzt auf den Boom: Mit einem 500-Millionen-Dollar-Darlehen des Pentagons will das Unternehmen seine Samarium-Produktion drastisch ausbauen – von aktuell 200 Kilogramm pro Jahr auf fünf Tonnen binnen drei Monaten und 120 Tonnen bis 2028. Im privaten Sektor sammelte Mariana Minerals 310 Millionen Dollar ein, um KI-gesteuerte Bergwerke in Utah und Texas aufzubauen. Ab Anfang 2027 sollen dort raffiniertes Kupfer und Lithium gefördert werden.

Roboterfertigung wandert nach Südostasien

Die Produktion von Robotik-Komponenten verlagert sich zunehmend nach Südostasien. Thailands Investitionsbehörde genehmigte kürzlich über zehn Milliarden Baht für fünf chinesische Unternehmen, die im Eastern Economic Corridor eine Fertigungsbasis für humanoide Roboter aufbauen. Ab 2027 sollen dort Strukturteile wie Gelenke und Gehäuse entstehen.

Im Bereich der Drohnen treibt der US-Konzern MP Materials die Magnetproduktion voran. Die Branche verbrauchte 2025 zwischen 3.000 und 8.000 Tonnen Magnete. Mit über 1,25 Milliarden Dollar baut das Unternehmen seinen Standort in Texas aus, der 2028 mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen Neodym-Eisen-Bor-Magneten an den Start gehen soll.

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KI-Infrastruktur treibt Preise für Elektronikkomponenten

Die Investitionen der Tech-Konzerne in KI-Infrastruktur haben die Marke von einer Billion Dollar überschritten – mit Folgen für die gesamte Elektronikbranche. Samsung Electro-Mechanics erhöhte am 1. August die Preise für Mehrschicht-Keramikkondensatoren (MLCCs) um 30 Prozent. Ein KI-Server-Schrank benötigt bis zu 440.000 dieser Bauteile – fast zehnmal so viele wie ein Standardserver. Das Werk auf den Philippinen wird deshalb beschleunigt hochgefahren.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die US-Regulierung: Ein geplantes Verbot chinesischer Glasfasertransceiver könnte noch 2026 in Kraft treten. Da chinesische Hersteller rund 60 Prozent des Weltmarkts für schnelle 800G-Transceiver kontrollieren, warnen Branchenkenner vor erheblichen Engpässen in Rechenzentren. Die Preise für Indiumphosphid-Wafer sind seit Anfang 2025 bereits um 250 Prozent gestiegen – ein Vorgeschmack auf das, was deutsche Unternehmen in der Halbleiter- und Automobilindustrie erwartet, wenn die Rohstoffkonkurrenz weiter eskaliert.

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